04:35 04 August 2020
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    In der russischen Stadt Chabarowsk haben nach der Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal Zehntausende Menschen für dessen Freilassung demonstriert. Gegen den 50 Jahre alten Gouverneur wird wegen des Verdachts der Ermordung von Geschäftsleuten ermittelt.

    Demonstrationen gab es in mehreren Städten der Region Chabarowsk, die im äußersten Osten Russlands liegt. In der Großstadt Chabarowsk sprachen Beobachter lokalen Medien zufolge von den größten Protesten seit Jahren. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf insgesamt bis zu 12.000. In Medienberichten war die Rede zumeist von mehr als 30.000 Menschen.

    Es seien Unterschriften für die Freilassung des beliebten Gouverneurs gesammelt worden. Demonstranten kritisierten auch die Einflussnahme des Machtapparats im gut acht Flugstunden entfernten Moskau auf die Region, die nicht weit von China entfernt liegt.

    Es blieb den Berichten zufolge friedlich. Festnahmen gab es nicht. In Russland sind Demonstrationen wegen der Corona-Pandemie derzeit verboten. Die Sprecherin des Gouverneurs dankte Instagram für die Unterstützung. Die Region habe selten solch eine Einmütigkeit erlebt, schrieb Nadeschda Tomtschenko. Sie wandte sich auch direkt an die Demonstranten: „Wir sind sicher, dass Sie erhört werden.“

    Nach Angaben des russischen Innenministeriums soll das „Team von Sergej Furgal“ die Proteste organisiert haben. Die Sprecherin dementierte dies jedoch und verwies darauf, dass es sich um eine spontane Aktion gehandelt habe, die zuvor in den sozialen Netzwerken angekündigt worden sei. Die Stadtverwaltung von Chabarowsk stellte klar, die Demonstration nicht vorbereitet zu haben. Auch die ultranationalistischen Partei LDPR, deren Mitglied Furgal ist, distanzierte sich von einer Beteiligung an den Protesten. 

    Ermittlungen gegen Gouverneur

    Der Gouverneur von Chabarowsk, Sergej Furgal, wurde am Donnerstag festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in eine örtliche kriminelle Gruppierung involviert gewesen zu sein, die in den 2000er Jahren mehrere Morde organisiert haben soll. Nach der Festnahme wurde der Gouverneur nach Moskau gebracht, wo er nun zwei Monate in Untersuchungshaft bleiben soll. Furgal weist die Anschuldigungen zurück.

    Der Verdacht einer möglichen Verstrickung des Gouverneures soll aufgekommen sein, als Ermittler Tatverdächtige im Mordfall um den Unternehmer Ewgenij Sori befragt hätten. Diese hätten Furgal als einen der Hintermänner angegeben. Zuvor wurden in diesem Zusammenhang bereits vier Mitglieder einer kriminellen Bande festgenommen. Gegen Furgal soll nun Anklage erhoben werden. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

    mka/dpa/sna/gs

     

     

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