14:58 09 Juli 2020
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    In Zeiten des vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie grassierenden Irrationalismus fordern die Gründer der Marx-Engels Zentrums Berlin, Marianna Schauzu und Andreas Wehr, ein Umdenken bei den Linken und erinnern an althergebrachte linke Positionen.

    Ob Hygiene-Demos, Impfgegner oder krude Verschwörungstheorien, die von Prominenten verbreitet werden – die Welt scheint verrückt geworden zu sein, stellen die Autoren fest. Schlimmer noch sei, dass einige Linke diesen Irrsinn stützen und verteidigen würden, wenn beispielsweise eine Abgeordnete der Linkspartei darüber klage, dass der gegenwärtige „Demokratieabbau“ weit über das hinausgehe, was die Notstandsgesetze ermöglichten. Zum Glück hielten jedoch die meisten Linken Abstand von diesem Treiben und die Antifa verdächtige die Protestierenden nicht zu Unrecht, nach rechts offen zu sein.

    „Doch die Stigmatisierung der Protestbewegungen als 'Querfront' oder gar als von rechts initiiert überzeugt nicht und schreckt kaum jemanden ab. Und tatsächlich sind ja die Proteste, zumindest in ihrem Kern, Ausdruck kruder Weltsichten, die keineswegs neu sind, die aber bislang als harmlos und noch beachtenswert galten.“

    Eine solche Konjunktur des Irrationalismus möge nichts Ungewöhnliches sein in Flauten des Klassenkampfs, in denen eine antikapitalistische Linke noch immer unter dem Trauma des Scheiterns des realen Sozialismus leide, sich in Anpassung flüchte oder in Selbstmitleid ergehe, so Wehr und Schauzu.

    „Doch müssen Linke spätestens jetzt fragen, wie sich ein derartiger Irrationalismus so ausbreiten konnte. Und sie müssen selbstkritisch prüfen, welche Schuld sie daran tragen. Es ist eine Tatsache, dass ihre schwachen Organisationen und die ihnen verbliebenen Publikationen vor diesem Treiben stetig zurückgewichen sind, und sie damit dem Irrationalismus immer mehr Raum gegeben haben.“

    Wehr und Schauzu erinnern an Tugenden und Weltanschauungen der Linken aus der Vergangenheit.

    So hätten Marxisten einst über eine Theorie verfügt, wie das Zusammenspiel von Staat und Monopolen schlüssig zu erklären ist. Diese Theorie des „Staatsmonopolistischen Kapitalismus“ hielten sie jetzt aber verschämt versteckt, da sie auch in der Sowjetunion und der DDR verbreitet gewesen sei. An ihrer Stelle beherrschten nun Verschwörungsphantasien vom „tiefen Staat“ das Feld. Die Arbeiterbewegung sei einmal Verfechter einer öffentlichen Gesundheitsvorsorge mit dem schönen Wort „Volksfürsorge“ gewesen. Dazu gehörten selbstverständlich Impfkampagnen. Man sei sogar stolz darauf gewesen, Impfungen auch für die Ärmsten erkämpft zu haben. Heute weiche man vor selbsternannten Impfgegnern zurück, widerspreche nicht ihren unhaltbaren Behauptungen.

    Es seien inzwischen linke Gemeinplätze, dass die industrielle Landwirtschaft per se verwerflich und die von ihr angewendete Gentechnik Teufelszeug seien. Vergessen sei die marxistische Erkenntnis, dass nicht die Entwicklung der Produktivkräfte das Problem ist, sondern ihre konkrete Anwendung im Kapitalismus. Erst dadurch könnten sie zu Destruktivkräften werden. An Stelle dessen befürworte man die Rückkehr zu idyllischen Verhältnissen einer bäuerlichen, familiären Landwirtschaft.

    Die Autoren fordern abschließend:

    „Angesichts der Herausforderungen der Corona-Krise wird es höchste Zeit, dass Linke, ob Anhänger der Partei DIE LINKE, Kommunisten oder Unorganisierte, endlich aufwachen und sich wieder ihres gemeinsamen Instruments der wissenschaftlichen Weltanschauung bedienen. Das verlangt aber, zunächst einmal für Klarheit in den eigenen Reihen zu sorgen. Vor dem sich ausbreitenden Irrationalismus darf nicht länger zurückgewichen werden!“
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    Tags:
    Hygiene-Demo, Verschwörungstheorie, Sozialpolitik, Coronavirus, Die LINKE-Partei, linke Parteien