14:02 04 August 2020
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    Laut dem Facharzt für Infektionskrankheiten Nikolai Malischew wird das Coronavirus auf absehbare Zeit in der menschlichen Bevölkerung verbleiben. Es ist jedoch noch zu früh, über neue Wellen der Epidemie zu sprechen. Der Professor bezeichnete die Situation mit COVID-19 als relativ ruhig, fordert jedoch, auf der Hut zu sein.

    Nach Angaben des Wissenschaftlers hat Russland die höchste Inzidenz von Covid-19 vermieden. „Tatsächlich gab es keinen Höhepunkt. Alles, wofür Medizin und Behörden gearbeitet haben, zielte darauf ab, ihn nicht zu erreichen. Dank der eingeführten restriktiven Maßnahmen konnte ein explosionsartiger Anstieg der Inzidenz vermieden werden“, merkte er an.

    Alles wurde getan, um einen drastischen Patientenanstieg zu vermeiden, damit das Land nicht in die Situation geriet, in der sich beispielsweise Italien befand. Alle Patienten, die eine stationäre Behandlung benötigten, wurden in Krankenhäuser gebracht. Insbesondere in Moskau wurde eine bedeutende Anzahl von Krankenhäusern, einschließlich spezialisierter, saniert und neue wurden gebaut. „Insbesondere am Anfang war dies notwendig. Nach einiger Zeit wurde klar, dass keine Gefahr einer raschen Zunahme der Hospitalisierungen bestand.“

    Nach Ansicht des Experten unterscheidet sich der Verlauf der Epidemie in Russland von der Situation in Europa. „Die Berggipfel sind auch unterschiedlich. Die eine Sache ist es, die Karpaten zu besteigen, und die andere, die Kordilleren zu überwinden. Dementsprechend wird der Rückgang der Inzidenzrate in Russland sanfter sein als in westlichen Ländern “, so Malischew.

    Der Facharzt für Infektionskrankheiten stellte fest, dass „wir das Coronavirus in naher Zukunft nicht loswerden und leider sogar mehrere Monate damit leben müssen.“ Es sei jedoch zu früh, über eine neue Welle der Epidemie zu sprechen. „Die erste Welle ist noch nicht vorbei, wir müssen die epidemiologische Situation beobachten. Aber da bereits Fertigkeit eingeübt ist, können wir es auch im Falle einer zweiten Welle auf die eine oder andere Weise aushalten “, sagte Doktor der Medizin.

    Malischew griff auch die Frage über den neuen Impfstoff auf. Ihm zufolge werden jetzt etwa 112 bis 115 Proben von Impfstoffen gegen das Coronavirus angeboten, aber mit einem Ergebnis könne man frühestens im kommenden Winter rechnen.

    „Viele Fachleute arbeiten an einem Impfstoff. Es gibt viele verschiedene, auch bewährte Ansätze in China, in Russland, in der Europäischen Union. Es ist nicht so schwierig, einen Impfstoff zu entwickeln. Viel schwieriger ist es, einen Impfstoff  herzustellen, der absolut sicher und gleichzeitig wirksam ist. Dies erfordert Aufmerksamkeit sowohl für die Primärproduktion als auch für die weitere Überwachung der Herstellung eines Industrieprodukts“, betonte Malischew.

    Gleichzeitig merkte der Wissenschaftler an, dass der Wunsch, so schnell wie möglich ein Industrieprodukt zu erhalten, nicht einfach so entstanden sei: „Man will Erster sein und zu einem guten Preis verkaufen.“ Die Frage der Impfung von Personen, die eine COVID-19-Infektion bereits überstanden haben, bleibe jedoch offen. Wissenschaftler erwarten, dass es in den kommenden Monaten klar werde, ob dies überhaupt notwendig sei.

    „Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden. Erstens, eine Immunitätsspannung. An einem Tag werden solche Probleme nicht gelöst. Innerhalb weniger Monate werden wir dies verstehen und Empfehlungen für Menschen geben können, die leichte und starke Symptome hatten, mit oder ohne Krankenhausaufenthalt. All dies muss berücksichtigt werden“, betonte der Facharzt für Infektionskrankheiten.

    Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Infektion hänge auch von einer Reihe von Faktoren ab. Russland und andere Länder tauchen allmählich aus der Isolation auf, daher drängte Malischew, die soziale Distanz nicht zu vergessen. „Die Krankheit wird von Mensch zu Mensch übertragen. Das ist das Wichtigste “, betonte er.

    Mittlerweile glaubt fast ein Viertel der Russen daran, dass die COVID-19-Epidemie von „interessierten Parteien“ erfunden wurde, und etwa zehn Prozent sind sich sicher, dass die Gefahr übertrieben ist. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage der Moskauer Higher School of Economics. Der Soziologe Wladimir Mukomel kommentierte die Ergebnisse der Studie für Sputnik.

    „Es gibt ein solches Phänomen – es ist schwierig, einen Menschen von einer Meinung abzubringen, die er aus irgendeinem Grund bereits entwickelt hat. Das objektive Bild bedeutet für ihn nichts. Wichtig ist auch das Informationsfeld. Die Berichterstattung über die Pandemie ist in russischen Massenmedien und im Internet oft einander diametral entgegengesetzt. Ein weiterer Punkt ist die traditionelle russische Gewohnheit, sich gern auf den glücklichen Zufall zu verlassen. Sie ist halt immer da“, sagte der Experte. Nur die persönliche Erfahrung könne die Überzeugung der Skeptiker erschüttern, so der Soziologe. „Mann lässt sich erst dann überzeugen, wenn die Not an die Tür klopft. Man lebt in einem Informationsraum – das ist eine Sache. Erst wenn man merkt, dass in der Nähe der Donner kracht, nimmt man die Wirklichkeit anders wahr.“

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