22:22 30 September 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (102)
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    Die Covid-19-Infektionszahlen gehen nicht zurück – in einigen Regionen verlangsamt sich die Ausbreitung des Corona-Virus, in anderen kommt es zu neuen Ausbrüchen.

    Die Zahl der Infizierten beläuft sich weltweit auf mehr als 20 Mio., davon sind 750.000 gestorben. Russland erteilte zwar bereits die Zulassung des weltweit ersten Impfstoffs, doch die Weltgesundheitsbehörde WHO rechnet nicht mit einem baldigen Ende der Pandemie. Welche Länder die Epidemie eindämmen konnten und wo das Virus nicht unter Kontrolle ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

    In die Schule, aber nicht zur Arbeit

    Fünf Millionen Menschen – ungefähr so groß ist die Bevölkerung in Neuseeland, der Republik Kongo und der Slowakei. Ungefähr so viele Covid-19 Infizierte wurden innerhalb von sechs Monaten in den USA fixiert. Rund 50.000 neue Fälle und 1000 Tode pro Tag. Experten verweisen auf flächendeckende Tests, doch die realen Zahlen liegen wohl noch höher.

    Die Dynamik ist alarmierend. In den ersten 99 Tagen der Epidemie erkrankten eine Million Menschen, nach weiteren 43 Tagen waren es bereits zwei, nach den 28 folgenden Tagen bereits drei, und nach weiteren 15 Tagen vier Millionen  (zum 23. Juli). Auf die am stärksten betroffenen Bundesstaaten (Kalifornien, Florida, Texas, New York und Georgia) entfallen 40 Prozent der Infizierten.

    Die Arbeitslosenzahlen schnellten rasant nach oben. Bald beginnt das neue Schuljahr. Forschern zufolge sind Highschool-Schüler genauso Virusträger wie Erwachsene. Wie sich das bei Kindern im Grundschulalter verhält, ist bislang noch nicht endgültig geklärt. Nach Angaben der American Academy of Pediatrics/AAP ist die Zahl der Erkrankten seit einem Monat um 90 Prozent gestiegen.

    Vom 9. Juli bis 6. August infizierten sich fast 180.000 Kinder, insgesamt während der Epidemie - mehr als 380.000 Kinder. Laut einigen Untersuchungen sollen Kinder unter fünf Jahren sogar ansteckender als Erwachsene sein. Donald Trump weist entsprechende Warnungen zurück und behauptet, dass kein Risiko bestehe und die Schulen ruhig geöffnet werden könnten.

    Der britische Premier Boris Johnson verfolgt einen ähnlichen Weg wie Trump.  Er hält es für die moralische Verpflichtung seines Landes, die Ausbildung fortzusetzen. In Schottland gingen Kinder bereits ab dem 11. August wieder in die Schule. In England, Wales und Nordirland lässt man sich noch Zeit, dort ist vom Herbst die Rede. Natürlich sollen alle notwendigen sanitären Maßnahmen getroffen werden. Doch der Besuch des Unterrichts ist obligatorisch.

    In Großbritannien wurden am Wochenende 1062 neue Covid-19-Fälle fixiert – die höchste Zahl seit Juni. Nicht ausgeschlossen ist die erneute Schließung von Bars und Pubs. Die Arbeitslosenquote erreichte ihren Zehn-Jahres-Rekord. Im Sommer kündigten bereits die Großunternehmen HSBC, Airbus, Dyson u.a. Kürzungen an.

    Zuwachs in Europa

    Nach einigen Wochen der Lockerungen kommt es in Europa zu neuen Covid-19-Ausbrüchen. In Dänemark ist ein Anstieg der Erkrankungen in 67 von 98 Regionen zu erkennen.

    Gegen die zweite Welle rüstet sich auch Deutschland – in der vergangenen Woche stiegen die Zahlen zum ersten Mal seit Mitte Juli wieder dramatisch an. Alle Einreisenden müssen sich ab jetzt auf Corona testen lassen.

    In Frankreich sieht die Situation ähnlich aus. Wer älter als elf Jahre ist, muss an öffentlichen Orten eine Maske tragen. Wer dagegen verstößt, wird zu einer Geldstrafe von 135 Euro verdonnert, bei drei Verstößen drohen sogar sechs Monate Haft. In den Touristenorten sind die Regeln nicht so drastisch.

    Auch in Spanien, den Niederlanden und Belgien entwickelt sich die Lage ähnlich. In Italien, das am stärksten von der Pandemie betroffen war, ist die Situation deutlich besser. Dort sind Clubs und Schulen weiterhin geschlossen, es gilt eine Masken- und Abstandspflicht, doch die Menschen genießen den Sommer – sie sitzen auf Terrassen oder spazieren. Durch kleine Fenster, so genannte „buchette del vino“, wird Wein verkauft. Schon während der Pest-Seuche wurde durch Fenster Essen und Getränke verkauft, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

    Doch während Europa die Krise noch mehr oder weniger einigermaßen in Griff hat, wütet das Virus in Brasilien und Indien. Im größten Land Südamerikas stieg die Zahl der Infizierten auf mehr als drei Millionen, jeden Tag werden dort 23.000 neue Fälle gezählt. Der vor kurzem Corona-genesene Präsident Jair Bolsonaro betonte „optimistisch“, dass man keine Angst vor dem Virus haben solle, denn früher oder später würden alle infiziert.

    In Indien gibt es rund 2,2 Mio. Infizierte, vor einigen Tagen wurden 62.000 Fälle pro Tag registriert.

    Stabile Instabilität

    In Japan wurden über einen Zeitraum von einer Woche 10.000 neue Fälle fixiert, insgesamt sind es 50.000. Die Behörden geben sich gelassen, obwohl die Infektion sich rasant verbreitet – im Mai wurde der Ausnahmezustand aufgehoben. Anfang Juli gab es 20.000 Erkrankungen, am Ende des Monats 30.000, am 3. August 40.000 Fälle. Der Gouverneur der Präfektur Aichi rief den Ausnahmezustand aus und appellierte an die Menschen, zu Hause zu bleiben, und an Unternehmen, auf Fernarbeit zu setzen.

    In China, Südkorea und Vietnam ist die Situation deutlich ruhiger, es gibt nur Dutzende neue Fälle pro Tag. Die WHO lobt diese Länder für eine erfolgreiche Eindämmung des Virus. Das ist wohl ihrer strengen Disziplin zu verdanken.

    Die WHO nannte insbesondere Neuseeland. Doch auch dort wurden zum ersten Mal seit 102 Tagen neue Infizierte festgestellt. Alle vier Erkrankten sind Mitglieder einer Familie aus Auckland. Am Mittwoch wurde in der Stadt die Lockdown-Stufe 3 erklärt – Bars, Restaurants und Geschäfte sind geschlossen, auf die Straße darf man nur zu dringenden Angelegenheiten gehen. Das bestätigt erneut die Warnung der WHO: Das Virus ist nicht verschwunden, man muss äußerst vorsichtig sein.

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