00:21 12 Juli 2020
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    In einem zweijährigen Pilotprojekt haben finnische Forscher eine Studie lanciert, welche Arbeitslose in ihrem alltäglichen Leben begleitet hat. Die Studie solle zeigen, welche Auswirkungen ein bedingungsloses Grundeinkommen auf die Arbeitssuche hat. Das Grundeinkommen half der Psyche der Probanden, hatte aber keine Auswirkung auf den Arbeitsmarkt.

    In einer Studie wurden 2000 finnische Arbeitslose zwei Jahre begleitet. Dabei erhielten sie das bedingungslose Grundeinkommen. Am Mittwoch veröffentliche das finnische Institut für Wirtschaftsforschung „Vatt“ die Resultate dieses Pilotprojekts. Die Forscher kamen zu folgendem Ergebnis: Die arbeitslosen Teilnehmer der Studie seien „zufriedener mit ihrem Leben und litten seltener unter psychischer Belastung, Depressionen, Traurigkeit und Einsamkeit.“ Was jedoch nicht nachgewiesen wurde, ist eine Motivation zur Rückkehr in den Arbeitsmarkt.

    Die Studie solle zeigen, ob das Grundeinkommen bessere Anreize schaffe, einen Beruf auszuüben. Dagegen gestellt war das traditionelle System der Arbeitslosenhilfe. Deswegen wurden in der Studie auch nur Teilnehmer aufgenommen, die bereits arbeitslos waren. Die Testgruppe wurde zufällig ausgewählt und erhielt jeden Monat 560 Euro. Diese Summe war an keinerlei Bedingungen geknüpft. Kindergeld kam je nach Familienstand der Teilnehmer ebenfalls dazu. Auch ein Gehalt – im Falle einer Anstellung – wurde zu den 560 Euro dazugerechnet.

    Resultate anders als erhofft

    Abgesehen davon zeigte die Studie, dass durch das bedingungslose Grundeinkommen die Menschen mehr Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen gewannen. Dieses förderte jedoch nicht zwingend die Motivation, eine Arbeit zu suchen. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass durchschnittlich sechs Tage mehr im Jahr gearbeitet wurde als davor. Die Forscher vom „Vatt-Institut“ deuten diese Ergebnisse damit, dass das Problem der Jobsuche nicht mit „Bürokratie oder finanziellen Anreizen“ zusammenhängt.

    Am Ende des Experiments gab es tatsächlich weniger Arbeitslose. Doch diese Zahl könnte leicht verfälscht sein:

    Im Januar 2018 wurde ein Aktivierungsmodell als Teil des Arbeitslosensystems eingeführt, das vor allem diejenigen betraf, die kein Grundeinkommen bezogen. Das macht die Beurteilung des Beschäftigungseffektes schwierig", sagt die Forschungschefin der Sozialbehörde, Minna Ylikännö zur „Tagesschau“. „Wir können lediglich sagen, dass die beobachteten Effekte sowohl auf das Grundeinkommen als auch das Aktivierungsmodell zurückzuführen sind. Aber in welchem Maße und wie, das wissen wir nicht."

    Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie man Sozialleistungen ändern kann, um die Erwerbstätigkeit zu steigern. Dabei seien von der finnischen Regierung ungefähr zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden.

    lm

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    Tags:
    Arbeitsmarkt, Finnland, Studie, Grundeinkommen, Arbeitslosigkeit, Arbeitslosenquote