13:07 29 November 2020
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    Für Kabarettist Dieter Nuhr ist die Ausladung seiner österreichischen Kollegin Lisa Eckhart vom Hamburger Literaturfestival ein „Skandal“, die Antisemitismus-Vorwürfe gegen sie - eine „fadenscheinige Begründung“ eines größeren Phänomens. Nuhr wird selbst öfter wegen seiner kritischen bis abartigen Haltung zur Klima-Bewegung missbilligt. Zu Recht?

    Eckhart ist kürzlich vom Harbourfront Literaturfestival in Hamburg ausgeladen worden, weil der Betreiber des Veranstaltungsortes, der „Nochtspeicher“, offenbar Sicherheitsbedenken im Falle eines Auftritts Eckharts hatte. Im „bekanntlich höchst linken Viertel“ werde eine solche Veranstaltung nicht geduldet, auch an Polizeischutz sei nicht zu denken, weil „die Situation dann sogar noch eskalieren und gar zu Straßenscharmützeln führen“ könne, zitierte der „Spiegel“ aus einer Antwort des Betreibers. Für die Sicherheitsbedenken soll die andauernde Kritik stehen, Eckhart bediene in ihrer Satire rassistische und antisemitische Klischees. 

    „Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf“, kommentierte Dieter Nuhr „fassungslos“ auf Facebook. Aus seiner Sicht müsse man endlich darüber diskutieren, was Redefreiheit heute noch bedeute. „Wer Lisa Eckhart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig. Ich fürchte, bei einigen ist es eine Mischung aus beidem.“ 

    Die Anschuldigung sei eine lächerliche Diffamierung, so Nuhr weiter. Der linke und der rechte Mob wünsche sich offenbar nun eine Kunst, die „linientreu den eigenen Ideologien folgt“. Wer da nicht reinpasse, werde mundtot gemacht - durch „totalitäre Maßnahmen“ wie ein Auftrittsverbot. Die fadenscheinige Begründung Antisemitismus soll für seine Begriffe „das Ganze moralisch untermauern“.

    Kürzlich wurde auch ein Audiostatement von Nuhr zur Wissenschaft von der Deutschen Forschungsgemeinschaft von der Webseite einer Jubiläumskampagne wegen Kritik im Netz an Nuhrs „wissenschaftlicher Haltung“ entfernt. Der Satiriker sprach von einer Diskreditierung seiner Stimme, seine Kritiker dagegen wollten eine vermutlich AfD-ähnliche Position Nuhrs zum Klimawandel nicht hinnehmen. 

    Nikolaus Hansen, einer der drei Leiter des Festivals, sagte am Donnerstag in Hamburg, man habe kein Problem damit, eine Veranstaltung mit Eckhart zu machen - der Beschluss liege daran, dass nach der Absage des Partners keine räumliche Möglichkeit für das geplante Format mehr gegeben sei. Da Eckhart die geplante Veranstaltung am 14. September nicht selbst absagen wollte, habe das Festival sie ausgeladen. Für Hansen sei die Absage schrecklich. Der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda (SPD) erklärte seinerseits am Donnerstag, künstlerische Räume müssten etwa durch Androhung von Gewalt nicht verengt werden. Wer das mache, schade unmittelbar der Kunst und der Freiheit.

    Was stört einen an Lisa Eckhart?

    Die 27-Jährige Kabarettistin aus Steiermark wurde neben weiteren sieben Personen für den Klaus-Michael-Kühne-Preis für den besten Debütroman nominiert. Vor der Verleihung am 20. September treten die Autoren jeweils paarweise in vier Veranstaltungen vor der Jury auf, immer im „Nochtspeicher“ in Hamburg. Zwei der in Frage kommenden Autoren waren nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nicht einverstanden, mit Eckhart bei einer gemeinsamen Veranstaltung aufzutreten. Warum?

    In den letzten drei Jahren ist Eckhart immer öfter in der entsprechenden Sendung „nuhr im Ersten“ zu sehen. Auf der Bühne provoziert sie gerne aufs Schärfste. Am Anfang der Corona-Krise fragte Eckhart in die Runde, was „ein guter Deutscher“ denn im „Ching-Chong-Chinaland“ bei den „Schlitzaugen“ verloren habe. Anfang Juni sollte der WDR Eckhart gegen den Vorwurf des Antisemitismus und Rassismus verteidigen - nach einem erneut veröffentlichten Auftritt von ihr aus dem Jahre 2018, wo die Satirikerin politische Korrektheit gegenüber Juden thematisiert. Diese habe man immer gegen den Vorwurf verteidigt, es ginge ihnen nur ums Geld, so Eckhart: „Und jetzt plötzlich kommt heraus: Denen geht‘s wirklich nicht ums Geld, denen geht‘s um die Weiber, und deswegen brauchen sie das Geld.“

    Für ihren damaligen Beitrag zu #MeToo-Debatte wurde Eckhart von „taz“ und „FAZ“ als „menschenfeindlich“ erklärt - für die Seitenhiebe gegen Frauen, Schwarze, Gehbehinderte und Transsexuelle, mit entsprechenden Äußerungen: „Eine arme weiße Frau, die sich den Busen zu einer Halskrause hochgeschnürt hat, um ihre Augen zu betonen“; „Die Erektion des schwarzen Glieds braucht alle sieben Liter Blut, über die ein Mensch verfügt“; „Wenn jetzt noch ein Rollstuhlfahrer einer Dame zu lange aufs Gesäß schaut … was, zugegeben, in seiner Position nicht zu tun, sehr schwierig ist“; „Wenn ein Mann, der einmal zuvor eine Frau war, sein chirurgisch konstruiertes Tartar von Gemächt ungefragt voll Nostalgie an seinem einstigen Geschlecht reibt.“

    Zur Flüchtlingskrise meinte sie einst, sie sei gegen Abschiebungen per Flugzeug. Das bedeute eine Tonne CO2-Ausstoß pro Person. „Und da kommt bei mir Umweltschutz vor Fremdenhass. Lasst sie lieber zu Fuß und ohne Proviant nach Hause gehen, sonst finden sie anhand des Mülls wie Hänsel und Gretel womöglich wieder den Weg nach Europa zurück.“

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    Tags:
    Kabarett, Kabarettist, Dieter Nuhr