09:10 12 August 2020
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    Wie berichten deutsche führende Zeitungen und TV-Sender über Menschen mit Migrationshintergrund? Welches Bild zeichnen sie? In einer Studie stellt der Journalistik-Professor Thomas Hestermann den Leitmedien ein mangelhaftes Zeugnis aus.

    Der Medienforscher Prof. Dr. Thomas Hestermann von der Hochschule Macromedia in Hamburg hat die Berichterstattung der Leitmedien über die in Deutschland lebenden Migranten und Flüchtlinge für den „Mediendienst Migration“ untersucht. Die Ergebnisse der Expertise zeigen teilweise ein verzerrtes Bild, das die deutschen Journalisten zeichnen. In den Leitmedien bleibt die betroffene Gruppe „meist unsichtbar“, stellt der Wissenschaftler fest. So lautet auch die Überschrift der Studie: „Berichterstattung über Eingewanderte und Geflüchtete – Die Unsichtbaren“.

    Die Menschen mit Migrationshintergrund würden in den Medien kaum zu Wort kommen - selbst dann nicht, wenn über sie berichtet wird, heißt es in der Studie. In nur 12,3 Prozent der TV- und Zeitungsberichte, die Teil der Studie waren, sei dies der Fall.

    In 25,2 Prozent der untersuchten Beiträge gehe es besonders häufig um Eingewanderte und Geflüchtete, wenn ihnen eine Gewalttat angelastet wird. Die übrige Berichterstattung stelle Risiken (36,4 Prozent), vor allem Rechtsverstöße, Kosten und Überfremdung, jedoch seltener Chancen (15,1 Prozent) in den Vordergrund. Lediglich Beiträge zum Arbeitsmarkt und Sozialstaat würden Chancen (65,9 Prozent) stärker gewichten als die Risiken (34,1 Prozent).

    Zudem sei die Lobby der Eingewanderten schwach. In nur 1,2 Prozent der untersuchten Beiträge habe beispielsweise „Pro Asyl“ Gehör gefunden. Die großen christlichen Kirchen und ihre Hilfswerke spielten medial nahezu keine Rolle (0,2 Prozent).

    Unter den untersuchten überregionalen Zeitungen würden die „Bild“ (6,9 Prozent) und die „Süddeutsche Zeitung“ (9,2 Prozent) Menschen mit Einwanderungsgeschichte besonders selten zu Wort kommen lassen - die „Taz“ (22,7 Prozent) und die „Welt“ (20,6 Prozent) am häufigsten.

    Fazit: Migranten als „Randfiguren“

    „Man höre auch die andere Seite“, zitiert Hestermann eine der Grundregeln des journalistischen Handwerks. Sein Fazit: Eingewanderte und Geflüchtete seien lediglich Randfiguren der „medialen Erzählung von Migration“. Sie erhielten selten Gesicht und fänden kaum Gehör.

    „Die Annäherung über kulturelle und sprachliche Barrieren hinweg wäre leichter, wenn in den Redaktionen der großen Sender und Zeitungen mehr Medienschaffende arbeiteten, die ihre Kompetenz einer weiteren Herkunftskultur und einer anderen Muttersprache einbrächten“, empfiehlt der Medienexperte. Doch sie seien wenige. Ihr Anteil werde zwischen zwei und fünf Prozent geschätzt, verlässliche Zahlen gebe es darüber bislang nicht.

    Für die Untersuchung wurden die Hauptnachrichten der acht reichweitenstärksten Fernsehsender sowie der überregionale Teil der Bundesausgaben der auflagenstarken überregionalen Zeitungen („Bild“, „Süddeutsche Zeitung“, „FAZ“, „Welt“, „Taz“) über vier Kalenderwochen im Januar, Februar, März und April 2019 analysiert, heißt es in der Expertise. Das Filterkriterium sei entweder eine explizite ausländische Zuordnung (z.B. „Türkin“ oder „Kind arabischer Eltern“) oder die Nennung eines nur für Nichtdeutsche möglichen Status (z.B. Bürgerkriegsflüchtling, Asylbewerberin) in den jeweiligen Beiträgen gewesen.

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    Studie, Gewalt durch Flüchtlinge, Bootsflüchtlinge, Flüchtlinge, Bild, Massenmedien, Leitmedien, Migrationsdienst, Migrationspolitik, Migration, Migrationskrise