20:11 03 Juli 2020
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    Das US-Unternehmen und Online-Netzwerker Facebook setzt nun seine Politik der Kennzeichnung von staatlich finanzierten ausländischen Medien durch. Die Medien aus den USA werden dabei ausgenommen, da Facebook glaubt, diese seien redaktionell unabhängig. Ist das wahr? 

    In einem Interview am Donnerstag gab Nathaniel Gleicher, Leiter der Cybersicherheitspolitik bei Facebook, bekannt, dass das in Kalifornien ansässige Unternehmen damit beginnen werde, „staatlich kontrollierte ausländische Medien“ wie die russische Nachrichtenagentur Sputnik, die chinesische Xinhua und die Press TV des Iran zu markieren.

    „Wir sehen für diese Medien mehr Transparenz vor, weil sie den Einfluss einer Medienorganisation mit der strategischen Unterstützung durch einen Staat verbinden. Und wir glauben, dass die Menschen wissen sollten, ob sie die Nachrichten in einem Medium lesen, das möglicherweise unter dem Einfluss der Regierung steht“, sagte Gleicher. 

    Aber warum ignoriert Facebook lieber größere US-amerikanische Medien, von denen die meisten von Privatpersonen und Großkonzernen mit eigener Agenda oder politischer Zugehörigkeit verwaltet und kontrolliert werden? 

    Sputnik hat große Medienunternehmen und deren Beziehungen zu politischen oder wirtschaftlichen Kreisen unter die Lupe genommen. 

    CNN

    Auf seiner Webseite präsentiert sich der TV-Sender CNN stolz als „Wahrheitssucher und Geschichtenerzähler“. „Wir sind Journalisten, Designer und Technologen, die sich der Mission verschrieben haben, die Welt zu informieren, einzubeziehen und ihre Möglichkeiten zu erweitern“, heißt es. 

    CNN wurde vom Geschäftsmann Ted Turner aus Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) gegründet. Im Oktober 2016, nur wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen, drückte er seine leidenschaftliche Unterstützung für Hillary Clinton aus.

    Turner schrieb damals: „Hillary ist eindeutig das beste Beispiel für eine Führungskraft. First Lady Michelle Obama hätte es nicht besser sagen können: 'Hillary Clinton ist die am besten qualifizierte Person, um dieses Land zu regieren'. Hillary Clinton zur 45. Präsidentin der Vereinigten Staaten zu wählen, ist eine kluge Sache, nicht nur für die Zeitgenossen, sondern auch für kommende Generationen.“

    Der heute 81-jährige Turner verkaufte 2018 sein Imperium „Time Warner“, zu dem auch das Pay-TV-Netzwerk HBO gehört, dem Telekommunikationsgiganten AT & T für 85 Milliarden Dollar (über 75 Milliarden Euro).

    Donald Trump lehnte den Deal ab und sagte, dass die „herrschende Elite“ der Medien daran gearbeitet habe, die Stimmen seiner Anhänger zu unterdrücken.

    CNN überträgt außerdem mehrere Nachrichtensendungen auf der ganzen Welt in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen wie CNN Indonesia, das „zu 100 Prozent im Besitz vom Unternehmen PT Trans Media ist, das die Marke CNN lizenziert“, und CNN Türk, das eine ähnliche Vereinbarung mit der türkischen Demiroren-Gruppe hat.

    Der Chef von PT Trans Media, Milliardärsgeschäftsmann Chairul Tanjung, war 2014 als Minister in der indonesischen Regierung tätig.

    2018 kaufte die Demiroren-Gruppe CNN Türk sowie die beliebte türkische Zeitung „Hurriyet“. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete damals über den Deal: „Die in der Türkei ansässige nicht börsennotierte Demiroren Holding, die Präsident Tayyip Erdogan unterstützt, hat zugestimmt, die seriöse Zeitung 'Hurriyet' und den Sender CNN Türk zu erwerben, was laut einem nicht genannten hochrangigen Beamten eine Vereinbarung bedeutet, die die Unterstützung der Regierung vonseiten der Medien weiter stärken könnte.“

     „Washington Post“

    Die Zeitung „Washington Post“ (WP) ist immer noch als ein Medium bekannt, dessen Reporter - Bob Woodward und Carl Bernstein - als die Ersten die Watergate-Affäre auslösten, die in den 1970er Jahren zu dem Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon geführt hatte. 

    Jeff Bezos, der Gründer des Online-Händlres Amazon, kaufte die WP 2013 für 250 Millionen Dollar (über 220 Millionen Euro) von der Familie Graham, die sie seit Jahrzehnten betrieben hatte

    Im Juni 2016 berichtete das Wirtschaftsmagazin „Forbes“, Donald Trump, damals ein republikanischer Kandidat in der Präsidentschaftswahl, habe Bezos beschuldigt, WP instrumentalisiert zu haben, um Steuervergünstigungen für Amazon zu erhalten.  Ein weiterer Vorwurf lautete, Bezos habe Journalisten beauftragt, Trump zu beschmutzen. Bezos hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

    Seit Trump Präsident wurde, kam es zu seiner Konfrontation mit Bezos, die wiederholt öffentlich bekannt geworden war.

    „New York Times“

    Die „New York Times“ (NYT) war historisch im Besitz der Familie Sulzberger, und der heutige Vorsitzende des Unternehmens ist Arthur O. Sulzberger Jr.

    Bereits 1967 wurde das Unternehmen an der New Yorker Börse notiert, obwohl die Familie Sulzberger eine Mehrheitsbeteiligung behalten hatte.

    Im Jahr 2015 behauptete das Portal mit politisch konservativer Ausrichtung „Washington Free Beacon“, dass eine Stiftung der Familie Clinton 2008 100.000 Dollar (knapp 89.000 Euro) an den Wohltätigkeitsfonds der NYT gespendet habe. Und im selben Jahr hat die Zeitung Hillary in der demokratischen Vorwahl im Rennen um einen Sitz im US-Senat unterstützt, den sie letztendlich bekommen hatte.

    Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ berichtete im Jahr 2016, dass die NYT einen Artikel veröffentlicht habe, in dem die Macht der Milliardäre über die Medien kritisiert werde. Zugleich habe sie vergessen, den mexikanischen Tycoon Carlos Slim zu erwähnen, der 17 Prozent der NYT selbst besitze.

    Zum Vorstand der Zeitung gehören auch Aman Bhutani, Chef des Hosting-Riesen GoDaddy, John W. Rogers, der auch zu Führungskräften von McDonald's und Nike gehört, und Mark Thompson, ehemaliger Generaldirektor des britischen Rundfunks BBC.

    Fox News

    Rupert Murdoch gründete den TV-Sender Fox News 1996 und heuerte Roger Ailes, den ehemaligen Redenschreiber und Medienberater von Richard Nixon, als Generaldirektor an. Unter dessen Führung wuchs der Fernsehsender exponentiell, wobei die Berichterstattung glamourös und sensationell wurde. Auch war ein patriotischer Appell an Konservative und Republikaner vorhanden, die sich wegen der liberalen Voreingenommenheit bei TV-Sendern wie CNN, NBC und CBS enttäuscht fühlten. 

    Gabriel Sherman schrieb in seinem Buch „The Loudest Voice In The Room“ (dt. etwa Die lauteste Stimme im Raum), welches später auch als ein preisgekröntes Drama mit Russell Crowe bekannt geworden war, dass Ailes das Nachrichtenprogramm des Senders absichtlich verzerre und nur politisch konservativ eingestellte Experten für seine Fernsehshows auswähle.

    Zudem wurde Ailes vorgeworfen, mithilfe von Fox News Donald Trump in der Präsidentschaftswahl 2016 unterstützt und ihm zum Sieg verholfen zu haben. 

    Später wurden Ailes sexuelle Belästigung und Misshandlung von Frauen, darunter der Moderatorin Gretchen Carlson, vorgeworfen. Er starb 2017, bevor eine Anklage erhoben werden konnte.

    Nachfolgerin von Ailes wurde Suzanne Scott, die sich mit Trump schwer getan hat, der den Sender beschimpft und jede Gelegenheit genutzt hat, um seine Anhänger von einem neuen Konkurrenten - One America News Network (OANN) – zu überzeugen. 

    ABC News

    1995 wurde die Muttergesellschaft ABC News vom Konzern Walt Disney für 19 Milliarden Dollar (knapp 17 Milliarden Euro) gekauft. Laut dem Portal „Open Secrets“ spendete Disney im Jahr 2020 etwa drei Millionen Dollar (mehr als zwei Millionen Euro) an die Demokraten und etwa eine Million Dollar (knapp 900.000 Euro) an die Republikaner, während das Unternehmen im Jahr 2002 beiden Parteien jeweils etwa 700.000 Dollar (über 600.000 Euro) spendete.

    Michael Eisner, der ABC News und seine stabilen Partner kaufte, wurde als Disney-Chef von Bob Iger ersetzt, der im Februar dieses Jahres seinen Posten an Bob Chapek übergab.

    Letztes Jahr sagte Iger in einem Interview auf einem Buchfestival: „Die mangelnde Zusammenarbeit, die mangelnde Kommunikation und das Misstrauen in unserer Bundesregierung sind entsetzlich. Ich habe gewisse Hoffnung auf die lokalen Behörden, weil ich nicht glaube, dass Sie auf nationaler Ebene etwas erreichen können.“

    Bloomberg

    Der Finanznachrichtenanbieter trägt den Namen seines Gründer Michael Bloomberg, der Anfang dieses Jahres als US-Präsident kandidierte.

    Der heute 78-jährige Bloomberg war offiziell Mitglied der Demokratischen Partei, bis er 2001 der Republikanischen Partei beitrat und zum Bürgermeister von New York gewählt wurde und damit Rudolph Giuliani ersetzte.
    Er verließ die Republikanische Partei im Jahr 2007 und wurde zwei Jahre später als unabhängiger Kandidat wiedergewählt.

    Letztes Jahr trat er erneut der Demokratischen Partei bei und kündigte seine Absicht an, im Rennen um die Nominierung für das Amt des Präsidenten für seine Partei zu kandidieren. Auch gab er an, die Kampagne aus einem persönlichen großen Vermögen finanzieren zu wollen. 

    Nachdem klar wurde, dass er Joe Biden bei der Nominierung nicht besiegen kann, spendete Bloomberg dem Demokratischen Nationalkomitee (DNC) 18 Millionen Dollar (knapp 16 Millionen Euro).

    pd/mt/sna

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