15:55 07 Juli 2020
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    Kann Onlineunterricht die Präsenzlehre dauerhaft und ohne Verluste ersetzen? Während das erste coronabedingte Online-Semester an den Universitäten angelaufen ist, formiert sich seitens der Dozenten bereits Widerstand.

    In einem Offenen Brief fordern sie deswegen die baldige Rückkehr zum normalen Universitätsbetrieb unter Beachtung der Sicherheitsauflagen.

    In den letzten Jahren habe sich die digitale Lehre an den Hochschulen immer mehr durchgesetzt und sei vielerorts zu einer sinnvollen Ergänzung des Präsenzunterrichts geworden, heißt es einleitend in einem Offenen Brief von Hochschuldozenten. In Corona-Zeiten sei die digitale Alternative gar die „glückliche Rettung“ gewesen, denn ohne diese Möglichkeit wäre das Sommersemester 2020 nicht durchführbar gewesen. Doch im Zuge dieser Digitalisierung der Lehre drohten wichtige Aspekte, die von grundlegender Bedeutung für Prinzip und Praxis der Universitäten seien, verloren zu gehen.

    So entfalle der gemeinsam belebte soziale Raum, in dem Wissen, Erkenntnis, Kritik und Innovation durch den Austausch untereinander entstehen würden. Virtuelle Formate könnten keinen Ersatz dafür bieten, sind die Verfasser des Offenen Briefes überzeugt.

    Auch für die persönliche Entwicklung der Studierenden sei das Kollektiv essentiell und könne nicht virtuell ersetzt werden.

    „Während des Studiums erarbeiten sich die Studierenden Netzwerke, Freundschaften, Kollegialitäten, die für ihre spätere Kreativität, ihre gesellschaftliche Produktivität und ihre Innovationskraft, für ihren beruflichen Erfolg und ihre individuelle Zufriedenheit von substantieller Bedeutung sind.“ 

    Als dritten Punkt führen die Verfasser des Offenen Briefes an, die universitäre Lehre beruhe auf einem kritischen, kooperativen und vertrauensvollen Austausch zwischen mündigen Menschen, und Soziologie, Erziehungs-, Kognitions- und Geisteswissenschaften seien sich völlig einig darüber, dass das Gespräch zwischen Anwesenden dafür die beste Grundlage sei.

    Aus den oben genannten Gründen fordern die Unterzeichnenden die vorsichtige, allmähliche und selbstverantwortliche Rückkehr zu Präsenzformaten. Was an Schulen möglich sei, sollte auch für Universitäten zu leisten sein. Abschließend äußern die Dozenten außerdem die Sorge, die coronabedingte Digitalisierung der Lehre könnte auch nach der Pandemie Folgen haben und den Universitätsalltag negativ beeinflussen.

    Mehr als 3000 Dozenten verschiedener Fachrichtungen von Universitäten und Fachhochschulen aus ganz Deutschland gehören inzwischen zu den Unterzeichnern des Offenen Briefes. Was darin keine Erwähnung findet, aber für viele Studierende vermutlich sehr viel schwerer wiegt, sind die verschobenen oder ausgelagerten Abschlussprüfungen. Manche Universitäten nehmen die Prüfungen in den eigenen Räumlichkeiten unter Beachtung von Abstands- und Hygieneauflagen ab, andere platzieren die Prüflinge einzeln in Zimmern der vielen leerstehenden Hotels. Doch viele Prüfungen fallen auch aus oder werden auf den Herbst verschoben. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann die gesamte Planung erheblich durcheinanderbringen, wie etwa bei Medizinstudenten im Hinblick auf das anschließende Praxisjahr.

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    Deutschland, Quarantäne, Universität, Coronavirus