00:09 30 Oktober 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    13867
    Abonnieren

    Der Verdacht wiegt schwer: Kassiert ein arabischer Clan in Berlin Corona-Hilfen vom Staat? Fakt ist, durch die Pandemie-Maßnahmen und zahlreichen Kontaktbegrenzungen wurde auch das Geschäft der organisierten Kriminalität geschädigt. Doch der kriminelle Schwerpunkt hat sich anscheinend nur verlagert – zu Waffenhandel, Zwangsprostitution und Betrug.

    Es waren Bilder, die durch Deutschland gingen: Nach dem Mord an einem bundesweit bekannten Intensivtäter im September 2018 in Berlin waren fast 2000 Sympathisanten und Mitglieder diverser polizeibekannter arabischer Großfamilien, darunter auch des Remmo-Clans zur Beerdigung gepilgert (die Schreibweise dieses Clans variiert zwischen Remmo, Rammo oder auch Remo). Der Todesschütze ist bis heute unbekannt, doch es handelte sich offenbar um einen Gewaltakt zwischen rivalisierenden Gangs. Der getötete Nidal R., selbst kein Teil des Remmo-Clans, war ein der Justiz bestens bekannter Intensivtäter. In seinen Akten: Messerstechereien, Raubüberfälle, Drogen und Körperverletzungen. Abgeschoben werden konnte er nicht, weil seine Heimat Libanon ihn nicht als Staatsbürger anerkannte.

    Die Vorwürfe wiegen schwer

    Der Remmo-Clan ist eine Großfamilie mit libanesischen Wurzeln und über 500 Angehörigen. Gegen zahlreiche Mitglieder wird wegen schweren Gewaltdelikten, Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Diebstahl und auch Mord ermittelt. Die Mutter des Clan-Chefs Issa Remmo, die in Beirut geborene Alie Mohamad Remmo, war 1984 nach Deutschland gekommen, dort hatte sie 16 Kinder zur Welt gebracht. In der vergangenen Woche war sie in einem Berliner Klinikum an einer schweren Erkrankung verstorben.

    Ein neuer Großeinsatz

    Ihre Beerdigung am vergangenen Montag sorgte wiederum für ein Großaufgebot der Polizei: Über 250 Berliner Beamte waren im Einsatz, um die Corona-Abstands-Regeln durchzusetzen. Im Gegensatz zu früheren Zusammenkünften dieser Art nahmen aber nur rund 100 Trauernde seitens der Remmo-Familie teil, größere Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht.

    Im Visier der Fahnder

    An anderer Stelle sehen Polizei und Staatsanwaltschaft aber aktuell durchaus Handlungsbedarf. Laut dem Magazin „Spiegel TV“ sei es naheliegend, dass das Landeskriminalamt derzeit gegen arabische Clans hinsichtlich Missbrauch bei Corona-Hilfen recherchiere. In den Datensätzen der Berliner Investitionsbank würden mehr als ein Dutzend Wohn- und Geschäftsadressen von polizeibekannten Großfamilien überprüft. Dabei hätten die Ermittler erste Erfolge verzeichnen können.

    Die Fäden laufen zusammen

    Den Fahndern sei aufgefallen, dass Absender der Anträge von Corona-Hilfen eine Adresse in Berlin-Köpenick angegeben hätten. Offiziell gehört die Immobilie einem mittellosen Taxifahrer im Libanon. Das Klingelschild zeigt den Namen „K... R... Verwaltungs GmbH“, der auf ein Mitglied der Remmo-Familie hindeutet. Auch weitere Adressen auf Hilfs-Anträgen würden eine Verbindung zu der Großfamilie zeigen. Laut „Spiegel TV“ könne es sich bei einem Haus mit dem Klingelschild „M... R...“ (ebenfalls eine Name, der auf ein Mitglied der Remmo-Familie hindeutet) um eine Briefkastenfirma handeln, das Gebäude befindet sich im Rohbau. Die Immobilie ist übrigens seit 2018 von der Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäsche beschlagnahmt.

    Wer hat betrogen?

    In Berlin wurden pro Antrag 5000 bis 15.000 Euro Hilfsgelder bewilligt. Derzeit ermittle die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt in rund 55 Fällen auf Verdacht von Subventionsbetrug. Ob diese Ermittlungen sich auch gegen arabische Clans oder speziell gegen die Remmo-Familie richten, ist bislang unklar. Auf Sputnik-Nachfrage erklärte der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, Ermittlungen gegen den Remmo-Clan könne man nicht bestätigen, die Recherchen von „Spiegel TV“ deckten sich aber mit dem eigenen Kenntnisstand.

    Kriminalität verlagert sich

    Laut Jendro hätten sich die Geschäftsfelder der organisierten Kriminalität in Zeiten von Corona verschoben. Derzeit könne wegen Geschäftsschließungen kein Geld in Restaurants und Einrichtungen gewaschen werden. Auch der Drogenhandel habe Einbrüche erlebt, da das Partyleben in Berlin zum Stillstand gekommen sei. Doch nicht alle kriminellen Bereiche seien betroffen, so Jendro:

    „Denn die Betätigungsfelder der organisierten Kriminalität sind vielfältig und auch wenn es gerade holpriger ist, können derzeit auch Kriminelle Geld verdienen. Der Handel mit Waffen erfolgt momentan genauso wie Zwangsprostitution, Betrug und mit Blick auf Immobilien auch die Geldwäsche.“

    Dennoch lobt Jendro, dass sich seit dem Mord von Nidal R. im Jahr 2018 in Berlin vieles im Kampf gegen Clans getan habe. Zuvor sei die Polizei weitgehend auf sich allein gestellt gewesen, nun gebe es eine deutlich stärkere Rückendeckung seitens der Politik:

    „Seitdem erlebt man einen engagierten Senat, der ein behördenübergreifendes Vorgehen (Polizei, Staatsanwaltschaft, Zoll, Jugendämter, Finanzämter, Steuerfahndung etc.) vorantreibt.“

    Berlin habe einen Fünf-Punkte-Plan entwickelt und eine Clan-Konferenz veranstaltet. Man habe man erstmals ein Lagebild der organisierten Kriminalität veröffentlicht, in dem „ethnisch-abgeschottete Subkulturen“ ein eigenes Kapitel einnähmen. Ebenso sei der Austausch zu anderen Bundesländern und dem Bund intensiviert worden.

    Ein Gewinner der Krise?

    Die Corona-Pandemie macht also auch Verbrechern zu schaffen und sie regt auch zu neuen Betrugsmaschen an. Bei der Umsetzung der Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus habe die Berliner Polizei laut Benjamin Jendro nicht nur speziell arabische Clans im Blick. Generell schauten Beamten demnach, welcher Gastronom oder Betreiber sich nicht an die Regeln halte, unabhängig ob es eine Einrichtung einer bekannten arabischen Großfamilie sei. Die Staatsanwaltschaft sieht das bei ihren Recherchen ähnlich. Und so bleibt abzuwarten, ob der Berliner Remmo-Clan am Ende vielleicht sogar als einer der wenigen Gewinner aus der Corona-Krise hervorgehen wird, oder ob die Ermittlungen der Behörden am Ende einen Erfolg bringen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Schwerer Unfall in NRW: Auto erfasst Menschengruppe
    „Zwölf Steuerzahler finanzieren einen Geflüchteten“: AfD zur Zuwanderung – Sputnik hakt nach
    Messerattacke in Kirche von Nizza: Drei Todesopfer bestätigt
    Corona-Politik: „Verstößt gegen alles, was ich über Deutschland gelernt habe“ - Brönners Brandrede
    Tags:
    Kriminalität, Betrug, Polizei, Staatsanwaltschaft, Berlin, Clans, Coronavirus