02:12 05 August 2020
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    Die Corona-Krise hat laut Gunnar Jütte, Politologe und Medienmanager, eine ganze Menge dazu beigetragen, dass Deutschland einer globalen Gallup-Umfrage zufolge die beliebteste politische Führungsnation der Welt ist. Das Land ist eigentlich sehr sauber aus der ganzen Sache herausgekommen.

    Für dieses hohe Ansehen stimmten 44 Prozent der Befragten aus 135 Ländern. Den zweiten Platz in der Zustimmungsrate belegen die USA mit einem großen Abstand von 33 Prozent. Die Politik habe es eigentlich geschafft, „dass die Infektionsraten relativ klein waren“, sagte der Politologe im Sputnik-Interview. „Etwas mehr als 9000 Tote sind für 80 Millionen Einwohner wenig. Und im Moment versucht Deutschland auch noch Europa zusammenzuhalten, dass es nicht vollkommen auseinanderfliegt.“

    Hier habe Merkel einen großen Vorteil, meint Jütte: „Wenn es Katastrophen gibt, Aktionen usw., dann kann sie auftrumpfen. Wenn nichts los ist, wie vor einem Jahr, wo alles ein wenig hingedümpelt ist, hat man das Gefühl, sie ist gar nicht mehr da. Das sind die wesentlichen Sachen, die Merkel kennzeichnen, da man muss ehrlich sein.“

    Es gebe im Moment keinen außer Merkel, der das meistere, urteilt der Experte: „Söder hat eigenartigerweise eine gute Politik gemacht, was die Corona-Krise angeht, aber Merkel ist ja die herausragende Figur gewesen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass sie Wissenschaftlerin ist. Wissenschaftler verstehen eher, was so etwas bedeuten kann. Man hat es ja in England gesehen. Boris Johnson — null Ahnung und erstmal „Macht alles nichts“, und zum Schluss haben sie die meisten Toten in Europa gehabt.“

    Katastrophale Corona-Politik der USA

    „Und die USA haben eine vollkommen katastrophale Corona-Politik gemacht. Schlimmer geht es nimmer“, fügt Jütte hinzu. „Wenn man einen Präsidenten hat, der glaubt, er ist Gott, dann kann das nur danebengehen. Trump gehört nun zu den Leuten, die extrem beratungsresistent sind, d.h. ihm ist scheißegal, was seine Berater sagen. Er weiß alles besser. Und das wusste er anscheinend in dieser Corona-Krise mal nicht. Das hat dann eben auch zu dieser Katastrophe in den USA geführt, die permanent anhält. Denn diese ist auch in den Bundesstaaten, wo die Republikaner regieren. Da ist die Infektionsrate am höchsten. Und dort, wo die Demokraten regieren, geht es gerade noch.“

    Der Gründer und Herausgeber der Onlinezeitung russland.NEWS ist der Meinung, dass Trump es hoffnungslos versaut hat: „Es kann sein, dass er darüber stolpert. Vor der Corona-Krise hätte ich noch gesagt, er wird die Wahlen wieder gewinnen. Jetzt kann es aber sein, dass er sie doch verliert. Andererseits, was ihm natürlich hilft: Er puscht im Moment diese ,Black lives matter‘-Bewegung auf, die dazu führt, dass ein halber Bürgerkrieg bei den Demonstrationen in Portland stattfindet. Dieses Aufheizen bringt ihm natürlich wieder Stimmen, dass er sich hinstellen kann: ,Ich bin der, der für Recht und Ordnung sorgt.‘ Ich kenne aber keinen Seriösen, der im Moment sagen würde, wer die Präsidentschaftswahl gewinnt.“

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    Tags:
    Angela Merkel, Donald Trump, Coronavirus, USA, Deutschland, Gallup-Forschungsinstitut