15:38 10 Juli 2020
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    In Deutschland haben viele Coronavirus-Infizierte die damit einhergehende Atemwegserkrankung COVID-19 überlebt. Laut Statistik sind sie „Genesene“. Nun muss „genesen“ nicht „gesund“ heißen. Denn die „Überlebenden“ seien teils kränker als davor: alters- wie Risikogruppen-unabhängig. In der öffentlichen Diskussion sei dies jedoch bedeutungslos.

    Die Erfahrungen von COVID-19-Überlebenden spielten in der öffentlichen Diskussion so gut wie keine Rolle, so die Feststellung des TV-Magazins „Frontal21“.  

    Insbesondere über Patienten, die COVID-19 daheim durchgestanden hätten, gäbe es bislang kaum Erkenntnisse. Die statistisch als „genesen“ Klassifizierten hätten mit gravierenden Spätfolgen der bislang noch weitgehend unerforschten coronavirusbedingten Erkrankung zu kämpfen. Schließlich könne das primär Atemwegserkrankungen verursachende Virus multiple weitere Auswirkungen haben: Nerven und Nieren betreffen, die Infektion kann zu Gefäßverengungen und Embolien führen – bei COVID-19-Überlebenden in wie außerhalb von sogenannten Risikogruppen. Die Betroffenen suchen nun nach anderen Wegen, ihre Geschichte zu erzählen; Leidensgenossen fänden einander im Internet.

    Coronatest sticht Herzinfarkt

    Einer der Protagonisten des Beitrags gehört zwar als Diabetiker der Risikogruppe bei Corona an, doch er genas von COVID-19: Nur, um danach einen Herzinfarkt zu erleiden.  

    Trotz eindeutiger Symptome – Fieber und Husten – habe ihn niemand testen wollen, sein Arzt habe ihn wieder nach Hause geschickt. Daheim habe er durchzuhalten versucht, doch seine Frau habe dann ob seines schlechten Zustands doch einen Notarzt gerufen: Da habe die Sauerstoffsättigung des Blutes des 63-jährigen Bochumers bei gerade mal 82 Prozent gelegen. Ab dem Zeitpunkt habe er mehr oder weniger einen „Filmriss“ gehabt, berichtet er. 13 Tage habe er im Krankenhaus gelegen.

    Der als „genesen“ Entlassene erlitt drei Wochen später einen Herzinfarkt. Im Krankenhaus habe man allerdings zunächst einen Coronatest machen wollen. Auch, weil auf seiner Akte „COVID-19-Patient“ gestanden habe. Trotz der Aufklärungsversuche zur Genesung sei er isoliert und erneut getestet worden. Dem Herzinfarkt habe man sich dann erst am nächsten Tag gewidmet.

    „Komme nicht auf die Beine“

    COVID mache ihm auch jetzt noch zu schaffen, er fühle sich mitnichten geheilt: es gäbe Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit, cognitive Probleme, Autofahren etwa ginge nicht mehr, auch mit der Rechtschreibung sei es nicht mehr so weit her: (...) sein Allgemeinzustand habe sich verändert und er habe nicht das Gefühl, „auf die Beine“ zu kommen.

    Geruchssinn und Kondition post-covid

    Ein weiterer Überlebender, angeblich nicht einer Risikogruppe angehörig, habe seit drei Monaten so gut wie keinen Geruchssinn mehr (er liegt bei zehn Prozent), die Fitness sei mitnichten zurückgekehrt, so der Radfahrer. Als er Symptome verspürte, habe er tagelang versucht, Hilfe über das Gesundheitsamt zu bekommen, schließlich habe er einen Arzt ans Telefon gekriegt. Dessen Rat sei gewesen: „Trinken Sie Wasser“, durch die Einnahme von viel Flüssigkeit würde auch das Fieber wieder weggehen. Auf die vorangegangenen acht Fiebertage sei der Arzt nicht eingegangen. Da der Patient keine Kraft hatte, sich darüber „aufzuregen“, habe er es „hingenommen“, berichtet er. Dies sei „fahrlässig“ gewesen, so seine Wertung im Nachhinein. Eine Rechnung bekommen habe er für die „eingehende Beratung“. Nur einen Tag später habe der Notarzt gerufen werden müssen – der Patient habe sich kaum noch halten können und es sei zu wenig Sauerstoff im Blut gewesen. Die Hilfe, die ihm dann zuteilwurde, hätte er schon ein paar Tage früher gebraucht, so der 46-Jährige aus dem bayerischen Odelshausen. Auch Wochen nach COVID-19 spüre er noch die Auswirkungen auf die Kondition, habe jetzt noch „zu kämpfen“.

    Virologen und das reale Bild in der Öffentlichkeit

    Laut dem Frontal21-Bericht soll es vielen COVID-19-Patienten so gehen. Der Weg zurück dauere, heißt es, und die Symptome würden die Menschen nicht loslassen. Doch in der öffentlichen Diskussion würden die betroffenen Patienten und ihre Erfahrungen kaum eine Rolle spielen. Ein Betroffener meint, man solle sich nicht nur auf die Virologen verlassen. Zwar sei deren Expertise wichtig, aber es gelte nun, ein reales Bild aus der Bevölkerung zu gewinnen. Ein Bild, wonach nicht nur 80-Jährige oder die mit Vorerkrankungen betroffen seien. Ein Bild, wonach die Krankheit jeden treffen könne.

    Alleinstehende Frau: „Bitte, bitte, lasst mich nicht sterben“ 

    Im dritten Fall geht es um eine sportliche 42-Jährige aus Hamburg. Sie sei in Ischgl gewesen und habe schon im Urlaub am Skiort starke Kopfschmerzen verspürt, so der Bericht. Nach ihrer Rückkehr hätten sich sie und ihre Ski-Freunde testen lassen wollen, doch dieses Vorhaben sei trotz zehn bis zwölf Stunden langer Versuche über die Corona-Hotline ergebnislos geblieben. Vor COVID-19 sei sie „kerngesund“ gewesen, heißt es.

    Die allein lebende Frau habe sich elend gefühlt und hätte sehr starke Lungenschmerzen gehabt. Sie wäre lieber ins Krankenhaus gegangen, doch der Notarzt habe sie nicht mitgenommen, heißt es im Beitrag. Sie habe Angst gehabt, keine Luft mehr zu bekommen und dann allein in der Wohnung zu sein, so die Frau. Sie hätte sich gewünscht, dass sie „einmal richtig untersucht“ würde. Selbst ein zweiter Notarzt habe abgewiegelt, trotz ihrer Schmerzen: Ihre Lunge würde sich „gut anhören“. „Da ist nichts“, sei das Fazit gewesen, und sie könne beruhigt sein: „Sie sind kein Fall für`s Krankenhaus, Sie können ja noch selbständig atmen“, sei ihr zugeredet worden.

    Angesichts der TV-Berichte aus Italien habe sie daheim sitzend gedacht: “Bitte, bitte, lasst mich nicht sterben (...). Ich möchte nicht sterben.“ Während ihrer Infektion sei sie nicht einmal im Krankenhaus behandelt worden, so der Bericht. Da sie keine Besserung verzeichnete, habe sie sich einen Oxymeter besorgt, mit dem sie ihren Sauerstoffgehalt im Blut selbst würde kontrollieren können. Mittlerweile habe sich herausgestellt, dass ihre Lungenfunktion nun nur noch bei 67 Prozent liege, garniert mit Dauerkopfschmerz – drei Monate nach Ischgl. Die Ärzte hätten weder eine Erklärung dafür, noch ein wirksames Medikament, so der Bericht.

    „Was da noch kommen mag“: Leidensgenossen im Internet gefunden

    Über Patienten, die COVID 19 daheim durchgestanden hätten, gäbe es bislang kaum Erkenntnisse, so der Bericht. Via Internetrecherche hätten sich einige COVID-19-Patienten gefunden, „deren Genesung alles andere als glatt verläuft“.

    Man habe Angst, was da noch kommen möge, ob die Lunge „okay“ sei, denn laut Arzt sei das der Fall, nur anfühlen würde es sich so gar nicht danach, so ein weiterer Erfahrungsbericht einer anderen jungen Frau aus der Gruppe. „Die Ärzte wissen nicht so viel darüber“, da sei es „schwierig, weiterzukommen oder Hilfe zu bekommen“.

    Dass Schmerzen kommen und gehen würden, sei hinlänglich bekannt – so würde es allen COVID-Patienten gehen, lautete die lakonische Bemerkung eines Arztes. Die COVID-Überlebende kritisiert, dass darüber aber „gar nicht gesprochen“ würde: Sie höre weder Virologen noch Ärzte im TV darüber sprechen, was mit den Patienten sei, die bereits COVID-19 hatten. Bis auf die Tatsache, dass sie statistisch als „genesen“ gälten, so der Bericht.

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    Tags:
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