23:57 09 Juli 2020
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    Bisher verzeichnet Polen eine niedrigere Sterberate im Lande als in den vergangenen Jahren. Dies erscheint durchaus merkwürdig, wenn man bedenkt, dass weltweit eine globale Pandemie wütet. Auch wenn es paradox klingt, so wird der Grund für diese niedrige Zahl von Todesfällen mit dem Coronavirus selbst begründet.

    Im Vergleich zu anderen Jahren sind in Polen bisher weniger Leute ums Leben gekommen als sonst, schreibt das „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF) in einem Bericht. Seit das Virus am 4. März erstmalig in Polen verzeichnet wurde, seien Tausende Tote weniger gemeldet worden. Die Todeszahlen wurden mit den Todesfällen aus den Jahren 2015 bis 2019 verglichen. Laut SRF kämen diese Zahlen aus den Regionen sowie dem zentralen Statistikamt Polens.

    Gründe für niedrige Sterblichkeit

    Laut Virologin Emilia Skirmuntt von der englischen Oxford-Universität sterben weniger Menschen nicht trotz, sondern wegen Corona. Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer davon sei die geringe Zahl an Autofahrern. Aufgrund der Eindämmungs-Maßnahmen der polnischen Regierung befänden sich deutlich weniger Autofahrer auf der Straße. Dies wiederum hätte zur Folge, dass weniger Menschen bei Verkehrsunfällen sterben.

    Als weiterer Grund wird die Verunreinigung der Luft genannt, welche aufgrund der Corona-Maßnahmen deutlich abgenommen hätte. Da Polen einen Großteil des Stroms aus Kohle bezieht, wirkt sich dies enorm auf die Luftqualität aus. Dem SRF zufolge hätten Ärzte geschätzt, dass Zehntausende an Folgen der Luftverschmutzung sterben würden. Doch da die meisten Menschen zu Hause bleiben und die Industrie momentan auf Minimalbetrieb ist, verbessert sich auch die Luft in Polen.

    Zudem kam es nicht zu den üblichen Todeszahlen der jährlichen Grippewelle, da viele Menschen sich aufgrund der Isolation nicht angesteckt hätten. Auch das Coronavirus habe nur wenige in Polen „erwischt“, so das SRF.

    Deutschland im Vergleich

    Auch in Deutschland kann man am Anfang des Jahres eine ähnliche Tendenz beobachten. So veröffentlichte das Statistische Bundesamt Zahlen von Todesfällen im Vergleich zu denen in Vorjahren. Diese zeigten ebenfalls, dass es bis Ende März weniger Todesfälle gab als in Jahren davor. Das Statistische Bundesamt hatte die Zahlen analysiert und festgestellt, dass „bei einer monatsweisen Betrachtung kein auffälliger Anstieg der Sterbefallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren erkennbar“ sei.

    Zu den Todeszahlen im April schreibt das Statistische Bundesamt Folgendes:

    „Seit der letzten Märzwoche liegen die Zahlen allerdings über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Diese Abweichung nach oben war in der 15. Kalenderwoche (6. bis 12. April) am größten. In der 16. und 17. Kalenderwoche sind die Sterbefallzahlen im Vergleich zur Vorwoche zwar wieder deutlich gefallen – sie liegen jedoch noch immer über dem Durchschnitt der Vorjahre.“

    lm

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    Tags:
    Sterblichkeit, Polen, Covid-19, Coronavirus