19:19 03 Dezember 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    212258
    Abonnieren

    Nach einer Demonstration auf dem Wasser mit Hunderten Booten trotz Corona-Beschränkungen hat Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci scharfe Kritik geäußert. Auch für den Verband der Clubbetreiber „Clubcommission“ stehe die Demo in Kontrast zu Bemühungen, die Krise zu meistern, und monierte die mangelnde Einbindung in die Veranstaltung.

    Am Pfingstsonntag waren bei der Versammlung „Für die Kultur - Alle in einem Boot“ bis zu 400 Boote von der Spree über den Landwehrkanal nach Berlin-Kreuzberg gezogen. Die Veranstalter wollten nach eigenen Angaben auf die Bedrohung der Clubkultur aufmerksam machen, nachdem die Clubs seit Wochen nicht mehr öffnen dürfen.

    Party und Pandemie

    „Ich bin entsetzt über die Bilder vom Wochenende in Berlin. Party und Pandemie passt überhaupt nicht“, so Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci am Dienstag.

    ​Sie habe Verständnis für die schwierige wirtschaftliche Lage der Clubs. Dafür gäbe es aber finanzielle Hilfen. Aber das, was am Wochenende auf dem Landwehrkanal passierte, sei in Pandemiezeiten grob fahrlässig, so die SPD-Politikerin. „Ich habe es am Anfang der Pandemie gesagt und sage es heute, es ist nicht die Zeit für Partys. Das Virus ist nach wie vor da und eine Gefahr für die Gesundheit aller Menschen“, so die Gesundheitssenatorin.

    Clubs waren Hotspots bei Ausbreitung des Coronavirus

    Sie appelliere deshalb an die Vernunft der Club- und Partyfreunde. Die Partyszene und die Clubs seien in Berlin die Hotspots zu Beginn der Ausbreitung des Coronavirus gewesen. „Es war richtig und wichtig diese frühzeitig zu schließen, um die schnelle und unkontrollierte Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern. Das ist uns in Berlin gelungen.“

    Laut der Polizei hielten sich am Sonntag bis zu 1500 Menschen jeweils auf dem Wasser und an Land auf. Im Polizeibericht hieß es, der Veranstalter habe die Versammlung „aufgrund der nicht eingehaltenen Abstände zueinander und von Beschwerden über zu laute Musik“ abgebrochen.

    „In völligem Kontrast zu eigenen Bemühungen“: Clubcommission übt Manöverkritik

    Auch die Berliner „Clubcommission“  übt Manöverkritik an der Veranstaltung: „Boote mit Beschallung und Redebeiträgen auf dem Wasser - und das lange Spreeufer sollte dazu dienen, dass die Teilnehmer ausreichend Abstand halten können. Leider ist dieser Plan nicht aufgegangen.“

    Wäre die „Clubcommission“ frühzeitig in die Organisation und Umsetzung der Demonstration eingebunden gewesen, hätte sie auf die Veranstalter einwirken können, heißt es auf der Facebook-Seite des Interessenverbandes der Clubs. „Diese Demonstration steht leider im völligen Kontrast zu unseren Bemühungen im Rahmen unserer „United We Stream“ Kampagne, Bewusstsein zu schaffen und Social Distancing einzuhalten.“

    Die „Clubcommission Berlin“ ist mit 245 Mitgliedern Deutschlands größte Vereinigung von Clubs, ihren Betreibern und Veranstaltern von Clubkultur im Rahmen von Liveveranstaltungen in Clubbetrieben, auf Open-Airs sowie Festivals. Der Verein hat ein breites Netzwerk und bietet seinen Mitgliedern Hilfestellung bei akuten Problemen, führt Weiterbildungen und Beratungen durch, verhandelt Rahmenverträge und lobbyiert gegenüber der Politik.

    Lockerungen in Berlin und Appell der Politik

    Seit Dienstag gelten in Berlin weitere Lockerungen bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So dürfen Kneipen und Bars wieder öffnen, genau wie Spielhallen, Spielbanken, Wettbüros, Fitnessstudios und Tanzschulen.

    „Ich appelliere an alle Berlinerinnen und Berliner: Riskieren wir nicht die erreichte Eindämmung des Virus“, sagte Kalayci. „Riskieren wir nicht aufs Gefährlichste unsere Gesundheit und letztlich unsere Freiheiten, halten wir uns alle an Abstands- und Hygieneregeln und tragen Mund-Nasen-Schutz.“

    ba/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nato 2030 – Neue Strategie gegen ein “anhaltend aggressives Russland“
    Manipulation und Betrug: Trump äußert sich in 46 Minuten langem Video zu Wahlergebnissen
    Wettlauf der Corona-Impfstoffe: Zu schnell und zu gefährlich?
    Tags:
    Club, Berlin, Coronavirus