12:55 27 November 2020
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    Ein Twitter-Posting der Polizei Stuttgarts über die Ermittlungen zu den Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt Ende Juni hat eine hitzige Rassismus-Debatte im Internet ausgelöst.

    Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Ereignissen in der Nacht zum 21. Juni veröffentlichten die Beamten am Sonntag ein Statement. Demnach werde für eine „umfassende Feststellung der Lebens- und Familienverhältnisse der bereits bekannten Tatverdächtigen“ in „einzelnen Fällen die Nationalität der Eltern, und nur der Eltern, von Tatverdächtigen durch Anfragen beim Standesamt erhoben“.

    Dabei gehe es darum zu klären, ob ein Migrationshintergrund gegeben sei. Schließlich sei bei der Strafverfolgung die „Einbeziehung aller persönlichen Umstände der Tatverdächtigen“ notwendig. Auch für die Ausarbeitung von Präventionskonzepten insbesondere für junge Menschen wollten die Behörden „die persönlichen Lebensumstände, wie auch einen potenziellen Migrationshintergrund, miteinbeziehen“.

    Dieses Vorgehen der Polizei sei in der Berichterstattung von Medien als „Stammbaumrecherche“ bezeichnet worden. Dies sei jedoch „nicht korrekt“, hob die Polizei hervor. Der Polizeipräsident Franz Lutz habe in seiner Rede am 9. Juli „zu keinem Zeitpunkt“ von einer „Stammbaumforschung“ gesprochen, sondern von „bundesweiten Recherchen bei Standesämtern“.

    Die Idee einer angeblichen „Stammbaumanalyse“ sorgte bei vielen Internet-Benutzern für Empörung. Der Twitterer „SRCN“ schrieb, eine Recherche des „Stammbaums“ diene nur dazu, dass „Migranten in der Öffentlichkeit wieder bloßgestellt werden“ könnten.

    Die Polizisten erwiderten am Sonntag, dass die Lebens- und Familienumstände sich auf das Strafmaß und die anschließenden Präventionsmaßnahmen auswirken könnten. Die Nationalität der Eltern werde „auch bei ‚deutschen‘ jugendlichen Tatverdächtigen“ geprüft.

    Dass die Beamten die Anführungszeichen mit dem Wort „deutsche“ verwendet hatten, schien die Debatte weiter aufgeheizt zu haben. Später kommentierte die Polizei, man habe sich „missverständlich ausgedrückt“.

    Kritik der Zeichenwahl

    Wegen der Verwendung der Anführungsstriche fragten viele Benutzer auf Twitter, ob für die deutschen Polizisten ein Unterschied zwischen Deutschen und „Deutschen“ bestehe, wenn es sich um Bürger mit Migrationsgeschichte handle. Einige spotteten, dass in diesem Fall auch die Polizei nun in Gänsefüßchen geschrieben werden sollte.

    „Die haben jetzt nicht wirklich deutsch in Anführungszeichen gesetzt und implizieren damit, dass Deutsche mit Migrationsgeschichte nicht wirklich deutsch sind, oder? Aber nein, die deutsche Polizei hat kein Rassismusproblem“, meinte etwa der Internet-User unter dem Namen Sebi.

    Randale in Stuttgart

    In Stuttgart war es in der Nacht zum 21. Juni zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Randalierer hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an den Randalen beteiligt oder hatten dabei zugeschaut. 32 Polizisten wurden verletzt.

    Inzwischen seien 39 Verdächtige identifiziert, so die Beamten am Sonntag. Gegen 20 mutmaßliche Täter sei ein Haftbefehl erwirkt worden, davon 14 in Vollzug.

    mo/mt

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