16:11 21 September 2020
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    Seit über einem halben Jahr wütet die Corona-Pandemie nun schon rund um den Globus, und noch immer ist kein Heilmittel gefunden worden. Ideale Bedingungen für Experimente mit Hausmitteln und teils absurden alternativen Heilmethoden.

    Die harmlose Variante zur Selbsttherapie sind Empfehlungen, dass man bespielweise viel Ingwer, Zitrone und Knoblauch zu sich nehmen und durch sportliche Ertüchtigung und das Vermeiden von Stress die Abwehrkräfte des Organismus stark halten soll. Je nach dem, wo man sich auf der Welt befindet, kursieren zudem in den verschiedenen Foren und sozialen Netzwerken Rezepte, die für den deutschen Gaumen zumindest ungewohnt anmuten dürften. So sind viele Koreaner überzeugt, Corona sei am besten mit Hundesuppe zu bekämpfen, denn Hundefleisch sei gut gegen Lungenkrankheiten. Manche wissen es sogar noch besser und sagen, das entscheidende sei nicht das Hundefleisch, sondern das Hundefett. So könne man auch Hühnersuppe kochen, die gegen die Lungenkrankheit helfe, solange man nur extra viel Hundefett hinzufüge. Hundefleisch wird traditionell in Nord- und Südkorea, China, Vietnam, Laos und auf den Philippinen gegessen sowie in einigen anderen Ländern, wo es eine entsprechende Diaspora gibt.

    Homöopathische Heilsversprechen

    Genauso harmlos, vermutlich noch sinnloser, dafür aber wesentlich teurer, ist die Behandlung zur Vorbeugung oder Therapie von Covid-19 mit homöopathischen Mitteln. Wie Globuli-Verfechter Christian Becker auf seinem „Homöopathiewatchblog“ begeistert vermeldet, rate sogar das „Gesundheitsministerium“ in Indien zum homöopathischen Mittel Arsenicum album 30 bei der Corona-Behandlung. Das ist allerdings nicht ganz korrekt. Eine entsprechende Empfehlung ist tatsächlich ergangen, allerdings vom indischen Ayush-Ministerium – dem Ministerium für Ayurveda, Yoga & Naturheilkunde, Unani, Siddha, Sowa Rigpa und Homöopathie. Dieses wurde 2014 nach dem Wahlsieg von Narendra Modi und seiner rechtsnationalistischen BJP geschaffen und gilt den Kritikern als Ablenkmanöver, das den Mangel an echten Ärzten kaschieren soll. Der Bundesverband homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) in Deutschland rät den Homöopathen hierzulande hingegen zur „Zurückhaltung hinsichtlich jeglicher Art von homöopathischen Vorsorge- und Therapieempfehlungen in Zusammenhang mit dem Coronavirus“. Allerdings gibt es auch in Deutschland vereinzelt Ärzte und Apotheken, die homöopathische Mittel zur Bekämpfung von Covid-19 zumindest zeitweise beworben haben. Obschon die Zuckerkügelchen wohl dem Heilungserfolg keinen Abbruch tun würden, sieht Hans Pfeufer vom „Goldenen Aluhut“ dennoch eine Gefahr darin. Er weist darauf hin, dass bei einer Mehrheit der Infizierten die Krankheit sehr milde oder gar symptomfrei verläuft. Wenn diese sich mit der Einnahme von Globuli oder anderen alternativen Heilmethoden „therapiert“ hätten und den Heilungserfolg diesen zuschrieben, so fühlten sie sich in ihrem Glauben an deren Wirksamkeit bestätigt und überzeugten vielleicht auch andere davon, bei einer Erkrankung auf schulmedizinische Hilfe zu verzichten und alternative Heilmethoden anzuwenden – was bei einer schweren Form der Erkrankung eventuell fatale Folgen hätte.

    Schwingungsglobuli, Heilzahlen und Kuh-Urin

    In seinem Blog „Stiftung Gurutest“ bei der österreichischen Zeitung „Der Standard“ hat Autor Christian Kreil zudem eine Top 10 der besten alternativmedizinischen Heilmethoden zusammengestellt. Die Auflistung ist so skurril wie unterhaltsam, doch scheint es Menschen zu geben, die auf derartige Heilsversprechen tatsächlich reinfallen. So finden sich darin „Mirabilis-Therapiefläschchen“ für 50 Euro das Stück, die durch Auflegen auf die Brust ihre „energetische Information […] in das körpereigene Wasser“ übermitteln und an die Körperzellen weitergeben sollen. Der selbsternannte Heiler Cornelius van Lessen hingegen schaut das Virus via Fernsehen streng an und sagt ihm, es solle sein Treiben unterlassen, während er die Zellen von Innen stärkt. Die Hilfe eines TV-Geräts braucht Energetikerin Hildegard Ehgartner zum Heilen nicht. Für die Fernheilung, die sie sogar kostenlos anbietet, braucht sie nur den Namen, den Ort und die Zeit. Außerdem sei Voraussetzung, dass die zu heilende Person zum vereinbarten Zeitpunkt ungestört ist, bequem sitzt und beide Beine auf dem Boden hat. Ein Schamane hält es da doch lieber mit chinesischem Knoblauchtee und empfiehlt, dafür acht Knoblauchzehen in sieben Tassen Wasser zu kochen. Schon über Nacht würde sich nach dem Genuss des Getränks die Heilung einstellen.

    SARS-CoV-2 Zellen
    © AFP 2020 / National Institute of Allergy and Infectious Diseases / Handout
    Der Zillertaler Arzt Robert Altrichter hält es da lieber mit der Geometrie. Ein von ihm auf einen Zettel gemaltes „Anti-Corona-Symbol“ aus vier Halbkreisen überträgt die heilende Information in das Wasser, wenn man das Wasserglas draufstellt. Bei den Kollegen aus der anthroposophischen Abteilung wird hingegen viel und gerne getanzt – auch gegen Corona. Theodor vom anthroposophischen Thinktank „Eurythmy4you“ garantiert zwar keinen hundertprozentigen Schutz vor dem Virus, aber mit Eurythmie könne man „an den Lungenkräften arbeiten“. Der russische Heiler Grigori Grabovoi hält sich an Heilzahlen und eine komplizierte Ausleitungsmethode, mit der das Virus aus dem Körper vertrieben und auch die Umgebung entkeimt werden soll. Dabei muss sich der Patient erst auf das rechte, dann auf das linke Kniegelenk konzentrieren und die Energieströme der beiden Knie so kreuzen, dass der „Strahl“ auf das zu entkeimende Objekt gerichtet wird. Auf Platz drei der Hitliste der alternativen Heilmethoden steht bei „Stiftung Gurutest“ der Kuh-Urin. In Indien gibt es dafür regelrechte Partys, bei denen dieses heilsame Nass getrunken wird, um der Krankheit Einhalt zu gebieten. Geschlagen wird diese Spezialität noch von den Schwingungsglobuli der Sonnenhexe. Die „informierten Schwingungsglobuli“ sollen laut der Energetikerin, die sie abpackt, „Löschfrequenzen der Viren“ in sich tragen. Und wenn selbst die nicht helfen, bleibt nur noch eines: Der Feueratem-Rap! Albert Kessler, „Spezialist für das natürliche Ausheilen von Covid-19“, hat es kürzlich bei einer Corona-Demo in Linz vorgemacht: Erst Feueratem-Rap, dann ein gemeinsames „Ohm“ und zum Abschluss ein siebenfaches Mantra im Kronenchakra. Fertig ist der Lack und Corona hat keine Chance!

    Neben den nutzlosen, skurrilen oder amüsanten „Heilmethoden“ gibt es allerdings auch durchaus gesundheitsgefährdende Trends, wie etwa die Einnahme von Chlorbleiche.

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    Tags:
    Alternativmedizin, Medizin, Heilung, Coronavirus, Homöopathie, Covid-19