17:58 23 November 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    2510712
    Abonnieren

    Der Kampf der Sexarbeiterinnen gegen ein drohendes Sexkaufverbot über die Corona-Lockdowns hinaus geht in die nächste Runde. Mit einem Offenen Brief wenden sie sich an die Abgeordneten und laden sie ein, sich bei einem Bordellbesuch mit den Prostituierten auszutauschen.

    Nach der SPD-Abgeordneten Leni Breymaier haben sich 15 weitere Abgeordnete für ein generelles Sexkaufverbot ausgesprochen. Nun geht der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD) seinerseits in die Offensive und richtet in einem Offenen Brief das Wort an die Abgeordneten.

    Die Abgeordneten Leni Breymaier (SPD), Herrmann Gröhe (CDU), Karl Lauterbach (SPD), Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), Katja Isabel Leikert (CDU), Annette Widmann-Mauz (CDU), Frank Heinrich (CDU), Johannes Fechner (SPD), Antje Tillmann (CDU), Volker Ullrich (CDU), Michael Brand (CDU), Martin Patzelt (CDU), Maria Flachsbarth (CDU), Methild Heil (CDU), Yvonne Magwas (CDU) und Marc Henrichmann (CDU) hatten in einem Brief an die Ministerpräsidenten der Länder ein generelles Sexkaufverbot gefordert und es mit der Verbreitung des Coronavirus begründet. „Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die Wirkung eines epidemiologischen Super-Spreaders hätte – sexuelle Handlungen sind in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar“, heißt es darin.

    Die Frauen seien entgegen der weit verbreiteten Annahme oft unfreiwillig in diesem Beruf tätig, seien ständig Übergriffen durch die Freier ausgesetzt und sozial nicht abgesichert, so die Unterzeichner. Sie fordern die Einführung des Nordischen Modells nach dem Beispiel Schwedens, das den Sexkauf unter Strafe stellt, sowie die Schließung der Bordelle.

    „Auch wenn das Nordische Modell Zwangsprostitution nicht verhindern kann, wird der Markt für derartige sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel in Deutschland damit am nachhaltigsten gestört und die Position der Prostituierten gegenüber rücksichtslosen Freiern und Zuhältern gestärkt. Wir werden auch dieses Thema weiter verfolgen und hoffen bis dahin auf Ihre Unterstützung durch das klare Signal des Shut down für die Bordelle“, appellieren die Abgeordneten an die Länderchefs.  

    Das lassen die Sexarbeiterinnen jedoch nicht auf sich sitzen. Sexkaufverbot habe den Prostituierten nirgendwo Schutz gebracht oder den Bedarf reduziert, so die Vertreterinnen des BSD. Außerdem würden die 16 Abgeordneten die Corona-Notlage der Sexarbeiterinnen für ihre „rückwärtsgewandte, moralinsaure, herabwürdigende und respektlose, um Aufmerksamkeit heischende Politik“ ausnutzen. Mit der Behauptung, Prostituierte seien Super-Spreader würden sie eine Lüge in die Welt setzen, so der Vorwurf des BSD an die Parlamentarier.

    „Woher kommt diese Erkenntnis? Wie viele Bordelle haben Sie besucht? Sind Sie Kenner der Prostitution? Verfügen Sie über eigene Erfahrungen?“, fragen die Sexarbeiterinnen. Offensichtlich nicht, denn dann wüssten die Abgeordneten, dass es DIE Prostitution nicht gibt. Vielmehr sei die Branche sehr vielfältig und sowohl die Räumlichkeiten als auch die Dienstleistungen und Konstellationen würden sich stark voneinander unterscheiden. „Aber Orgien, Enge wie in einer Diskothek oder beim Konzert, oder Begeisterung wie auf dem Fußballfeld sind da eindeutig die Ausnahme.“ 

    Zudem seien Sexarbeiterinnen von je her sehr auf Sauberkeit und Schutz vor ansteckenden Krankheiten bedacht und darin geübt. Anlässlich der Corona-Pandemie habe der Verband ein eigenes Hygiene-Konzept entwickelt.

    „Den Begriff des Super-Spreaders in diesem Zusammenhang zu benutzen ist nicht nur extrem beleidigend, sondern auch falsch. Offensichtlich wollen Sie eine gesamte Branche diskreditieren, um Ihr eigentliches Ziel, das Sexkaufverbot, durchzusetzen.“ 

    Die Diffamierung erinnere an den Beginn der „AIDS-Hysterie“, als Sexarbeiterinnen bezichtigt wurden, die Infektion weiterzugeben. In der Folgezeit habe sich aber erwiesen, dass es unter Prostituierten wesentlich weniger Infizierte gab als in der Allgemeinbevölkerung, eben weil sie von Haus aus auf Hygiene und Sicherheit wert legten.

    Eine Schließung von Bordellen und ein Verbot der Prostitution seien durch nichts gerechtfertigt, vielmehr müsse es der Branche ermöglicht werden, wieder Einnahmen zu generieren, so die Verfasserinnen.

    Zum Ende des Schreibens machen sie den Abgeordneten noch ein Angebot:

    „Wenn Sie in Ihrer Haltung noch nicht festgefahren und offen für andere Erfahrungen sind, laden wir Sie – nach der Corona-Öffnung - gern zu einem Bordellbesuch ein. Sie können sich einen Eindruck über die Abläufe in den verschiedenen Segmenten verschaffen und mit Sexarbeiter*innen in den Dialog treten.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nasa unterbricht Live-Stream: Was taucht hier vor ISS auf? – Video
    Waffenschmuggel vermutet: Ankara stoppt Bundeswehreinsatz auf türkischem Frachter
    Russland droht bei Weitergabe von Kontrollflug-Informationen an USA mit „harter Antwort“
    Tags:
    Arbeitsverbot, Deutschland, Prostitution, Sexarbeit