11:37 06 Juli 2020
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    Der russische DJ Denis Kaznacheev wurde Ende Mai im Auftrag der USA in Berlin festgenommen mit dem Vorwurf, seit rund zehn Jahren im Darknet Geldwäsche betrieben zu haben. Sein deutscher Anwalt enthüllt nun Details aus dem Verfahren, die die Unschuld seines Mandanten belegen müssen - auch in den Augen des United States Secret Service.

    Kaznacheev, seit kurzem in Berlin wohnhaft, sollte Ende Mai im Auftrag des US-Justizministeriums plötzlich in die Justizvollzugsanstalt Moabit in Auslieferungshaft. Es folgten schwere Vorwürfe: Geldwäsche im Darknet seit 2010 in der Höhe von „über einer Million US-Dollar“, hieß es damals, als Sputnik erstmals über den Fall berichtete, und Teilnahme an einer russischen Cybermafia.

    Der konkrete US-Vorwurf heißt nun laut seinem Anwalt Dr. Jonathan Burmeister, Kaznacheev soll allein im Zeitraum von zwei Jahren über eine der Darknet-Seiten 310 Millionen Dollar gewaschen haben, etwa über Hackerangriffe, Diebstahl von Kreditkarten, Personendaten und Identitäten. Als Provision für die Aufträge soll der Beschuldigte den Vorwürfen nach zwischen 3,1 und 15,5 Millionen Dollar erhalten haben. Wie ist das möglich, wenn der wenig bekannte Musiker, so seine Managerin Denise Gluck, doch auf Touren gehe, um überhaupt seine Miete bezahlen zu können? 

    Ein Freund habe vor zehn Jahren um Hilfe gebeten… 

    Um eine offensichtliche Ungerechtigkeit zu vermeiden, hat der Inhaftierte über seinen Anwalt den United States Secret Service (USSS), also die US-Strafverfolgungsbehörde, erneut mit einem Kooperationsvorschlag kontaktiert. Die Secret Service-Leute hätten sich zwar schon zurückgemeldet, aber eine eigentliche Kooperation müsse erst folgen, sagte Burmeister gegenüber Sputnik. Man habe alle USSS-Fragen schon am 29. Mai beantwortet und der Ermittlung anschließend alle Geräte des 36-jährigen (IPhone, Mac Air, Mac Pro, Router/Modem) einschließlich der Passwörter bereitgestellt. Die Unterstützer von Denis gehen von einem Identitätsdiebstahl aus. Vor zehn Jahren habe ein Freund von Denis, Kemal S., diesen um Hilfe bei der Kontoeröffnung gebeten, sagt der Anwalt. Der Betroffene sei davon ausgegangen, dass er einem Freund auf legale Weise private Hilfe leisten würde. Es sei also durchaus möglich, dass sein eigenes Konto samt Fotos von seinem Gesicht und seinem russischen Pass von Kriminellen ohne sein Wissen verwendet worden seien.

    „Die Ergebnisse der Umfrage und der Bewertung der Geräte beweisen die Unschuld von Herrn Kaznacheev. Er hat mit Geldwäsche im Darknet nichts zu tun. Er hat das Darknet nicht benutzt. Er wusste nicht, dass sein Name bzw. seine Daten im Darknet verwendet wurden“, beharrt Burmeister. Denis habe auch von niemandem einen Cent für illegale Aktivitäten bekommen. „Wir fordern daher die US-Behörden auf, den Haftbefehl zurückzuziehen. Herr Kaznacheev ist nicht die Person, die Sie suchen.“

    „Es geht um die Interessen der USA“

    Das Berliner Kammergericht beschäftigt sich gerade mit dem Fall. Im Hintergrund der Corona-Krise dürfte es nun etwas länger dauern. Auf eine erneute Sputnik-Anfrage wies ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin hin, dass es dem Kammergericht nicht um „inhaltliche Fragen“ gehe, sondern um „ein internationales Fahndungsgesuch“. Eine formale Prüfung durch das Kammergericht müsse erst folgen. Für Kaznacheev heißt es: Weiter in Haft verweilen. „Ein förmliches Auslieferungsersuchen müssen die USA in den nächsten 40 Tagen noch ausstellen“, sagt Burmeister. Er kämpfe jetzt dafür, dass Kaznacheev das Urteil des Kammergerichts wenigstens in seiner Wohnung abwarten dürfe. Das sei keine einfache Entscheidung für das Gericht, denn es gehe in erster Linie „um die Interessen der USA“ nach den bestehenden Auslieferungsverträgen mit der Bundesrepublik. Die russische Botschaft in Berlin habe den Mandanten bereits bei der Justizvollzugsanstalt besucht und „politische Hilfe“ angeboten.

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    Tags:
    Auslieferung, United States Secret Service, Geldwäsche, USA, Darknet