14:41 09 Juli 2020
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    Mit dem Ausbruch in der Fleischfabrik von Tönnies überschreitet der Kreis Gütersloh den vereinbarten Grenzwert für Corona-Neuinfektionen deutlich. Dies führt auch zu einem sprunghaften Anstieg des vom Robert-Koch-Instituts berechneten Infektionsquotienten.

    Nachdem der Reproduktionsfaktor in Deutschland wochenlang um den Quotienten 1 herum lag, stieg er am Samstag deutlich auf 1,79 und am Sonntag noch einmal auf 2,88, wie das Robert Koch-Institut (RKI) meldet. Dieser sehr starke Anstieg sei wohl hauptsächlich auf die Corona-Ausbrüche beim Fleischproduzenten Tönnies in Gütersloh zurückzuführen. Dort wurden bis Sonntag 1331 Mitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet.

    Ein Infizierter steckt zwei bis drei Menschen an

    Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, stieg nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 21.6., 0.00 Uhr, auf 2,88. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel zwischen zwei und drei weitere Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Der Wert reagiere auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen, verursacht etwa durch einzelne Ausbrüche, empfindlich, wie das RKI erläutert. Insbesondere bei einer insgesamt kleinen Anzahl von Neuerkrankungen könne dies zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen.

    Zahl der Neuinfektionen gestiegen

    Insgesamt haben die lokalen Behörden dem RKI 687 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet, wie das RKI am frühen Sonntagmorgen meldete. Damit liegt die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen weiter deutlich über den Werten, die noch bis etwa Mitte Juni täglich gemeldet wurden. Die höheren Zahlen der vergangenen Tage seien insbesondere auf größere Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen zurückzuführen, hieß es zuletzt vom RKI.

    Lokale Ausbrüche

    Tönnies Fleischfabrik in Rheda (Archivbild)
    © AP Photo / ROBERTO PFEIL (ARCHIVFOTO)
    Seit Beginn der Corona-Krise haben sich insgesamt 189 822 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt. Im Zusammenhang mit dem derzeit größten lokalen Ausbruch in einer Fleischfabrik von Tönnies im ostwestfälischen Kreis Gütersloh wurde bei mehr als 1300 Beschäftigten das Virus nachgewiesen - gut 200 Ergebnisse von den insgesamt 6139 getesteten Mitarbeitern stehen noch aus. Der Kreis überschreitet damit den von Bund und Ländern vereinbarten Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen binnen einer Woche je 100 000 Einwohner klar. Für einen Lockdown sehen die Behörden derzeit dennoch keinen Grund.

    Deutschlandweit geringer Anstieg

    In den meisten Bundesländern ist die Zahl der Neuinfektionen weiterhin gering. Auch im Bundesland Thüringen, das vor etwa einer Woche als erstes die Kontaktbeschränkungen aufgehoben hat, bleibt die Lage überschaubar. In den vergangenen 24 Stunden wurden den Behörden dort drei neue Fälle gemeldet. Mehr als 140 Landkreise meldeten in den vergangenen sieben Tagen überhaupt keine Neuinfektionen.

    Bislang starben dem RKI zufolge 8882 nachweislich mit dem Virus Infizierte. 174 900 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden, ein Plus von rund 200 im Vergleich zum Vortag.

    as/dpa

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    Tags:
    Coronavirus, Tönnies