15:25 19 September 2020
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    Rund 5000 Menschen in Beirut demonstrieren am Samstag gegen den Umgang der Regierung mit der tödlichen Explosion einige Tage zuvor am Hafen der Stadt. Bereitschaftspolizei setzte Tränengas ein.

    Aus der Kundgebung wurden auch Steine geworfen. Laut Berichten sollen die Demonstranten vier Ministerien gestürmt haben. Nach dem Armee-Einsatz sollen sich die Besetzer aus dem Außenministerium zurückgezogen haben. 

    Augenzeugen zufolge skandierten sie Parolen gegen die Regierung, verbrannten ein Bild von Präsident Michel Aoun und forderten per Megafon andere Demonstranten auf, alle Ministerien zu besetzen. Es gab zudem Versuche, auf den Parlamentsplatz vorzudringen. 

    Auf den Live-Aufnahmen örtlicher Sender war zu sehen, wie die Teilnehmer Schilder mit Sätzen, wie „Beirut ist eine entmilitarisierte Stadt“ und „Hauptstadt der Revolution“ in die Höhe halten. 

    Das Innenministerium bestätigte inzwischen frühere Informationen des lokalen Senders MTV, wonach ein Polizist bei einem Überfall im Hotel „Le Grey“ getötet wurde. 

    Hier sehen Sie den Live-Stream von Sputnik. 

    Laut Angaben des Roten Kreuzes wurden nach bisherigem Stand 238 Personen verletzt, 63 davon wurden zur Behandlung in nahegelegene Krankenhäuser gebracht. Zuvor war die Rede von 172 Verletzten gewesen.

    Auch bei einem Protest am Donnerstag kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Während der Demo am libanesischen Parlamentsgebäude warf eine Gruppe von Protestlern Stühle und Geschosse, während die Polizei Tränengas einsetzte.

    „Das Volk will den Sturz des Regimes“ war in Sprechchören zu hören. „Verschwindet, ihr seid alle Mörder“ , stand auf Bannern.

    „Wir wollen eine Zukunft in Würde, wir wollen, dass das Blut der Explosionsopfer nicht umsonst vergossen wurde“ , sagte laut Reuters Rose Sirour, eine der Demonstrantinnen.

    Viele Menschen im Libanon machen die Regierung für die Explosion mit mehr als 150 Toten und rund 5000 Verletzten verantwortlich.

    „Der Aufstand und die Revolution gehen weiter“, sagte einer der Demonstranten zu MTV.

    Präsident Michael Aoun, Regierungschef Hassan Diab und die gesamte politische Führungsspitze seien für die Katastrophe verantwortlich.

    Walid Dschumblat, der libanesische Abgeordnete und Chef der Sozialistischen Fortschrittspartei des Libanon, kommentierte gegenüber Sputnik:

    „Das politische System des Libanon muss sich hier und jetzt ändern. Es gibt kein Zurück. Ich glaube, dass es notwendig ist, die Regierung zu entlassen. Dann - absolut transparente und neutrale Wahlen vorzubereiten, die schon von den Stimmen und Wünschen der libanesischen Bürger abhängen sollten, und nicht vom System des Konfessionalismus, das sich vor vielen Jahren ausgeschöpft hat.“

    Libanesischer Premier will Neuwahlen beantragen 

    Als Reaktion auf die verheerende Explosion im Hafen von Beirut hat der libanesische Regierungschef Hassan Diab vorgezogene Neuwahlen vorschlagen. Ein entsprechendes Gesetz wolle er seinem Kabinett in einer Sitzung am Montag vorlegen, sagte Diab am Samstag in einer Fernsehansprache.

    Dies sei der einzige Weg, um die tiefe Krise des Landes zu überwinden, so der Premierminister. Diab wies eine Verantwortung für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes zurück. 

    Maas kündigt zehn Millionen Euro Soforthilfe an – Bericht

    Bundesaußenminister Heiko Maas kündigt laut einem Medienbericht zehn Millionen Euro Soforthilfe für den Libanon an. Er erklärte demnach:

    „Die Menschen in Beirut brauchen unsere Hilfe und sie brauchen Anlass zur Hoffnung.“

    „Ich freue mich sehr, dass ich heute von Seiten der Bundesregierung weitere zehn Millionen Euro für Soforthilfemaßnahmen zusagen kann.“

    Maas soll sich zudem für Reformen im Libanon ausgesprochen haben, ohne die es weder nachhaltigen Wandel noch Stabilität geben werde.

    Verheerende Explosion mit mehr als 150 Toten

    Durch eine schwere Explosion am Hafen von Beirut waren am Dienstag mehr als 150 Menschen getötet und weitere 5000 verletzt worden. Am Sonntag wollen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die Vereinten Nationen gemeinsam eine Geberkonferenz für den schon zuvor von einer Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Corona-Pandemie geplagten Libanon ausrichten. Auch US-Präsident Donald Trump kündigte seine Teilnahme an der Videokonferenz an, die Gelder für den Wiederaufbau von Beirut sammeln soll. Deutschland wird von Bundesaußenminister Heiko Maas vertreten.

    Bereits im vergangenen Oktober hatten Massenproteste gegen die Regierung begonnen. Die Demonstranten fordern weitgehende politische Reformen. Sie werfen der politischen Elite Korruption vor und beschuldigen sie, das Land rücksichtslos auszuplündern.

    jeg/mt/rtr/sna/dpa

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    Proteste, Libanon, Beirut