00:36 05 August 2020
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    Mittlerweile gilt die Corona-Warn-App in vielen Ländern als ein etabliertes Hilfsmittel. Wie wirksam diese ist, kann noch nicht gesagt werden – Forscher der ETH haben nun einen Bauplan veröffentlicht, der auch ethischen Fragen Beachtung schenken soll. Kann dieser Plan helfen, die Corona-App als effizienteres Mittel gegen das Virus einzusetzen?

    Die Corona-Apps in sämtlichen Ländern weltweit sollen als ein ergänzendes Hilfsmittel fungieren, welches zur Eindämmung des Coronavirus beisteuert. Neben den üblichen Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen versuche man beispielsweise in Deutschland und der Schweiz, anhand des sogenannten Poximity-Tracing Infektionsketten nachzuvollziehen. Auch wenn es in der Theorie vielversprechend klingt, gibt es einige Faktoren, welche die Effizienz solcher Apps einschränken. Dazu gehört einerseits die Kooperation der Bevölkerung, aber auch technische Fehler, Mängel und fehlerhafte Daten tragen dazu bei.

    Arten von Corona-Apps

    Neben der Proximity-Tracing-App gebe es jedoch alternative elektronische Hilfsmittel. So veröffentlichte die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich Resultate zu verschiedenen Arten von Apps. Darunter wurden ethische wie auch rechtliche Fragen berücksichtigt. Genauer angeschaut wurden die folgenden Kategorien: Die Contact-Tracing-Apps (wie die Swiss-Covid-App oder die deutsche Corona-Warn-App); Programme, welche anhand von gegebenen Symptomen das Infektionsrisiko abschätzen; Kontroll-Apps, die schauen, ob Quarantäne-Vorschriften eingehalten werden; Flow-Models, also Modelle, die Mobilitätsdaten sammeln und auswerten.

    Die Professorin für Bioethik an der ETH, Effy Vayena, sagt, es brauche eine sorgfältige Abwägung zwischen dem öffentlichen Nutzen und möglichen Nachteilen. Dass gerade in Notlagen, in der sowohl Politik wie auch Bevölkerung schnelle Lösungen wollen, die Zeit für langwierige Abklärungen fehlt, sei ein Trugschluss.

    „Die Leute haben teilweise völlig überzogene Erwartungen, was eine App leisten kann“, so Vayena. „Eine einzelne Technologie kann nie die Lösung für das ganze Problem sein. Und wenn wir eine schlechte Lösung haben, weil wir zu wenig sorgfältig vorgegangen sind, unterminiert das den längerfristigen Erfolg.“

    Ethische Fragen bleiben nicht unbeantwortet

    Die ethischen Faktoren wären genauso wichtig bei der Evaluation der verschiedenen App-Typen wie die Technik dahinter. Eine Frage, die sich beispielsweise stellt, betrifft die Funktionen der App: So müsse auch verhindert werden, dass die erhobenen Daten für anderweitige Zwecke verwendet werden, von denen die Nutzer nichts wüssten. Die ETH-Wissenschaftler sehen auch die zeitliche Limitation solcher Apps als eine Voraussetzung, damit diese nachher nicht von Behörden zur Überwachung der Bevölkerung missbraucht werden können.

    Zudem müsste man auch die Nebeneffekte solcher Apps in Bezug auf die Diskriminierung von gewissen Menschen beachten. Einige Apps würden soziodemografische Daten erheben, welche vielleicht aufschlussreich, jedoch auch gefährlich sein können. Als Beispiel nennen die Autoren der Studie die schnelle Bereitschaft von Leuten, während der Krise andere anzuschwärzen: Dies sah man vor allem zu Beginn der Pandemie bei Menschen mit asiatischen Wurzeln, die unrechtmäßig als mögliche Corona-Träger verdächtigt wurden. „An solche Nebeneffekte muss man von Anfang an denken“, so Vayena.

    Vayena erklärte zudem, dass es immer länderspezifische Besonderheiten bei der Entwicklung solcher Apps gebe. "Doch die grundlegenden Prinzipien – Respektieren der Autonomie und Privatsphäre, Förderung der Gesundheitsvorsorge und Solidarität sowie Verhindern von neuen Infektionen und böswilligen Handlungen – sind überall die gleichen. Wenn man diese berücksichtigt, findet man Lösungen, die nicht nur technisch, sondern auch ethisch überzeugen und einen nützlichen Beitrag leisten, um die Krise zu bewältigen“, fügt sie hinzu.

    Grundsätzlich solle man das elektronische Hilfsmittel in den Smartphones nicht zu sehr überschätzen. Zwar leiste dieses Instrument nützliche Dienste, man dürfe aber auch kein Wunder davon erwarten.

    lm

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    Tags:
    Eidgenössisch-Technische Hochschule (ETH) Zürich, Ethik, Corona-Warn-App, Coronavirus