03:24 14 Juli 2020
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    Mitten in der Corona-Krise führt die Messestadt Leipzig seit Wochen eine heiße Debatte: Organisatoren des „Wave-Gotik-Treffens“ (WGT) wollen laut Medien „nichts unversucht lassen“, um ihre Veranstaltung an Pfingsten durchzuführen, trotz Kontaktbeschränkung und Untersagung. Leipzigs Oberbürgermeister widerspricht: „Das Festival ist abgesagt.“

    Schon seit Wochen ist es ein großes Thema in Leipzig und Sachsen: „Trotz Corona: WGT-Veranstalter halten an Pfingsttermin fest.“ Das berichtete der „Mitteldeutsche Rundfunk“ (MDR) bereits Ende April. Das Kürzel „WGT“ steht dabei für „Wave-Gotik-Treffen“. Ein Musik- und Kulturfestival, das alljährlich im Schnitt über 20.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anlockt. Seit 1992 wird dieses „Gothic-Festival“ traditionell am Pfingst-Wochenende in der sächsischen Metropole abgehalten.

    Doch dieses Jahr ist natürlich alles anders. Unter den derzeit geltenden rechtlichen Corona-Beschränkungen dürfte das Festival nicht stattfinden. Aktuell zählt das Robert-Koch-Institut für ganz Sachsen etwa 4800 Infizierte mit Covid-19. Das neuartige Coronavirus hat bisher 181 Todesopfer im Freistaat gefordert.

    Festival-Veranstalter geben Contra

    Die geplante und doch von einer Absage bedrohte Veranstaltung verteilt sich traditionellerweise immer über das gesamte Stadtgebiet und die dazugehörige Club-Szene. Abstandsregeln dabei einzuhalten dürfte schwierig werden. Bis jetzt – Stand Anfang Mai – ist deshalb immer noch unklar, ob das „WGT“ überhaupt in Leipzig stattfinden kann und darf.

    Denn die Veranstalter des Events beharren laut eigener Aussage darauf, „gegen jeden Widerstand“ das Treffen abhalten zu wollen. Auf der anderen Seite sagen Leipzigs Rathaus, das Ordnungsamt und die Polizei „Nein“ zu der geplanten Aktion.

    „Veranstaltungen bis Herbst in Leipzig untersagt“ – Bürgermeister

    Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie stellte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) laut Medien klar:

    „Wir werden Großveranstaltungen bis weit in den Herbst hinein wahrscheinlich nicht durchführen können. Wir haben selbst das ‚Bachfest‘ abgesagt, ich gehe davon aus: Auch das ‚Wave-Gotik-Treffen‘ kann nicht stattfinden.“

    Demnach seien alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen bis auf Weiteres in der Messestadt untersagt. Auch die weltweit geschätzte „Leipziger Buchmesse“ fiel dem neuen Virus schon im März zum Opfer.

    „Allein wegen der weltweiten Reisebeschränkungen könnten Besucher aus beispielsweise Neuseeland oder den USA aller Voraussicht nach nicht nach Deutschland einreisen“, so der MDR mit Blick auf das Treffen an Pfingsten. 

    „Wir sehen Euch alle zu Pfingsten“ – Festival-Veranstalter

    Wer aktuell die offizielle Website der Veranstalter des „Wave-Gotik-Treffen“ aufsucht, kann dort folgende Information der Organisatoren lesen, die an Öffentlichkeit und Politik gerichtet ist:

    „Aufgrund der gegebenen Gesamtsituation, auf welche wir nicht weiter eingehen werden, haben sich bei Euch selbstverständlich einige ‚brennende‘ Fragen ergeben. Aus vielschichtigen Erwägungen heraus haben wir uns bis dato mit Aussagen verhalten gezeigt, zumal die Rechtslage eher diffus erscheint. Sicher ist, dass wir nichts unversucht lassen wollen, die Tradition des WGTs zu Pfingsten aufrecht zu erhalten. Fest steht ebenso, dass wir Euch auch in diesem Jahr ein Treffen mit kultureller Umrahmung ermöglichen möchten. (…) Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, hoffentlich bereits zu Pfingsten!“

    „Verwirrung um Wave-Treffen in Leipzig“ – Medien

    „Abgesagt oder nicht?“ Diese Frage stellte der regionale Radio-Sender „MDR Jump“ in einem Beitrag vor wenigen Tagen.

    „Das weltgrößte Gothic-Festival findet traditionell zu Pfingsten in Leipzig statt. Aber Stand jetzt wird es bis Ende August wegen des Coronavirus keine Großveranstaltungen geben. Und trotzdem halten die WGT-Veranstalter bislang an den Plänen fest.“

    Die Organisatoren würden damit argumentieren, dass das Festival „nur bedingt als ein Groß-Event bezeichnet“ und gewertet werden könne.

    Es handle sich vielmehr um „eine dezentrale Veranstaltung mit zahlreichen Spielstätten über die ganze Stadt“ verteilt. Gespräche zwischen den Veranstaltern und der Stadt oder dem Leipziger Oberbürgermeister habe es allerdings noch nicht gegeben.

    Aber Fakt sei nach momentaner Lage ebenso:

    „Ein offizielles Verbot der Veranstaltung seitens der Stadt gab es bisher aber auch nicht.“ Die weitere Entwicklung dürfte spannend werden: Werden die Organisatoren das „Gothic“-Festival gegen staatlichen Widerstand in Sachsen durchführen? Sputnik bleibt bei diesem Thema weiter dran.

    Die „Gothic-Kultur“ definiert sich selbst als „Schwarze Szene“. Sie entstand mutmaßlich in den späten 1980er Jahren in der westeuropäischen und US-amerikanischen Jugend-Subkultur und zieht seit jeher unter anderem alternativ Denkende und sogenannte „Dark-Wave“-Anhänger an. 

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    Tags:
    Festival, Leipzig, Coronavirus, Gothic-Kultur