18:22 29 November 2020
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    Wie viele Branchen leiden auch die öffentlichen Verkehrsmittel unter den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Gerade das Schweizer Unternehmen „Postauto“ hat unter den wenigen Fahrgästen gelitten. In einem Interview mit der NZZ erzählt der Geschäftsführer jedoch von neuen Konzepten zur Optimierung der Postautos und dem Weg aus dem Defizit.

    Das Unternehmen Postauto AG ist für den öffentlichen Verkehr zuständig – in oftmals bergigen und eher unbewohnten Regionen der Schweiz. Die sogenannten Postautos sind Busse, welche als motorisierte Nachfolger der Postkutschen gelten. Auch hier sorgte die Corona-Pandemie für schwere Folgen: In einem Interview mit der Schweizer Zeitschrift „Neue Zürcher Zeitung (NZZ) äußerte sich der Geschäftsführer, Christian Plüss, zu den finanziellen Problemen. Die Passagierzahlen seien im April um ganze 80 Prozent zurückgegangen. Finanziell bringe das einen Schaden von rund 50 Millionen Franken mit sich (47 Mio. Euro). Plüss begründet das Defizit mit dem kontinuierlichen Weiterfahren der Postautos. Trotz des Ausnahmezustands seien die Busse ohne große Anpassung des Fahrplans in Betrieb geblieben.

    Doch auch wenn das Unternehmen viel Geld verloren hätte, sehe Plüss es nicht als fair an die Fahrpreise zu erhöhen.  „Unsere Kunden mit höheren Preisen zu bestrafen, wäre das falsche Signal“, sagte er zur NZZ. Dafür zeigten sich Bund und Kantone verantwortlich dafür, dass der Linienbetrieb regulär weitergeführt wurde. In dem Sinne hätten sie „Postauto“ frühzeitig zugesichert, dass sie bereit wären die Kosten zu tragen. Plüss hofft darauf, dass sie weiterhin dazu stünden, auch wenn der Fehlbetrag ihm zufolge „deutlich höher sein wird.“

    Einfluss der Corona-Pandemie

    Natürlich sehe Plüss ein großes Problem in der aufkommenden Debatte um Hygiene im öffentlichen Verkehr. In dem Sinne sprach er sich positiv für die Entscheidung des Bundesrates aus, welcher die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln beschlossen hat, geltend ab nächster Woche.

    Auf die Frage, ob das Vertrauen in den Verkehr nachhaltig erschüttert sei, antwortete Plüss:

    „Solange das Virus da ist, lässt sich nicht wegdiskutieren, dass viele Menschen aus Sorge vor einer Ansteckung den öffentlichen Verkehr meiden werden. Ist die Gefahr gebannt, etwa durch einen Impfstoff, rechne ich damit, dass wieder vergleichbar viele Menschen die Züge und Busse nutzen wie vor der Krise.“

    Plüss rechnet sogar in den nächsten Jahren mit einem Zuwachs der Mobilität im öffentlichem Verkehr. Denn auch wenn immer mehr Menschen von zuhause aus abreiten können, will er das Angebot auf die Kunden anpassen. Dabei schlug er beispielsweise ein Abonnement für Teilzeitpendler vor, die nur an drei oder zwei Werktagen mit dem Postauto fahren würden. Generell stelle er sich die Frage, wie nützlich ein flächendeckender Taktplan sei, wenn immer mehr Leute dezentral arbeiten würden.

    Klimaschutz und Innovationen

    Schon seit längerer Zeit stehe der Plan, mit Postauto ein Vorreiter für den Klimaschutz zu sein. Das Ziel, welches das Unternehmen sich gesetzt habe, bestehe darin, hundert Fahrzeuge mit alternativem Antrieb bereitzustellen – und das bis 2024. Plüss bestätigte, dass die Realisierung dieses Zieles bei der Verkehrsfirma immer noch hohe Priorität habe. Viele Kantone stünden bei dem Projekt an ihrer Seite – einzig die Finanzierung sei das Problem. Neben den geeigneten Fahrzeugen werden Ladeinfrastrukturen benötigt. Trotz vieler Interessenten hätten sie keine Zusicherung auf Finanzierung von Bundesrat und Kantonen erhalten. Dennoch sehe Plüss das Projekt optimistisch an, da der Wille zum Umstieg bei allen Beteiligten gegeben sei.

    Dies sei jedoch nicht das einzige Projekt, dass Plüss vor Augen schwebe: „Heute fahren Postautos zu Randzeiten im Stundentakt mit zwei, drei Leuten in entlegene Bergdörfer. Da gäbe es mittlerweile intelligentere Lösungen. So könnten die Nutzer Busse etwa via App bestellen und bezahlen. Die App berechnet dabei die Strecke und sagt dem Fahrer, wo und wann er jemanden abholen darf.“

    Bisher bleibe diese Idee jedoch unrealistisch. Da Projekte wie eine „On-Demand-App“ keine gesetzliche Regelung haben, benötigen diese eine weiterführende Finanzierung mit speziellen Mitteln. Dennoch werde schon nächste Woche ein Pilotprojekt im Verzascatal gestartet. Auch in anderen Kantonen werden immer mehr Projekte ausprobiert, doch da „solche Dienste nicht unter dem Begriff öffentlicher Verkehr laufen, gibt es keine Abgeltung für solche App-basierten Rufbus-Systeme.“

    lm/gs

     

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    Coronavirus, Schweiz, Post