06:37 03 Dezember 2020
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    Die Corona-Krise wird nach Einschätzung der Uno den Kampf gegen Genitalverstümmelung und Kinderehen zurückwerfen. Der Chefin des Genfer Büros des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), Monica Ferro, zufolge, könnten wegen der ausgebremsten Präventionsprogramme in der Pandemie bis 2030 zusätzlich zwei Millionen Mädchen eine Genitalverstümmelung erleiden.

    Allein in diesem Jahr sind 4,1 Millionen Mädchen dem Risiko einer Genitalverstümmelung ausgesetzt. Auch die Praxis von Kinderehen steige in Zeiten von Not und Krise, sagte Ferro. Ihr zufolge geht die Uno wegen der Folgen der Corona-Krise von 13 Millionen zusätzlichen Kinderehen bis 2030 aus.

    Es gehe darum, endlich die Rechte von Mädchen und Frauen zu stärken und zu respektieren, betonte Ferro. Sie räumte zugleich ein, dass immerhin eine gewisse Haltungsänderung spürbar sei. Eltern würden die Bedeutung von Bildung und einem selbstbestimmten Leben auch bei Mädchen immer mehr erkennen, so Ferro.

    Dr. Natalia Kanem, die Exekutivdirektorin von UNFPA, sagte am Dienstag zum Weltbevölkerungsbericht 2020: „Schädliche Praktiken verursachen bei Mädchen ein tiefes und anhaltendes Trauma. Sie werden ihres Rechtes beraubt, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Die Corona-Pandemie macht unsere Arbeit schwieriger, aber auch notwendiger, da Mädchen jetzt besonders gefährdet sind. Wir dürfen nicht aufhören, bis die Rechte, Entscheidungen und Körper aller Mädchen voll und ganz ihnen selbst gehören.“

    Der Weltbevölkerungsbericht 2020 zeigt, dass es möglich ist, Frühverheiratungen und weibliche Genitalverstümmelung innerhalb von zehn Jahren zu beenden. Um dieses Ziel erreichen zu können, fordert der Bericht unter anderem, dass Programme gefördert werden müssen, die Mädchen darin unterstützen, Schulen bis zum Abschluss zu besuchen statt früh verheiratet zu werden. 

    Nach jüngsten Angaben der deutschen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey leben in Deutschland derzeit knapp 68.000 Frauen und Mädchen, die von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind. Die Meisten stammten aus Eritrea, Somalia, Indonesien, Ägypten und Nigeria. Bis zu 15.000 minderjährige Mädchen seien außerdem in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht.

    ls/sb/dpa

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