20:20 24 November 2020
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    Seit März werden Operationen weniger geplant, auch das Notfallgeschehen ist zurückgegangen. Nun bringt auch eine bundesweite Befragung des Marburger Bunds unter den ÄrztInnen die Problemlage ans Licht. Ob der suspendierte BIM-Mitarbeiter bzw. die Leopoldina-Forscher mit Ihren Warnungen vor mehr Toten durch die Corona-Politik Recht haben?

    Manche Ärztinnen und Ärzte mussten bekannterweise Überstunden machen, Andererseits würden tatsächlich weniger Patienten in die Krankenhäuser kommen, wobei die befürchtete große Welle an Covid-19-Patienten – abgesehen von regionalen Ausnahmen - bislang ausgeblieben sei.

    Das geht zumindest aus einer neuen repräsentativen Umfrage der Klinikärzte-Gewerkschaft Marburger Bund hervor. Dafür hat die Gewerkschaft vom 29. April bis 10. Mai 2020 insgesamt 8707 Mitglieder befragt. Es steht fest: 57 Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben in der Corona-Zeit auf dem Arbeitsplatz weniger zu tun - knappe 18 Prozent melden dabei eine erhöhte Arbeitslast. Bei den restlichen 25 Prozent sei sie gleichgeblieben. Auch ist der Anteil der teilzeittätigen ÄrztInnen im Vergleich zum Vorjahr von 26 auf 33,6 Prozent gestiegen. 

    Vor allem Ärztinnen und Ärzte, die normalerweise an operativen Eingriffen beteiligt sind, hätten in den zurückliegenden Wochen weniger Arbeit als üblich, bestätigt die Befragung. Rund zehn Prozent der Mediziner sollen dabei von der Kurzarbeit betroffen sein - in erster Linie in Rehakliniken, aber auch in der ambulanten Versorgung. Die Arbeitszeit der Betroffenen wurde meist bis zu 50 Prozent reduziert. 

    Dabei befürchten lediglich rund 44 Prozent der Befragten, dass es im weiteren Verlauf der Coronavirus-Pandemie zu einer Überforderung des Gesundheitswesens kommen könnte - 41,5 Prozent sehen diese Befürchtung nicht, wobei der Rest es derzeit nicht einschätzen kann. 

    Geteilt zeigen sich die MedizinerInnen bei der Frage nach der zweiten Welle. Während die einen vor einer zweiten größeren Infektionswelle im Herbst warnen, schätzen die anderen die Lage als weniger bedrohlich ein. Den meisten scheint klar zu sein: Man werde lernen müssen, „das Leben wieder anlaufen zu lassen und trotzdem mit Sars-CoV-2 klarzukommen.“ Entsprechend eindeutig setzten sich die meisten befragten ÄrztInnen (rund 70 Prozent) für die Wiederaufnahme der Regelversorgung wie etwa der elektiven Eingriffe oder der Rehabilitation ein. 

    „Gesundheitliche Kollateralschäden in der Pandemie“

    Wenn auch indirekt, so überschneiden sich die Ergebnisse der Studie mit den Inhalten des skandalösen „Corona-Papiers“ des bereits suspendierten Mitarbeiters des Bundesinnenministeriums, Stephan Kohn, der die Corona-Politik der Länder auf eine ziemlich radikale Weise als „globalen Fehlalarm“ ablehnte. In dem 80-seitigen Papier schrieb das 57-jährige SPD-Mitglied von den vermutlichen knapp 5.000 bis 125.000 Patienten in Deutschland, die „aufgrund der verschobenen OPs versterben werden oder schon verstarben“. „Mehrere Tausend zusätzliche Tote“ dürften sich dazu noch infolge der eingeschränkten Verfügbarkeit von Kliniken bzw. durch verschobene oder abgesagte Folgebehandlungen von Erkrankten an Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt ergeben, vermutete Kohn.

    Was sein Arbeitgeber als Privatmeinung ablehnte, fand in den wissenschaftlichen Kreisen eine Unterstützung. In einer gemeinsamen Pressemitteilung nahmen etwa Prof. Peter Schirmacher, der Pathologie-Chef an der Universität Heidelberg und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, der für seine Kritik an der Corona-Politik ebenso bekannte emeritierte Prof. Dr. Sucharit Bhakdi von der Universität Mainz und andere das Bundesinnenministerium aufs Korn, wobei sie eben auf die mutmaßlich erhöhte Morbidität, also die Anzahl der Erkrankungen, und die Mortalität in der Bevölkerung infolge der ausstehenden medizinischen Behandlung hingewiesen hatten - unter Stichwörtern „gesundheitliche Kollateralschäden“.

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    Tags:
    Gesundheitswesen, Coronavirus