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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (514)
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    Fast alle Länder haben ihre Gesundheitssysteme auf die laut Weltgesundheitsorganisation WHO durch das Virus Sars-Cov 2 ausgelöste Krankheit Covid-19 ausgerichtet. Das führt wetlweit zu Millionen verschobener Behandlungen und Operationen bei anderen Erkrankungen, wie eine internationale Studie zeigt. Das betrifft auch die Bundesrepublik.

    Weltweit wurden 28 Millionen Operationen, darunter zahlreiche Krebsoperationen, wegen der von der Weltgesundheitsorganisation WHO am 11. März ausgerufenen Covid-19-Pandemie verschoben. Das hat das Fachmagazin „Das Ärzteblatt“ in seiner Online-Ausgabe gemeldet. Es berief sich dabei auf eine im Fachmagazin „British Journal of Surgery“ veröffentlichte globale Datenerhebung von Wissenschaftlern einer Abteilung des National Institute for Health Research (NIHR) der Universität Birmingham in England.

    Es werde viele Monate, wenn nicht gar Jahre dauern, bis die dadurch entstandene Bugwelle wieder abgearbeitet sein werde, heißt es. Die Wissenschaftler gingen laut „Ärzteblatt“ von einem durchschnittlichen Zeitraum von 12 Wochen aus. Für diesen Zeitraum hätten sie eine Zahl von insgesamt 28 Millionen erst einmal verschobener Operationen errechnet. Sie haben dem Magazin zufolge außerdem berechnet, dass jede zusätzliche Woche der Corona-Krise „weltweit etwa mit 2,4 Millionen weiteren Aufschüben chirurgischer Eingriffe einhergeht“.

    Die Berechnungen basieren dem Bericht zufolge auf den detaillierten Angaben von 359 Kliniken aus 71 Ländern. Diese seien dann für 190 Länder hochgerechnet und in einer ausführlichen Excel­tabelle für jedes Land im Anhang der Publikation nachzulesen. Ein vergleichbarer Datensatz sei bislang noch nicht erhoben oder publiziert.

    Etwa eine Million Operationen in Deutschland verschoben

    Laut Ärzteblatt hat sich dafür die „CovidSurg Collaborative Gruppe“ zusammengefunden, ein internationaler Zusammenschluss von mehr als 5.000 Chirurgen aus mehr als 120 Ländern. Ihr Ziel sei es, angesichts der von der WHO wegen des Virus Sars-Cov 2 ausgerufenen Pandemie kurzfristig Daten zu erheben und auszuwerten, „damit diese zukünftig als Orientierungshilfe für eine verbesserte Patientenversorgung dienen können“. Daran nehmen dem Magazin zufolge deutsche Mediziner teil, die Daten einer Umfrage aus 34 deutschen Kliniken einbrachten.

    Für die Bundesrepublik ergebe sich eine Zahl von 908.759 aufgeschobenen Operationen, darunter rund 850.000 elektive (oder gutartig genannte) Eingriffe. Elektive Behandlungen sind bewusst ausgewählte Behandlungen nach eine Diagnose, also keine Notfallbehandlungen oder -operationen.

    Außerdem wurden laut „Ärzteblatt“ 52.000 Krebs­operationen aufgeschoben, fast ein Viertel aller Eingriffe bei Krebs-Erkrankungen. Das Fachmagazin meint, es handele sich um substanzielle und sicher Angaben. Die aktuell global erhobenen Daten würden als valide gelten, was auch ihre Vergleichbarkeit mit anderen Ländern belege.

    Zahl der betroffenen Patienten noch höher?

    Eine Studie der Rheinischen Fachhochschule hatte für den Zeitraum zwischen dem 16. März und dem 4. Mai verschobene Operationen von rund 1,6 Millionen Patienten wegen der Corona-Pandemie ergeben. Das beruhte auf Berechnungen auf Grundlage der rund 8,5 Millionen durchgeführten planbaren Operationen im Jahr 2018.

    „Das entspreche bei 251 Arbeitstagen im Jahr einer durchschnittlichen Zahl von 33.865 elektiven Operation pro Tag“, so das „Ärzteblatt“ am 29. April dazu. Das Magazin zitierte Rainer Riedel, Vizepräsident des Fachbereichs „Medizinökonomie und Gesundheit“ und Leiter des Ins­tituts für Medizinökonomie und Medizinische Versor­gungsforschung der Fachhochschule, der von einer „Bugwelle von planbaren Operationen“ im bundesdeutschen Gesundheitswesen sprach.

    Globales Gefälle zwischen Reich und Arm

    In Frankreich sind der internationalen Studie zufolge rund 700.000 Operationen und in den USA 3,8 Millionen Eingriffe verschoben worden. In beiden Ländern seien knapp ein drittel der Krebs-Operationen verschoben worden. Das bedeute aber nicht in jedem Fall eine verschlechterte Prognose, heißt es. „Die deutschen Kapazitäten werden allgemein so eingeschätzt, dass keine dringende Krebsoperation hinausgezögert werden muss“ betonte laut „Ärzteblatt“ Markus Albertsmeier, Chirurg am Münchner LMU-Klinikum.

    Es gebe ein globales Gefälle, das mit dem Reichtum eines Landes verbunden sei: „Je ärmer das Land, desto häufiger sind es keineswegs nur mehr die elektiv genannten Operationen wie etwa Gelenktotalendo­prothesen, die nicht mehr zeitnah vorgenommen werden können.“

    So würden in Norwegen ähnlich wie hierzulande nur 23 Prozent der Krebsoperationen erst einmal verschoben, in Brasilien dagegen 44 Prozent, in Vietnam 56 Prozent und im Sudan „wie im Durchschnitt vieler armer Länder“ 72 Prozent. Bei den elektiven Eingriffen mussten den Angaben nach die Ortho­päden die meisten Patienten informieren, dass ihre Operation verschoben wird: weltweit laut „Ärzteblatt“ 6,3 Operationen.

    Dem Magazin zufolge vermuten die Studienautoren, dass im Zuge der Corona-Krise Betten für Covid-19-Kranke freigehalten werden. Auch hier gelte, dass die ärmeren Länder dafür weniger Reserven hätten als die reicheren Länder wie zum Beispiel Deutschland.

    tg

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    Tags:
    Operation, Medizin, Covid-19, Pandemie, Coronavirus