00:06 10 Juli 2020
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    Eine Studie der Linkspartei stellt fest, dass Kinder besonders hart von den Corona-Maßnahmen betroffen sind. Die Autoren behaupten, dass die Politik mit den drastischen Einschränkungen gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstößt. Besonders Kinder aus armen Haushalten seien betroffen. Auch hätten Kinder in der Krise kein Mitspracherecht.

    Mehr als 13 Millionen Minderjährige und ihre Familien waren beziehungsweise sind deutschlandweit von Kita- und Schulschließungen und Kontakt- sowie Bewegungseinschränkungen betroffen.

    Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen fanden und finden im Krisendiskurs kaum Beachtung. Sei es bei flächendeckenden Schließungen von Spielplätzen, der Schließung und Teilwiederöffnung der Schulen oder auch beim De-facto-Kontaktverbot von Heimkindern mit ihren leiblichen Eltern.

    Kinder sind nicht kleine Erwachsene

    Eine Studie für die Bundestagsfraktion der LINKEN beschäftigt sich mit der Frage, wie hart Kinder von den Corona-Maßnahmen betroffen wurden.

    In der Studie heißt es:

    „Was vor der Krise mitunter abstrakt erschien, zeigt sich nun ganz offen: Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene, sondern haben individuell und auch als gesellschaftliche Gruppe eigene Bedürfnisse und Interessenlagen. Diese wurden und werden in der Krise sträflichst vernachlässigt.“

    Corona-Maßnahmen verstoßen gegen UN-Kinderrechtskonvention

    Die Studie der Linken ging auch der Frage nach, ob alle Entscheidungen und Maßnahmen der Politik seit März/April 2020 völkerrechtsgemäß und bundesgesetzmäßig unter vorrangiger Berücksichtigung des Kindeswohls vorgenommen wurden.

    Autor der Studie Michael Klundt ist Professor für Kinderpolitik und Koordinator des Master-Studienganges „Kinderwissenschaften und Kinderrechte“ an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Klundt kommt in der Studie zu dem Fazit:

    „Jegliche Rechte von Kindern nach der UN-Kinderrechtskonvention auf Beteiligung, Förderung und Schutz, die über den Kinderschutz hinausgehen, werden derzeit weitgehend negiert.“

    Der für Kinder und Jugendliche wichtige persönliche Kontakt mit Gleichaltrigen war und ist altersabhängig de facto stark reduziert beziehungsweise wurde unmöglich gemacht worden. Private Treffen außerhalb von Haushaltsmitgliedern sind weitestgehend untersagt worden.

    Angesichts dieser Umstände kommt die Studie zu dem Schluss:

    „Damit waren und sind Kinder und Jugendliche häufig härter von der Krise betroffen als ihre Eltern.“
    Kinder auf einem Spielplatz in Moskau
    © Sputnik / Wladimir Fedorenko

    Kinder- und Jugendtreffs fördern

    Die öffentliche Infrastruktur für Kinder und Jugendliche sowie die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe waren von März bis mindestens Mai 2020, abgesehen von wenigen digitalen Angeboten oder telefonischen Kontaktmöglichkeiten, nicht verfügbar. Spielplätze waren geschlossen, aber auch Kinder- und Jugendclubs, Skateanlagen, Tischtennis- und Bolzplätze, Tierparks, öffentliche Badestellen, Bibliotheken etc.

    Noch immer sind viele Einrichtungen für Kinder und Jugendliche geschlossen oder kämpfen bei reduzierter Nutzung um die Existenz. Klundt schlägt vor: „finanzielle Hilfen für die Herausforderungen und Folgen der Corona-Krise insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe bereitzustellen, um eine pandemiegerechte Öffnung und Ausstattung aller Einrichtungen und Angebote zu gewährleisten.“

    Arme Kinder besonders betroffen

    Der Autor der Studie, verweist auch auf den Umstand, dass arme Haushalte von den Corona-Maßnahmen tendenziell stärker betroffen waren. Klundt meint, es mache einen Unterschied„ „ob die Kinder wohlhabender Eltern mit großen Häusern, Gärten und anderen Kompensationsleistungen gesegnet sind oder in einer viel zu kleinen Großstadtwohnung mit viel zu wenig Bewegungsraum, reduzierten Versorgungsmöglichkeiten, enormen existenziellen Sorgen und mangelhafter Hardwareausstattung zurechtkommen müssen.“

    Der Soziologe behauptet, dass sich die Unterschiede durch die Corona-Krise sogar verstärkt hätten und die Privilegierten ihren Vorsprung eher noch ausbauen konnten.

    Kinder wurden nicht gefragt

    Klundt kritisiert in seiner Studie auch, dass die Kinder „dabei überhaupt nicht gefragt und weitgehend instrumentell behandelt wurden“. Der Autor schlägt einen sogenannten Kindergipfel im Bundeskanzleramt vor, an dem neben Kinderrechtsorganisationen und Jugendverbände auch Kinder und Jugendliche selbst teilnehmen sollten.

    Norbert Müller, Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag kommentiert die Studie:

    „Im Ausnahmezustand regieren, noch mehr als sonst, die Interessen der Stärkeren. Das sind aus Kinderperspektive und auch ganz faktisch „die Erwachsenen“. Wie flächendeckend Kinderrechte zugunsten der Interessen Stärkerer zurücktreten mussten, zeigt Michael Klundt in dieser Studie eindrücklich.“

     

     

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