08:21 25 November 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    162360
    Abonnieren

    Experten sind sich einig: Die Corona-Pandemie kann eine deutliche Belastung für den häuslichen Frieden sein. Vor allem für Partnerschaften war der Lockdown eine Herausforderung, und das hat Folgen. Der renommierte Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger hat berechnet, dass rund eine halbe Million Beziehungen durch Corona vor dem Aus stehen.

    Corona ist für alle Menschen eine besondere Herausforderung. Doch vor allem für Partnerschaften wurde die Pandemie zu einer Belastungsprobe, da das bisher eingespielte Gleichgewicht von Nähe und Autonomie plötzlich gestört ist. Das führt laut dem Berliner Psychotherapeuten Dr. Wolfgang Krüger in einer Liebesbeziehung immer zu einem Ausnahmezustand, den man auch im Urlaub und zu Weihnachten kenne:

    „Das sind die beiden klassischen Situationen, in denen es eine emotional aufgeladene Zwangsnähe gibt. Wir alle sehen jedes Jahr die Folgen: Ein Drittel aller Trennungen finden nach dem Urlaub, ein Drittel nach Weihnachten statt.“

    Die Erklärung liegt laut Dr. Krüger darin, dass eine funktionierende Partnerschaft auch Rückzugsräume brauche. Das sei auch der Grund, warum während Corona mit einer massiven Trennungswelle zu rechnen sei: Wer 24 Stunden mit dem Gegenüber konfrontiert sei oder im Homeoffice arbeite, könne seinen Alltag nur schwerlich souverän gestalten.

    Fluch oder Segen?

    Doch es kann auch anders laufen: Laut Dr. Krüger ist ebenso damit zu rechnen, dass es in einigen Monaten einen Baby-Boom gibt. Viele Partnerschaften seien in der Corona-Zeit sogar besser geworden, so Dr. Krüger:

    „Sie haben Corona als gemeinsame Herausforderung betrachtet, hatten mehr Zeit füreinander. Sie haben wieder angefangen, sich etwas vorzulesen, gemeinsam zu kochen, sich mehr zu umarmen.“

    Das betreffe erstaunlicherweise die Hälfte aller Paare. Doch die andere Hälfte erlebe Corona eher als Belastung, ein Viertel habe inzwischen sogar oft Trennungsgedanken. Erfahrungsgemäß würden sich nach Meinung von Dr. Krüger aber nur rund zehn Prozent der Paare dann tatsächlich trennen:

    „Etwa 2,5 Prozent aller Paare sind daher akut trennungsgefährdet. Bei 20 Millionen Liebesbeziehungen in Deutschland sind dies immerhin 500.000 Paare. Im Vergleich: Nach dem Urlaub und Weihnachten trennen sich jeweils etwa 100.000 Paare.“

    Es komme also eine Trennungswelle auf uns zu, von der vor allem auch viele Kinder betroffen seien, und die Scheidungsquote, die seit vielen Jahren rückläufig ist, wird laut Dr. Krüger enorm ansteigen.

    Ein Stresstest...

    Corona und Urlaub seien beides Herausforderungen für Beziehungen, aber kein guter Testfall für die Qualität einer Partnerschaft. Diese zeige sich laut der Expertise des Psychotherapeuten Dr. Krüger eher im entspannten Alltag:

    „Also: Nicht übereilt trennen: Die meisten dieser Partnerschaften haben eine gute Überlebenschance, wenn jeder wieder stärker sein eigenes Leben führen kann. 80 Prozent der Deutschen meinen, dass wir uns zu früh trennen. Meine Erfahrungen zeigen: 90 Prozent der Partnerschaften haben ein Verbesserungspotential.“

    Einen Tipp hat Dr. Krüger noch, der auch Autor solch erfolgreicher Bücher wie „So gelingt die Liebe“ oder „Humor für Anfänger und Fortgeschrittene“ ist. Nach dem Ende des Lockdowns sei es wichtig, wieder eigenständiger zu werden, Sport zu treiben oder sich mit Freunden zu treffen. Während der Corona-Krise sei es vielen Paaren gegangen, wie einer U-Boot-Besatzung, die sich kaum aus dem Weg gehe könne. Nun sei es Zeit zum Auftauchen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Überschüssiger US-Militärschrott zu vergeben: Greift Berlin diplomatisch ein oder günstig ab?
    US-Zerstörer verletzt Russlands Grenze – Verteidigungsministerium
    Neuer Höchstwert in Deutschland: 410 Corona-Todesfälle binnen 24 Stunden gemeldet
    Tags:
    Liebe, Partnerschaft, Beziehung, Ehe, Trennung, Coronavirus