21:58 12 Juli 2020
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    Zeitungen berichten von einem „bizarren Trend“ in der Covid-19-Krise in Hessen. Demnach wollen immer mehr Menschen Haustiere wie Hunde und Katzen „auf Zeit ausleihen.“ In Hessen zeigt sich ein Tierheim laut Medien „geschockt“. Medizinisch umstritten bleibt, ob sich Haustiere mit dem neuen Coronavirus anstecken oder es übetragen können.

    Während der Corona-Pandemie habe sich „ein skurriler und bizarrer Trend entwickelt“. Demnach würden immer mehr Menschen in den Zeiten von SARS-CoV 2 (Covid-19) ein „Haustier auf Zeit“ wollen. Das berichtete die „Frankfurter Rundschau“ (FR) am Mittwoch.

    „Kontaktverbot, Abstandhalten und wenig Aussicht auf Lockerungen in Zeiten der Corona-Krise. Gerade für Alleinstehende ist das ständige Zuhause sitzen oft besonders schwer erträglich. Aber auch Familien mit Kindern wissen die Kleinen oft kaum noch zu beschäftigen.“

    Die Lösung im Bundesland Hessen sei für viele Menschen demnach: Ein Hund oder eine Katze als Haustier in Leihe. „Ein Hund oder eine Katze für das Kontaktverbot – Im Tierheim steht das Telefon nicht still“, so die Zeitung aus Frankfurt am Main.

    „Ausleihen? Ja, richtig gehört!“

    Seit der dortigen Einführung des Kontaktverbots würden immer mehr Anfragen den „Tierschutzverein Frankfurt am Main und Umgebung von 1841“ erreichen. „Mitarbeiter des Tierheims staunten nicht schlecht, als die erste Anfrage sie erreichte. Ob es denn möglich sei, Hunde und Katzen auszuleihen. Auf Zeit – wegen der Corona-Krise.“

    Besuch eines Tierarztes in den Corona-Zeiten (Symbolbild)
    © Sputnik / Varvara Gertier

    „Tierheim geschockt“, berichtete das Online-Magazin „Tag24“ dazu: „Menschen wollen Hunde und Katzen in Corona-Krise ausleihen. (...) Ausleihen? Ja, richtig gehört! Denn scheinbar sollen die Vierbeiner lediglich als Mittel zum Zweck der Ablenkung dienen, bis die Corona-Maßnahmen letztlich komplett abgeschafft werden.“

    Die anfragenden Bürger wollten demnach wissen, ob es möglich sei, die Tiere anschließend wieder zurückgeben, wenn die Corona-Maßnahmen wieder gelockert würden. „Das war wirklich eine Menge, das war am Anfang tatsächlich so schlimm, dass das Telefon fast nur noch deshalb geläutet hat“, wurde Sabine Urbainsky, Leiterin des Tierheims Frankfurt, in der „FR“ zitiert.  Das beliebteste Leih-Haustier sei demnach der Hund. „Nach Katzen wurde nur hin und wieder gefragt.“

    Nicht gut für Haustiere

    „Mit Sätzen wie 'Im Homeoffice hätte ich gerade viel Zeit für einen Hund' oder 'Bei mir hat es das Haustier doch besser als im Zwinger' begründeten Menschen jeder Couleur ihre Anfrage.“

    Die Leiterin vom Frankfurter Tierheim gab allerdings deutlich zu verstehen, dass natürlich keine Hunde und Katzen oder andere Haustiere auf Zeit vermittelt werden können.

    „Das Haustier versteht das Ganze ja nicht“, sagte sie. „Es denkt, es habe ein neues Zuhause, und landet dann plötzlich wieder im Tierheim. Es gibt Haustiere, die brechen davon seelisch zusammen“. Die Tierheim-Mitarbeiter hätten dann alle Hände voll zu tun, das Tier wieder aufzupäppeln.

    Medizinisch immer noch umstritten: Können Tiere Covid-19 übertragen?

    Ob sich Haustiere mit dem neuartigen Coronavirus anstecken oder es auf ihre Herrchen und Frauchen übertragen können, ist derzeit wissenschaftlich immer noch nicht eindeutig erforscht. Forscher der veterinärmedizinischen Fakultät an der Universität Liege (Lüttich) in Belgien hatten bereits Ende März nachgewiesen, dass ein Katzenbesitzer sein Haustier tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Ähnliche Fälle gab es auch in Hongkong. Endgültige Schlussfolgerungen auf Basis solcher Fälle sind unter Medizinern und Biologen jedoch immer noch umstritten.

    „Bereits zu Beginn der weltweiten Corona-Krise Anfang März soll das neuartige Coronavirus bei einem Hund in Hongkong nachgewiesen worden sein“, berichtete der „Mitteldeutsche Rundfunk“ (MDR) bereits Anfang April. „Wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hatte, war das nur bedingt richtig. Nachgewiesen worden sind Sars-COV-2-Viren im Schnauzenbereich des Hundes einer am Coronavirus erkrankten Patientin. Von einem Speichel- oder Bluttest war dabei nicht die Rede.“

    Es gebe „keinerlei Anzeichen, dass das Virus bei Hunden oder Katzen auftritt. Im gleichen Zug gibt es keine Hinweise, dass das Virus von diesen Heimtieren auf den Menschen übertragen werden könnte.“ Das teilt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen aktuell mit. Dieser Aussage wiederum widerspricht eine Studie aus China, die das Vorhandensein von Covid-19-Spuren bei Haustieren nachgewiesen haben will. Die Studie wurde von der Agrar-Universität Huazhong und vom Institut für Virologie in Wuhan im April erstellt.

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    Tags:
    Hessen, Isolation, Coronavirus, Haustiere