12:22 28 September 2020
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    Mit dem Jahr 2020 sind 75 Jahre seit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki vergangen. Im Vorfeld des traurigen Jubiläums besuchte eine Sputnik-Korrespondentin Hiroshima - die Stadt, die am 6. August 1945 um 08.15 Uhr binnen zehn Sekunden quasi ausradiert wurde.

    Die Eindrücke vom Aufenthalt in Hiroshima sind sehr aufregend, und zwar nicht nur weil die Stadt die schreckliche Tragödie  noch zu gut kennt. Das Durchschnittsalter der Hibakusha, wie die Opfer der Atombombenabwürfe genannt werden, beträgt 84 Jahre. In ganz Japan leben gegenwärtig noch etwa 130 000 solche Menschen. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo gaben 25 Prozent der Befragten zu, immer seltener an Seminaren und Diskussionen zum Thema Atombombenangriff teilzunehmen – aus Gesundheitsgründen. Gleichzeitig sagten 13 Prozent, sie werden sich nicht mehr an Aufklärungsaktivitäten beteiligen, und 40 Prozent gaben zu, nie an solchen Veranstaltungen teilgenommen zu haben, weil sie 1945 noch viel zu jung gewesen seien. Nur 19 Prozent der Befragten fühlen sich imstande, ihre Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen.

    Die Situation wird wegen der Corona-Pandemie umso schlimmer: Die meisten Überlebenden finden, dass das Virus sie beim Voranbringen der Idee der Vernichtung der Atomwaffen behindere. Und von Jahr zu Jahr glauben immer weniger Hibakusha daran, dass Fortschritte auf diesem Gebiet überhaupt möglich wären.

    Was könnte man tun, damit diese Menschen nicht in Vergessenheit geraten, damit niemand mehr diesem gnadenlosen Schrecken eines Atomwaffeneinsatzes ausgesetzt wird? Solche Fragen stellte ich mir während meiner gesamten Japan-Reise immer wieder – und die Antwort darauf bekam ich von den Protagonisten meiner Reportage.

    „Die Wahrheit über die damaligen Ereignisse auch in 100 Jahren bewahren“

    Auf meinem Programm stand zunächst der Besuch des Gedenkmuseums für den Frieden in Hiroshima. Dort leitete sein neuer Direktor, Takuo Takigawa, der diesen Posten seit April 2019 bekleidet, persönlich einen Rundgang für ausländische Journalisten. Er erzählte ausführlich, wie seit einem großen Umbau vor einem Jahr die Exponate vervollkommnet wurden.

    „Unsere größte Mission ist, der Welt die Wahrheit über die Atombombenangriffe zu erzählen. Der im vorigen Jahr durchgeführte Umbau resultiert aus einer zehnjährigen Arbeit von universitären Lehrkräften, Hibakusha und Experten des Museums. Dadurch konnten wir einen sehr umfassenden Kreis von Meinungen sammeln“, so Takigawa.

    Der Umbau des Museums zog viel Aufmerksamkeit auf sich: Gerade 2019 hat die Besucherzahl 1,76 Millionen Menschen erreicht. Damit wurde der Rekord von 2016 gebrochen, als Barack Obama als erster US-Präsident Hiroshima einen offiziellen Besuch abstattete.

    Nach der Renovierung wurde die Museumssammlung mit einer Großzahl von Fotos und persönlichen Dingen von Todesopfern des Hiroshima-Bombardements vervollkommnet. Es wurde auch eine spezielle Sektion eingerichtet, die Ausländern gewidmet ist, die an diesem Tag in Hiroshima weilten und ebenfalls leiden mussten. Den Verzicht auf künstlich geschaffene Exponate erläuterte Takigawa, wie folgt:

    „Die wichtigste Konzeption unserer Renovierung war, die Wahrheit über die damaligen Ereignisse auch 100 Jahre später zu bewahren, wenn Hibakusha nicht mehr unter uns sind. Dabei richteten wir uns nach dem Naturalismus. Gerade deshalb wurden Puppen weggeräumt, die Opfer des Bombenangriffs symbolisierten. Es wurde beschlossen, keine künstlichen Gegenstände mehr auszustellen.“

    Zu solchen Exponaten wie „Schatten eines Menschen auf einem Stein“ und „Kinder-Dreirad“ wurden mehr als 5000 Bilder hinzugefügt, die Augenzeugen der Tragödie gemalt hatten.

    Darüber hinaus teilte Takigawa während der Präsentation einer Mauer, an der echte Spuren des „schwarzen Regens“ geblieben waren, eine Nachricht mit: Am 29. Juli beschloss das Gericht von Hiroshima, dass 84 Menschen, die wegen toxischer Niederschläge außerhalb der „Sondergebiete“ bestrahlt worden waren, die die Regierung zuvor festgelegt hatte, als Hibakusha anerkannt werden.

    Direktor des Gedenkmuseums für den Frieden in Hiroshima Takuo Takigawa
    © Sputnik /
    Direktor des Gedenkmuseums für den Frieden in Hiroshima Takuo Takigawa

    Zuvor hatten die regionalen Behörden öfter gebeten, die Opfer des „schwarzen Regens“ außerhalb der „Sondergebiete“ zu den Hibakusha zu zählen, damit diese ebenfalls kostenlose medizinische Hilfe bekommen können. Aber wegen ausbleibender wissenschaftlicher Beweise, dass Regen die Gesundheit der Menschen in Hiroshimas Vororten negativ beeinflussen kann, lehnte die Regierung in Tokio solche Appelle stets ab. Und obwohl neun solche Menschen inzwischen gestorben sind, wurde diese Entscheidung zur ersten richtigen Errungenschaft auf diesem Gebiet seit 75 Jahren.

    Vor einem Jahr erklärte Takigawa das Ziel: möglichst viele Erzählungen von Augenzeugen der Tragödie von 1945 auf Video aufzunehmen. An dieser Arbeit, die zwei Jahre dauern sollte, sollten sich 37 Hibakusha beteiligen. Möglicherweise werden diese Pläne aber vom Coronavirus beeinträchtigt, schloss der Museumsdirektor nicht aus. „Meines Erachtens wird das Coronavirus diesen Prozess beeinflussen. Aber wir wollen ihn doch zu Ende führen, koste es, was es wolle. Hier gibt es auch eine Art Gegeneffekt. Wegen Corona wurde das Museum für drei Monate geschlossen, und wir entschieden uns, inzwischen aufgenommene 60-minütige Videos mit Hibakusha-Erzählungen im Internet zu veröffentlichen. Wir haben eingesehen, wie wichtig es ist, unsere Arbeit online fortzusetzen.“

    „Das Jahr, das ich aus meinem Gedächtnis löschen möchte“

    Nach dem Rundgang mit dem Museumsdirektor fand ein Treffen mit dem 85-jährigen Teramoto Takashi statt, der den Atombombenangriff 1945 dank einem wahren Wunder überlebt hatte. Im Moment der Explosion war Teramoto zu Hause – etwa einen Kilometer vom Epizentrum der Detonation entfernt. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einer solchen Entfernung wird von Experten auf 50 Prozent geschätzt. Viele Menschen, die unweit von Teramoto lebten, kamen ums Leben.

    Modell von Hiroshima mit gekennzeichnetem Hypozentrum der Atombombenexplosion
    © Sputnik /
    Modell von Hiroshima mit gekennzeichnetem Hypozentrum der Atombombenexplosion

    „Es näherte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges, und die Amerikaner griffen die wichtigsten Städte Japans intensiv an. Ab April 1945 wurden Grundschulkinder extra evakuiert, um sie vor Luftschlägen zu retten. Ich lernte damals in der fünften Klasse und wurde neben meinen Mitschülern in einen Tempel auf einem Berg geschickt. Wir versuchten immer wieder, zu flüchten, denn wir hatten Heimweh und hatten nichts zu essen – man holte uns aber immer wieder zurück. Meine Mutter besuchte mich am 4. August, um mich zu einem Arzt zu bringen. Ursprünglich wollten wir am 6. August zurückkehren, aber ich wollte möglichst schnell nach Hause, so dass ich meine Mutter, die eigentlich todmüde war, überredete, am selben Tag nach Hause zu fahren. Wären wir am 6. August heimgekehrt, dann hätten wir dem Bombenangriff entgehen können. Das tut mir immer noch leid. Denn dann wäre meine Mutter am Leben geblieben.

    Am 6. August war ich zu Hause und schrieb einen Brief an einen Freund, der im Exil geblieben war. Plötzlich sah ich einen gewaltigen Lichtblitz – und es wurde auf einmal dunkel. Ich hatte keine Ahnung, was passiert war. Draußen sah ich eine Nachbarin, die mich nicht erkannt hatte, weil ich am Kopf verletzt war, und mein Gesicht blutete. Ich versuchte, meine Mutter zu finden, aber die Frau überredete mich, dass man sie retten würde, wobei wir weglaufen müssten. Sie trug mich auf ihren Schultern.

    Unterwegs sah ich plötzlich eine Frau, die bis auf den Kopf unter den Trümmern steckte. Ihre verrückten, nach rechts und nach links rollenden Augen werde ich nie vergessen. Das Feuer verbreitete sich sehr schnell, und ich fürchte, dass sie gestorben ist.

    Unterwegs machten wir einen Zwischenhalt in Yokohama, und dort sahen wir sehr viele verletzte Menschen. Und es gab keine Medikamente und keine medizinische Ausrüstung, damit man ihnen helfen könnte. Mein Kopf wurde einfach mit einem weißen Tuch bedeckt. Und ich sah einen Freund, mit dem wir zuvor im Garten gespielt hatten. Er hatte schlimme Brandverletzungen und ging mit nach vorne ausgestreckten Armen. Es sah aus, als würden von seinen Händen Kleidungsfetzen herabhängen. Erst als ich ihn aus der Nähe sah, begriff ich, dass das seine Haut war. Später erzählte man mir, dass er ein paar Tage später gestorben sei. Die Nachbarin, die mich gerettet hatte, starb zwei oder drei Monate später. Auch viele andere Menschen, die damals Yokohama erreichen konnten, mussten ihr Leben lassen.

    Später ging ich zu meiner Tante, die in einem Dorf lebte, und dort kümmerte man sich sehr gut um mich. Mein Vater erzählte mir, man hätte meine Mutter gerettet, denn ich wollte sie unbedingt wiedersehen, wenn sie sich erholen würde. Aber ein solches Treffen sollte nie stattfinden. Denn es stellte sich heraus, dass meine Mutter von Tag zu Tag immer schwächer wurde und am 15. August starb.

    Ende August bemerkte ich, dass ich meine Haare verliere. Mein ganzer Körper schmerzte, und ich konnte nichts tun, außer im Bett zu liegen – tagsüber. Ich konnte im Schlaf noch hören, wie man erzählte: ‚Menschen, die von der Atombombe getroffen worden sind, verlieren auf einmal ihre Haare, ihr Zahnfleisch blutet, und auf dem Körper entstehen violette Flecken – und dann sterben sie massenweise. Hoffentlich wird dieses Kind überleben‘. Ich dachte damals, dass sie wohl über mich redeten.

    Doch ich bin am Leben geblieben. Nach einem Jahr, im April 1946, kehrte ich in die Schule zurück, ging in die 5. Klasse. Doch das Jahr 1945 konnte ich nicht vergessen. Es schmerzt mich bis heute, dass ich meiner Mutter damals Kummer bereitete, und dass sie solch einen grausamen Tod erleiden musste, Gedanken und Gefühle belasteten mich fortan in meinem Leben”, erzählt Teramoto.

    Friedensdenkmal in Hiroshima: Besser bekannt als Atombomben-Kuppel (A-bomb Dome).  Das ehemalige Gebäudes der Industrie- und Handelskammer blieb trotz des geringen Abstands zum Bodennullpunkt weitgehend bestehen
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    Friedensdenkmal in Hiroshima: Besser bekannt als Atombomben-Kuppel (A-bomb Dome). Das ehemalige Gebäudes der Industrie- und Handelskammer blieb trotz des geringen Abstands zum Bodennullpunkt weitgehend bestehen

    Wie konnte man nach solch einer Tragödie die Kraft finden, um zu verzeihen und weiter zu leben? Das ist wohl die häufigste Frage, die jedem Hibakusha gestellt wird.

    Teramoto: „Ich werde oft gefragt, ob ich die USA hasse“. Meine Mutter und meine Freunde, mit denen ich spielte, wurden ermordet. Weil sie wegen einer Atombombe starben, kann ich nicht sagen, dass ich keinen Hass empfinde. Ich habe tatsächlich gehasst. Doch nach einigen Jahren bekam ich Kinder, danach Enkel, jetzt verspüre ich weder Hass noch Wut. Alles, was ich heute dazu sagen möchte: So etwas darf sich nie mehr wiederholen, solch eine Grausamkeit darf nie wieder zugelassen werden. Das ist mein aufrichtiger Wunsch. Wenn ich ihnen über meine Erfahrung erzähle, fühle ich keinen Hass, ich will nur die Wahrheit über die Ereignisse erzählen, die man nicht vergessen darf, damit sich das nie wiederholt. Am wichtigsten ist, dass Menschen friedlich miteinander leben, ihre Verbindung spüren, die sie verwandt macht, sich gegenseitig helfen.

    „Ergreift den Frieden und bewahrt ihn“

    Zusammen mit Teramoto kam auch die ehrenamtliche “Nachfolgerin des Atombomben-Erbes”, Okamoto Tosiko, zu dem Treffen. Okamoto ist zwar nicht in Hiroshima geboren oder dort aufgewachsen, doch sie kam extra aus Tokio, um ihren Beitrag zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer des Atomangriffs zu leisten, mittlerweile lebt sie bereits seit fast 30 Jahren hier.   

    „Als ich zum ersten Mal nach Hiroshima kam, dachte ich mir, wie ist es, einen Atomangriff zu überleben. Wie lebten Hibakusha danach? Welche Gedanken hatten sie? Ich dachte mir, dass ich all das in Erfahrung bringen möchte und trat dem Programm der Nachfolger des Atombomben-Erbes bei. 

    Friedenspark Hiroshima
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    Friedenspark Hiroshima

    Ist der Krieg vorbei? Wird es ihn sicher nicht mehr geben? Werden Atomwaffen nie mehr wieder eingesetzt? Solche Fragen beunruhigten mich während des Studiums zu diesem Programm. Doch wir können vieles lernen, indem wir die Vergangenheit analysieren. Das ist das Wichtigste. Dank diesem Programm habe ich verstanden, was ich meinerseits tun kann. Und zwar – mit Menschen reden. Auf ihre Fragen antworten. Alles dafür zu tun, damit Menschen verstehen, wie wichtig das Thema Frieden heutzutage ist“, so  Okamoto.

    Laut Okamoto nehmen derzeit rund 40 Hibakusha an Seminaren teil, die vom Museum organisiert werden, um ihre Geschichte zu teilen. Derzeit lassen sich rund 150 Menschen zu “Nachfolgern” schulen.

    „Das Programm sieht ein dreijähriges Studium vor. Im ersten Jahr wird alles studiert, was mit der Atombombe zusammenhängt, sowie die Geschichte Hiroshimas. Im zweiten Studienjahr kommuniziert man mit den Hibakusha, die über ihre Erfahrungen berichten. Dann kommt das Schwierigste – auf dieser Grundlage muss eine Arbeit geschrieben werden, die anschließend 45 Minuten lang präsentiert wird. Wenn die Hibakushas ein positives Urteil fällen, wird man Nachfolger“, so Okamoto.

    Das Programm zur Schulung der “Nachfolger” ist wegen der Corona-Pandemie unterbrochen worden. Doch Okamoto rechnet damit, dass das Museum demnächst Zoom-Meetings organisiert, um die Aktivitäten fortsetzen zu können.

    „Bei jedem Hibakusha kann man etwas lernen. Einer von ihnen sagte mir einmal: Lebt ihr jetzt in Frieden? Der Frieden ist etwas, das sofort verschwinden kann. Bitte ergreift ihn und haltet in euren Händen fest. Ich denke, dass solche Worte nur Hibakushas sagen können, die während und nach dem Krieg lebten“.  

    Japan ist das einzige Land, das einen Atombombenangriff erlebte. Doch es gab auch Atomwaffentests in Australien und in den USA, da wurden Menschen davon ebenfalls betroffen. Deswegen ist es so wichtig, der Welt über die japanische Erfahrung zu erzählen – ich denke, das ist gerade der Weg zum Frieden.

    „Von hier kann man den Frieden mitnehmen“

    Am Ende der Reise sprach ich auch mit zwei jungen Studenten, die Volontäre für den Frieden von Hiroshima sind. Da der Reisetag mit dem Ende der Regensaison zusammenfiel, konnte ich mit den Freiwilligen im von der Sonne durchfluteten Friedenspark in Hiroshima und nahe der Atombombenkuppel (Friedensdenkmal) spazieren gehen.

    Im Juni des vergangenen Jahres begannen die Friedens-Volontäre von Hiroshima mit ihrer Arbeit. Bis Februar veranstalteten sie Führungen für 232 ausländische Touristen aus mehr als 40 Ländern und Regionen.

    Warum befassen sich Jugendliche in Hiroshima mit diesem Thema – das ist die meistgestellte Frage an beide. Ikeda Fuuda (Student im 2. Studienjahr an der Universität von Hiroshima) wollte sich schon immer als Reiseführer in englischer Sprache probieren und möglichst vielen Menschen über die die Geschichte und heutige Zeit in seiner Heimatstadt erzählen. Obwohl die Fragen von ausländischen Touristen manchmal nicht einfach sind, gefällt ihm diese Kommunikation.

    „Gewöhnlich gibt es sehr viele Fragen zu den internationalen Beziehungen. Man fragt nach dem US-Atomraketenschirm bzw. man erfragt meine Meinung, warum Japan den Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterzeichnete. Ich denke, dass Japan als einziges Land, das einen Atomangriff erlebte, die wichtigste Rolle in der Bewegung zur atomfreien Welt spielen muss“, so Ikeda Fuuda.

    Nomura Mikaeru Kai (Student im 3. Studienjahr an der Universität von Hiroshima) ist auf den Philippinen aufgewachsen und lebte dort rund 18 Jahre. Seine Mutter ist Japanerin, weshalb er an einer japanischen Hochschule studieren wollte.

    „Wir machen die Führungen nicht für Japaner, sondern für Ausländer. Deswegen dachte ich mir – da ich mich gut darin auskenne, wie Ausländer gewöhnlich Geschichte betrachten, wird es für mich einfacher sein, eine gemeinsame Sprache mit den ausländischen Touristen zu finden“.

    Q: Was ist für Sie am wichtigsten während der Führungen?

    Volontäre: Während der Führungen fokussieren wir uns nicht so sehr darauf, was wir erzählen, sondern wie man eine Verbindung mit den Menschen, die uns zuhören, herstellt. Damit wir gute Beziehungen entwickeln und Touristen nach der Rückkehr in ihre Heimat erzählen können, dass Hiroshima ein sehr guter Ort ist, der einen Besuch wert ist, besonders aus historischer Sicht.           

    Q: Was kann man aus Hiroshima mitnehmen?

    Nomura Mikaeru Kai: Ich denke, dass man hier „Frieden“ mitnehmen könnte. Es geht nicht einfach um das Nichtvorhandensein eines Krieges bzw. die Vernichtung von Atomwaffen. Frieden ist in einfachen Dingen zu finden. Zum Beispiel: Wir und sie haben einen unterschiedlichen Background, wir kommen von verschiedenen Kontinenten, doch wir haben die Möglichkeit, auf diese Weise miteinander zu sprechen. Und das wir das tun können, zeigt, dass wir zumindest „Frieden“ in diesem engen Sinne mit ihnen fanden. Ich denke, dass es tatsächlich etwas Wertvolles ist, was sie mitnehmen und an andere weitergeben können.

    Dieser Ratschlag erinnerte mich an die Worte von Hibakusha Keiko Ogura, die sie beim Online-Briefing ein paar Tage vor der Reise sagte:

    „Wenn sie nach Hiroshima kommen, befassen sie sich nicht nur mit Gesprächen darüber, wie schrecklich die damaligen Zeiten waren. Schauen sie, wie schön Hiroshima jetzt ist. Wir wollen, dass sie sehen, wie Hiroshima sich wiederbelebt hat. Stellen sie sich nur vor, unsere Straßenbahnen nahmen ihren Betrieb bereits drei Tage nach dem Bombenangriff wieder auf. Wir hatten nichts zu Essen, doch wir arbeiteten trotzdem sehr hart. Nach fünf Jahren gründeten wir die Baseballmannschaft Hiroshima Carp. Es mögen zwar schreckliche Zeiten gewesen sein, doch wir können immer auferstehen, wenn es Hoffnung gibt. Wir wissen, wie wir wieder auferstehen können. Also schauen sie sich bitte Hiroshima an und wundern sie sich, wie schön es dort ist, und dass alles möglich ist, wenn man sich dafür stark einsetzt“.

    Während des Bombenangriffs 1945 wurden 140.000 Menschen in der 350.000 Einwohner zählenden Stadt getötet. Heute leben in Hiroshima knapp zwei Millionen Menschen.

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    Atomangriff, Hiroshima