11:44 23 Oktober 2020
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    Mit Kranzniederlegungen, Gedenkminuten, kurzen Ansprachen und anderen Ehrenbekundungen haben der russische Botschafter, Berlins Regierender Bürgermeister und der sächsische Ministerpräsident neben vielen anderen am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow des 75. Tages des Sieges über den deutschen Nationalsozialismus gedacht.

    Bei herrlichstem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel führte der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Russischen Föderation, Sergej Netschajew, eine Gruppe von Repräsentanten der Bundes- und Landespolitik Deutschlands die Stufen zur Krypta des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow empor. Unter den hochrangigen Gästen befanden sich der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmer (CDU), der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen (SPD), sowie der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD), und die beiden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch.

    So war der 9. Mai 1945 in Moskau
    © Sputnik / Anatoliy Garanin

    Anwesend waren auch Angehörige der russischen Streitkräfte in Paradeuniform, Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche und natürlich jede Menge einfache Menschen, mit Blumen und natürlich dem Georgsband am Revers, das im Russland der Neuzeit als wichtigstes Symbol für den Sieg über den deutschen Hitlerfaschismus Geltung erlangt hat. Dass in Russland am 9. Mai der Tag des Sieges begangen wird, erklärt sich aus der Tatsache, dass die Unterzeichnung der Urkunde über die bedingungslose Kapitulation in Berlin-Karlshorst am 8. Mai 1945 kurz vor Mitternacht stattfand, als in Moskau bereits der 9. Mai war.

    Botschafter Sergej Netschajew bekräftigte noch einmal, dass der Tag des Sieges für das russische Volk heilig sei, weil es der Tag der Befreiung nicht nur der damaligen Sowjetunion, sondern auch der Befreiung Europas vom Nazismus sei.

    „Wir haben für diesen Sieg einen riesigen Preis bezahlt. 27 Millionen Sowjetmenschen waren Opfer dieses Krieges. Wir ehren an diesem Tag die Soldaten der Roten Armee, aber auch die Widerstandskämpfer, auch die Alliierten, die mit uns gegen den Nazismus gekämpft haben.“

    Netschajew erinnerte daran, dass allein in Deutschland rund 800.000 sowjetische Staatsbürger in mehr als 4000 Gräbern ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ihnen und den überlebenden Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges gelte der besondere Dank der Russischen Nation. Aber auch den Freunden Russlands in Deutschland „für ihre Solidarität, Unterstützung und Sympathie, die an diesem Tag bekundet“ werde, so der Botschafter.

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete es am Rande der Feierlichkeiten als ein besonderes Bedürfnis für ihn, an diesem Tag an genau diesem Ort sein zu können.

    „Deutschland hat so viel Leid über die Welt gebracht. Und es ist ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, dass wir so viele Freunde haben, gerade jetzt auch in Russland haben, die mit uns gemeinsam in die Zukunft gehen, die uns auch vertrauen. Und dieses Vertrauen immer wieder zu bestätigen und nicht zu gefährden, das ist die Aufgabe der heutigen Generation.“

    Es mache ihm Mut, dass dieses Datum „ein wichtiges Anliegen auch in der heutigen Generation“ sei, so der sächsische Ministerpräsident. „Wir dürfen auch nie aufgeben, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.“

    Das war auch der Tenor der kurzen Erklärungen der beiden Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im Deutschen Bundestag. Amira Mohamed Ali sagte, wichtig sei an diesem Tag „zu sagen: nie wieder, niemals vergessen. Auch heute sehen wir wieder rechte Tendenzen in der Gesellschaft, und das dürfen wir nicht zulassen.“ Und ihr Ko-Vorsitzender Dietmar Bartsch ergänzte:

    „Das niemals vergessen muss für alle Generationen gelten. Als jemand, der den Tag des Sieges in Moskau mehrfach erlebt hat und die unsäglichen Opfer, die damit verbunden sind, die vielen Tränen noch nachfolgender Generationen, kann ich nur sagen, dieser Kampf darf nie zu Ende sein. Ganz klar unser Gedenken den Millionen Opfern, aber unser Auftrag: niemals wieder Faschismus.“

    Über dem Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Treptow kreiste ein Kleinflugzeug mit einem Transparent, das an den 75. Jahrestag des Sieges über den Faschismus erinnerte. Nach den offiziellen Ehrengästen bekundeten hunderte Menschen ihr Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren. Bereits einen Tag zuvor, der in Deutschland als Tag der Befreiung gewürdigt wird, allerdings noch kein offizieller Feiertag ist, strömten hunderte Menschen auf das Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Treptow, das vor allem wegen seiner imposanten 12 Meter hohen Kolossalstatue eines sowjetischen Soldaten, der mit seinem linken Fuß auf einem zerborstenen Hakenkreuz steht, in dem sein Schwert steckt, während er auf seinem linken Arm ein Kind hält, internationale Berühmtheit erlangt hat. Auf dem Gelände des Ehrenmals sind etwa 7000 sowjetische Soldaten bestattet, die bei der Schlacht um Berlin getötet wurden.

    Im Gegensatz zur Offiziellen Gedenkstunde der Spitzenvertreter der bundesdeutschen Verfassungsorgane an der Neuen Wache Unter den Linden am 8. Mai, war in Treptow von besonderen Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Corona-Pandemie nichts zu bemerken, gleichwohl Atemschutzmasken gesichtet wurden und viele Menschen auch auf die Abstandsregeln achteten.

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    Tags:
    Tag des Sieges, Nazi-Deutschland, Ehrenmal