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    Seit 130 Jahren werden Straftäter in den USA auf dem Elektrischen Stuhl hingerichtet. Die Methode ist grausam, doch das sind ihre Alternativen auch. Dennoch wird die Todesstrafe in 32 US-Bundesstaaten weiterhin vollzogen.

    Eine der grausamsten Hinrichtungsmethoden in den USA „feiert“ runden Geburtstag. Am 6. August 1890 wurde in New York William Kemmler als erster Mensch durch den Elektrischen Stuhl hingerichtet. „Es war schrecklich und die Zeugen waren so entsetzt über den Anblick, dass sie ihre Augen nicht abwenden konnten. Der Stromerzeuger schien nicht reibungslos zu laufen. Die Elektrizität war mit einem scharfen Schnappen zu hören. Auf dem Gesicht des Elenden auf dem Stuhl begann Blut zu erscheinen. Es stand wie Schweiß auf dem Gesicht“, berichtete damals die „New York Times“.

    Die grausamen Details über diese und andere Hinrichtungsmethoden sind auf der Seite deathpenaltyinfo.org nachzulesen. Der Todeskandidat wird zunächst rasiert und an einem Stuhl festgeschnallt. Auf dem Kopf wird eine helmartige Elektrode befestigt, darunter befindet sich ein feuchter Schwamm. Eine weitere Elektrode wird am Bein des Häftlings befestigt. Für eine Dauer von 30 Sekunden wird ihm anschließend Strom zwischen 500 und 2000 Volt durch den Körper gejagt. Sollte er danach noch einen Herzschlag aufweisen, wird der Prozess so oft wiederholt, bis der Hinzurichtende tot ist.

    Was das mit dem Körper des so behandelten Menschen macht, beschreibt William Brennan, Richter am U.S. Supreme Court, wie folgt:

    „Manchmal fallen dem Gefangenen die Augen raus und liegen auf seinen Wangen. Der Gefangene sondert oft Fäkalien und Urin ab und erbricht Blut. Der Körper läuft leuchtend rot an, während seine Temperatur steigt, der Körper schwillt an und die Haut spannt sich, dass sie fast platzt. Manchmal geht der Gefangene in Flammen auf. Die Zeugen hören ein permanentes lautes Brutzeln wie vom Anbraten von Speck, und der süßliche Geruch von brennendem Fleisch durchdringt den Raum.“

    Nach der Hinrichtung auf dem Elektrischen Stuhl weist der Körper des Toten Verbrennungen dritten Grades an den Stellen auf, wo die Elektroden den Körper berührten. Robert H. Kirschner, der die medizinischen Untersuchungen in Cook County leitet, sagt zudem: „In den meisten Fällen sieht das Gehirn aus, als sei es gekocht worden.“

    Gruselig? Mittelalterlich? Im Bundesstaat Nebraska war der Tod durch den Elektrischen Stuhl bis 2008 die einzige Hinrichtungsart.

    Es ist schwer zu glauben, dass der Elektrische Stuhl als angeblich „humanere“ Alternative zum bis dahin gängigen Erhängen erfunden wurde. 1881 hatte der Zahnarzt Alfred Soutwick beobachtet, wie ein Betrunkener einen Stromgenerator berührte und durch den Stromschlag augenblicklich starb. Auf Grundlage dieser Beobachtung baute er den ersten Elektrischen Stuhl.

    Die grausamen Alternativen

    Die Alternativen zum Tod durch den Elektrischen Stuhl klingen nicht weniger brutal. Die älteste, noch angewandte Hinrichtungsmethode ist der Tod durch den Strang, der bis zu den 1890er Jahren die primäre Methode war und heute noch in den Bundesstaaten Delaware und Washington angewandt wird. Der Todeskandidat wird an Händen und Füßen gefesselt, seine Augen werden verbunden und eine Schlinge wird um seinen Hals gelegt. Dann öffnet sich eine Falltür und der Hinzurichtende wird erhängt. Zuvor wird die Hinrichtung mit einem Sandsack geübt, der das exakte Gewicht des Häftlings hat, um die notwendige Fallhöhe zu bestimmen, bei der ein schneller Tod durch Genickbruch sichergestellt werden kann. Laut deathpenaltyinfo.org ist ein sofortiger Tod aber die Ausnahme, die langsame Strangulation, die bis zu 45 Minuten dauern kann, die Regel. Gründe dafür können sein, dass der Häftling zu starke Halsmuskeln hat, zu leicht ist, die Fallhöhe falsch berechnet oder die Schlinge nicht korrekt angebracht worden ist.

    Der Tod durch Erschießen wurde im März 2015 im Bundesstaat Utah wieder eingeführt, für den Fall, dass die Substanzen für die Todesspritze nicht verfügbar sein sollten. Hierbei wird der Gefangene mit einem schwarzen Sack über dem Kopf an einem Stuhl festgebunden und über seinem Herzen wird ein Ziel befestigt. Fünf Schützen feuern gleichzeitig auf das Ziel. Wenn sie ihr Ziel verfehlen, kann es dazu führen, dass der Gefangene langsam verblutet. Ronnie Gardner war im Juni 2010 der vorerst letzte Häftling, der in Utah mit dieser Methode hingerichtet wurde.

    Der Tod in der Gaskammer durch Cyanid-Gas wurde 1924 als erstes in Nevada eingeführt. Heute wird die Hinrichtung in der Gaskammer noch in fünf US-Bundesstaaten praktiziert. Wie qualvoll diese Todesart ist, beschreibt ein ehemaliger Mitarbeiter des Gefängnisses San Quenton, Clifton Duffy: „Zuerst gibt es Anzeichen von extremer Angst, Schmerz und Ersticken. Die Augen quellen raus. Die Haut verfärbt sich violett und das Opfer bekommt starken Speichelfluss.“ Der Todeskandidat verstirbt am Sauerstoffmangel im Gehirn.

    Die heute am breitesten angewandte Hinrichtungsmethode in den USA ist der Tod durch die Giftspritze, die 1977 als erstes in Oklahoma eingeführt wurde. Nach einer harmlosen Salzlösung wird dem Gefangenen zunächst ein Anästhetikum injiziert, das ihn in den Schlaf versetzen soll. Danach kommen Substanzen hinzu, die die Muskeln lähmen, damit auch die Lunge. Als letztes kommt eine Substanz, die den Herzschlag anhält. Weil Ärzte wegen ihres Eides die Injektionen nicht ausführen dürfen, werden diese oft von medizinisch nicht ausreichend ausgebildetem Personal vorgenommen, wodurch es häufig zu „Fehlern“ kommt, etwa der Injektion in den Muskel statt in die Vene. Es gibt zahlreiche Berichte darüber, wie lange und unter welchen Qualen die Hinzurichtenden mit dem Tod kämpften. Weil immer mehr Pharmahersteller, gerade aus Europa, sich weigern, die USA mit den nötigen Substanzen zu beliefern, hat es zuletzt eine Knappheit dieser Chemikalien gegeben. Eines der Resultate war, dass Hinrichtungstermine vorverlegt wurden, um die Giftspritzen noch verwenden zu können, bevor deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.   

    Derzeit sorgt der Fall von Lezmond Mitchell für Schlagzeilen. Der Navajo ist der einzige Native American im Todestrakt und soll laut Ankündigung der US-Regierung Ende August hingerichtet werden. 

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    Tags:
    Hinrichtung, USA, Todesstrafe