14:31 10 August 2020
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    Lettland und Estland haben ein von der EU finanziertes Projekt annonciert. In dessen Rahmen sollen touristische Routen geschaffen werden, die Stätten der Militärgeschichte der Länder verbinden sollen. Dies ist der offiziellen Webseite des Projekts zu entnehmen.

    Das Projekt „Lauku ceļotājs“ konzentiert sich demnach auf die Ereignisse des 20. Jahrhunderts, vom Ersten Weltkrieg über den Zweiten Weltkrieg bis hin zum Zerfall der Sowjetunion. In seinem Rahmen sollen 150 bis 170 Objekte des militärischen Erbes in einem „Tourismus-Produkt“ umfasst werden.

    Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung stellte nach Angaben des lettischen Fernsehsenders TV3 rund zwei Millionen Euro für „Renovierung und Errichtung von Stätten des militärischen Erbes“ zur Verfügung.

    Einige Formulierungen auf der Seite des Projekts geben Einsicht darin, welche geschichtlichen Vorstellungen es bei seinen Besuchern offenbar herausbilden will.

    Im Abschnitt über den Zweiten Weltkrieg steht etwa, dass die „Pläne zur Eroberung der Welt durch die Sowjetunion und Deutschland durch den Molotow-Ribbentrop-Pakt bestätigt“ worden seien. Die baltischen Länder seien „in sowjetische Händen gefallen“, worauf „Ermordungen und Abschiebungen gefolgt“ seien.

    „Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Deutschen 1941 im Baltikum als Befreier begrüßt wurden.“

    Hunderttausende Letten, die gegen die Wehrmacht gekämpft haben, werden dabei nicht erwähnt.

    Ehrung der „Widerstandskämpfer“

    Ein wesentlicher Teil der zukünftigen Reiserouten soll den sogenannten Waldbrüdern gewidmet werden, die heute im Baltikum als Helden verehrt werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seien sie „in die Wälder gegangen“ und hätten „der roten Macht weiter Widerstand geleistet“, hieß es weiter. Da das Kräfteverhältnis „offensichtlich zugunsten der Okkupanten“ gewesen sei, seien die „Waldbrüder“ allmählich verschwunden.

    EU-Resolution zu Molotow-Ribbentrop-Pakt

    Die Projektbeschreibung scheint im Einklang mit der am 19. September 2019 gebilligten umstrittenen Resolution das EU-Parlaments zu sein. In der „Entschließung des Europäischen Parlaments zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs und zur Bedeutung des europäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas“ wurde unter anderem behauptet, dass der Nichtangriffspakt zwischen der Sowjetunion und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich – bekannt als Molotow-Ribbentrop-Pakt oder Hitler-Stalin-Pakt – sowie dessen Geheimprotokolle dem Zweiten Weltkrieg den Weg bereitet hätte.

    „Waldbrüder“

    Die sogenannten Waldbrüder kämpften in den Jahren 1944 bis 1953 auf dem Territorium der Länder des Baltikums aktiv gegen die Sowjetmacht. Viele von ihnen waren im Zweiten Weltkrieg Angehörige der im Baltikum aufgestellten SS-Bataillone.

    Anlässlich eines Nato-Videos, wo „Waldbrüder“ als Freiheitskämpfer gefeiert wurden, stellte der wissenschaftliche Direktor der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft, Michail Mjagkow, im Gespräch mit Sputnik klar: Diese baltische Vereinigung tötete im Zweiten Weltkrieg vor allem Zivilisten – ihre eigenen Landsleute, allen voran Juden.

    „Die meisten ihrer Opfer waren Litauer, Letten und Esten. Während der Hitler-Besatzung dienten die Waldbrüder auch in den nationalen Einheiten der SS. Sie töteten sowjetische Kriegsgefangene und verübten den Holocaust: 80 Prozent der baltischen Juden wurden von diesen Kollaborateuren ermordet“, sagte der Experte.

    Strafe für Kritik an „Waldbrüdern“

    Derzeit wird an die „Waldbrüder“ gerichtete Kritik als Verbrechen verfolgt. So wurde der Abgeordnete des Stadtrats von Klaipėda, Viačeslavas Titovas, zu einer Strafe in Höhe von 10.000 Euro verurteilt, weil er sich gegen die Anbringung einer Gedenktafel für Adolfas Ramanauskas-Vanagas, einen der „Waldbrüder“-Anführer, ausgesprochen hatte.

    mo/mt/sna

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    Tags:
    NATO, Waldbrüder, Nazi-Deutschland, Estland, Lettland, Sowjetunion, UdSSR, Russland, Baltikum