14:26 23 Oktober 2020
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    „Y-88“ und „Kadavergehorsam“: Ein Hauptmann der „Kommando Spezialkräfte“ hat Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer einem Medienbericht zufolge auf Missstände in der Eliteeinheit hingewiesen. In seinem Brief schildere der Soldat, im KSK würden rechtsextreme Tendenzen geduldet und vertuscht, der Einheit eingebläut, keine Vorkommnisse zu melden.

    Das Nachrichtenmagazin SPON berichtete am Freitag von einem „Brandbrief“ eines KSK-Elitesoldaten, der im Verteidigungsministerium „wie eine Bombe eingeschlagen“ sein soll. In seinem Brief prangere der „Whistleblower“ das Dulden rechtsextremer Tendenzen und deren teilweise wissentliche Vertuschung in der Einheit an.

    Das Wehrressort bestätigte auf Anfrage von dpa den Eingang eines Briefes, ohne in Details zu gehen. Kramp-Karrenbauer fahre eine Null-Toleranz-Linie gegenüber jedem Fall von Extremismus. Die Ministerin hatte nach mehreren Fällen im KSK eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis zum Sommer Ergebnisse vorlegen soll.

    Der Brief des „Whistleblowers“

    Der Autor des 12-seitigen Briefes beklage, dass rechtsextreme Umtriebe in der Einheit „ignoriert oder gar toleriert“ würden, so der Bericht. Der Hauptmann, der seit 2018 im KSK diene, nenne Beispiele für eine Kultur des Wegschauens, wenn es um rechtsextreme Tendenzen gehe.  

    „Y-88“ 

    So habe einer seiner Ausbilder aus einer „aggressiv nationalkonservativen Gesinnung“ keinerlei Hehl gemacht. Als „call sign“, über den sich die Soldaten im Funkverkehr identifizieren, habe seine Kommandozentrale stets den Code „Y-88“ benutzt. Die Rekruten hätten diese Anspielung auf den Hitlergruß zwar wahrgenommen, aus Angst vor Repressalien aber habe niemand etwas gesagt, heißt es.

    „Kadavergehorsam“

    Er schildere auch, wie die Ausbilder ihre Rekruten mundtot machten. Es werde eine Hörigkeit anerzogen, „die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten“ seien.  

    Strafen würden genutzt, „um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen“. Die Folgen seien „eine Art Kadavergehorsam“, der mit dem der Waffen-SS verglichen worden sei, eine „Kultur des Hinnehmens rechtswidrigen Verhaltens“ und eine „toxische Verbandskultur“.

    „Nicht auszutrocknender Sumpf“

    Der Soldat bitte die Ministerin in seinem Schreiben, umgehend zu handeln: Es habe sich ein nicht auszutrocknender Sumpf innerhalb des KSK entwickelt, dieser sei "tiefgreifender und struktureller als derzeit im Ministerium bekannt sein dürfte".

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    Tags:
    Bundeswehr, Rechtsextremismus, Kommando Spezialkräfte (KSK)