20:50 27 September 2020
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    Der Lehrerverband hält die Maskenpflicht im Klassenzimmer für notwendig, soll Unterricht in üblicher Weise stattfinden. Der Ärzteverband hält dagegen: Die Maskenpflicht mache „überhaupt keinen Sinn“. Von Bremen über Berlin bis Bayern gelten Dank Föderalismus ohnehin unterschiedliche Modelle beim Corona-Schulexperiment - Kollateralschäden inklusive?

    Kaum hat der Regelbetrieb nach den Sommerferien in den ersten Schulen in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg begonnen, gibt es schon die ersten Corona-Fälle und Schulen müssen gar wieder ganz schließen. So geschehen in Ludwigslust und Graal-Müritz in der vergangenen Woche.

    Abstandhalten in der Schule nicht möglich

    Mit der Wiederaufnahme des Regelbetriebs mit Präsenzpflicht an den Schulen sei klar, dass damit die bislang wirksamste Maßnahme für Gesundheitsschutz - die Abstandshaltung im Klassenzimmer - nicht mehr aufrechtzuerhalten sei, so der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Heinz Peter Meidinger in der „Neuen Passauer Presse“.

    Riskantes Experiment

    Meidinger tritt daher für rigorosere Anti-Corona-Maßnahmen ein:

     „Aus virologischen Studien wissen wir inzwischen, dass zwar Kinder unter 10 weniger infektiös sind als Erwachsene, für 14- oder 15-Jährige gilt das aber ausdrücklich nicht. Die können sogar infektiöser sein wie eine aktuelle groß angelegte Studie zeigt. Der Schulstart mit vollen Klassen wird nur in dem Fall kein riskantes Experiment sein, wenn wir bereit sind, statt der Abstandsregelung andere effektive Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen umzusetzen.“

    Natürlich seien weder Lehrer noch Schüler Fans der Maskenpflicht. „Aber das ist wohl das Opfer, das wir zumindest vorübergehend bringen müssen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern“, so Meidinger.

    Maskenverzicht „aberwitzig“

    Wie die Hygieneschutzmaßnahmen dort, wo der Schulbetrieb bereits gestartet sei, umgesetzt werde, reiche „mit Sicherheit“ nicht aus, um den Wegfall der Abstandsregel in Klassenzimmern zu kompensieren. Statt konsequenter Isolierung von Klassenbeschränke man sich auf Kohortenbildung, wo dann doch bis zu 300 Schüler in den Pausen zusammenkommen. Meininger kritisiert insbesondere, dass auf eine Maskenpflicht verzichtet würde, weil es angeblich so wenig Infektionsfälle gäbe.

    „Wer vollen Unterrichtsbetrieb will, kommt an der Maskenpflicht nicht vorbei. Es ist doch aberwitzig: In Supermärkten, Zügen, Bussen, Gaststätten und bei Veranstaltungen sind Masken und Abstandsregelungen vorgeschrieben und an Schulen verzichten wir auf beides. Kein Lehrer, kein Schüler ist Fan einer Maskenpflicht, aber das ist wohl das Opfer, das wir zumindest vorübergehend bringen müssen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern.“

    Nordrhein-Westfalen gehe mit seiner zeitlich befristeten und auf Schüler älter als 10 Jahre sowie die Lehrer beschränkten Maskenpflicht auch im Klassenzimmer den richtigen Weg., meint der Präses des Lehrerbundes.

    Ärzteverband dagegen: Masken im Unterricht sinnlos

    Dagegen hält der Marburger Bund: Der Ärzteverband hat eine Maskenpflicht im Schulunterricht als sinnlos dargestellt. „Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und Abstand sichergestellt ist, macht das Tragen von Masken während der Unterrichtsstunden überhaupt keinen Sinn und wäre eine überflüssige Behinderung“, so die Bundesvorsitzende Susanne Johna in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Sinnvoll sei die Maske dann, wenn es eng werde, etwa beim Verlassen der Klasse, vor dem Schulkiosk oder auf dem Pausenhof, wenn mehrere Klassen gleichzeitig Pause haben.

    Verzicht auf Abstandsregeln einheitlich – Schutzmaßnahmen uneinheitlich

    Die Kultusminister der Länder hatten beschlossen, dass alle Schüler nach den Sommerferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen sollen und dass dabei auf die Abstandsregel verzichtet werden soll. Einheitliche Regeln, wie Schüler und Lehrerschaft zu schützen seien, wurden nicht beschlossen – Föderalismus sei Dank. Leidtragend sind nun Lehrkörper wie Schüler, mit deren Wohl diverse Modelle ausprobiert werden. 

    Mehrere Länder hatten mehr oder weniger ausgedehnt eine Maskenpflicht an den Schulen angekündigt. Auch die Landeregierung Bayerns diskutiert nun am Montag über eine mögliche Maskenpflicht in bayerischen Klassenzimmern.

    Schulen zu schnell und unvorsichtig geöffnet

    Die aktuellen Corona-Fälle in Mecklenburg-Vorpommern zeigten leider, dass die Schulen zu schnell und unvorsichtig geöffnet wurden, so der Vorsitzende der Bundeselternrats, Stephan Wassmuth Ende vergangener Woche in der Zeitung Die Welt.

    „Es ist ärgerlich, dass die Kultusminister das so lässig angegangen sind und die Sommerferien nicht dafür genutzt haben, einen verlässlichen Unterricht auch in Corona-Zeiten vernünftig vorzubereiten.“

    Derweil sind aktuell in Rostock wegen positiv auf Corona getesteter Schüler der Borwinschule 67 Personen in zweiwöchige Quarantäne geschickt worden: Die Mitschüler der coronainfizierten Kinder, deren Lehrer sowie die Familienangehörigen der vier Schüler.

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    Tags:
    Maskenpflicht, Schulen, Coronavirus