17:41 19 September 2020
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    Die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ein Verbot auf den Weg gebracht, wonach Getränke für Säuglinge und Kleinkinder beziehungsweise Tees in Zukunft keinen Zucker enthalten dürfen.

    „Babys und Kleinkinder benötigen keine gesüßten Getränke. Es sollte ihnen auch nicht von Anfang an 'antrainiert' werden“, sagte die Bundesernährungsministerin.

    Ihrer Ansicht nach hätten Zucker und weitere süßende Zutaten in Tees und anderen Getränken nichts zu suchen, die speziell für Säuglinge und Kleinkinder geeignet seien.

    Darum brachte die Bundesernährungsministerin ein Verbot auf den Weg, über das am kommenden Freitag der Bundesrat entscheiden soll. Die zuständigen Ausschüsse der Länderkammer empfehlen dabei Zustimmung.

    Laut Klöckners Vorschlag sollen Kräuter- und Früchtetees für Säuglinge und Kleinkinder künftig keinen zugesetzten Zucker enthalten dürfen - und auch nicht Honig, Malzextrakt, Sirupe oder Dicksäfte. Außerdem soll auf der Verpackung oder dem Etikett ein Hinweis stehen, beim Zubereiten auf die Zugabe von Zucker und anderen süßenden Zutaten zu verzichten. Dies solle es Eltern, Erziehern und Betreuern leichter machen, den Ernährungsempfehlungen zu folgen, so Klöckner. Laut der Verordnung soll das Zuckerverbot 37 derzeit erhältliche Produkte erfassen.

    Nach Ansicht des Ministeriums erhöhten gezuckerte Getränke die Gefahr von Karies und Übergewicht und gefährden außerdem die Bildung eines ausgewogenen Ernährungsverhaltens, da die wichtigsten Essgewohnheiten in den ersten 1000 Lebenstagen von Kindern gebildet würden.

    Allerdings stieß der Entwurf des Ministeriums auf Kritik seitens einiger Institutionen. Die Verbraucherorganisation „Foodwatch“ kritisierte die Pläne und bezeichnete sie als „Ablenkungsmanöver“. Laut dem Experten Oliver Huizinga seien gesüßte Kindertees ein Nischenprodukt, das im Einzelhandel ohnehin kaum mehr eine Rolle spiele. Ihm zufolge müsse Klöckner „ernsthafte Maßnahmen“ ergreifen, welche auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Ärzten seit Jahren gefordert werden.

    „Die Werbung an Kinder für unausgewogene Lebensmittel muss gesetzlich untersagt werden“, sagte der Experte.

    Als Vorbild könne dabei die 2018 in Großbritannien eingeführte „Limo-Steuer“ gelten, die Abgaben für die Hersteller von Getränken vorsieht, die mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten. Diese Steuer hätte nach Angaben von Foodwatch dazu geführt, dass der Zuckergehalt von Softdrinks deutlich sank und die britischen Bürger jetzt mehr zuckerfreie Getränke kaufen.

    Ein weiteres Instrument soll dem Bundesernährungsministerium zufolge das neue Nährwertlogo Nutri-Score sein. Das aus Frankreich stammende System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von «A» auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes «C» bis zu einem roten «E» für die ungünstigste. Einen Rechtsrahmen für eine freiwillige Verwendung auf Packungen hat die Bundesregierung zur Genehmigung nach Brüssel geschickt. Erste Produkte damit sind schon in deutschen Supermärkten erhältlich.

    ac/mt/dpa

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    Tags:
    Tee, Kinder, Babys, Getränke, Zucker, Verbot, Julia Klöckner, Deutschland