08:15 30 September 2020
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    Rund drei Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg aus den von der Wehrmacht besetzten Ostgebieten ins Deutsche Reich verschleppt. Zur Zwangsarbeit in Rüstungsfabriken, im Bergbau, bei Ernte oder Müllabfuhr, in Handwerksbetrieben oder als Dienstmädchen in privaten Haushalten. Eine neue Schau erinnert nun an sowjetische Frauen, Männer, Kinder.

    Europaweit verpflichtete das NS-Regime 26 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit, darunter etwa neun Millionen aus der Sowjetunion. Schätzungen zufolge leisteten etwa sechs Millionen in den besetzten sowjetischen Gebieten Zwangsarbeit, rund drei Millionen wurden in das Deutsche Reich verschleppt. Diese so genannten „Ostarbeiter“ bildeten unter den 13 Millionen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen im Deutschen Reich die größte Gruppe. Gekennzeichnet mit dem Abzeichen „OST“, waren sie extrem schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhren diese Menschen weder in Deutschland noch in der Sowjetunion eine Anerkennung ihres erlittenen Unrechts. Erst im Jahr 2000 entstand auf Beschluss des Deutschen Bundestags die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zur Entschädigung von Zwangsarbeit. Bis 2007 erhielten knapp 1,7 Millionen Überlebende eine einmalige Zahlung zwischen 500 und 7.700 Euro. Die Hälfte der Empfänger stammte aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Entschädigung hatte überwiegend symbolischen Charakter. Für die Betroffenen stellte sie eine wichtige, wenn auch späte Würdigung ihrer Leiden dar. 

    Sonderausstellung „Postscriptum“ mit Memorial Moskau in Karlshorst

    Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst zeigt ab Donnerstag im Museumsgarten die neue Sonderausstellung „Postscriptum – ‚Ostarbeiter‘ im Deutschen Reich“. Sie erinnert an die sowjetischen Frauen, Männer und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für das NS-Regime leisten mussten.

    Nadeschda, mit 18 Jahren verschleppt, eine Lagerfeier, Düsseldorf, ohne Jahresangabe
    Nadeschda, mit 18 Jahren verschleppt, eine Lagerfeier, Düsseldorf, ohne Jahresangabe

    Die Ausstellung „Postscriptum“ wurde von der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial Moskau erarbeitet und in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst nach Deutschland geholt und übersetzt. Die große Mehrzahl der in der Ausstellung präsentierten persönlichen Dokumente und Fotografien ehemaliger „Ostarbeiter“ sind erstmalig in Deutschland zu sehen. Sie wurden mit Moskauer Schülern und Studierenden zusammengetragen - und zeichnen die Lebenswege Zwangsarbeiter nach. Der Titel „Postscriptum“ bezieht sich auch darauf, dass ehemalige Zwangsarbeitende im heutigen Russland und in Deutschland eine vergessene Opfergruppe des Zweiten Weltkrieges sind.

    „Wir hoffen sehr, dass die Postscriptum-Ausstellung ein kleiner Schritt auf dem langen Weg ist, dass Ostarbeiter bald keine weißen Flecken mehr in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges sind.“ So Evelina Rudenko, Kuratorin der Ausstellung und Mitarbeiterin von Memorial Moskau.  „Darüber hinaus wünschen wir uns, durch diese Sicht auf den Krieg kommende Generationen in ihrem kritischen und humanistischen Verständnis der Geschichte zu vereinen.“

    Die Gesellschaft Memorial ist eine 1987 gegründete internationale Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Moskau. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die historische Aufarbeitung politischer Gewaltherrschaft, die Einhaltung der Menschenrechte und die soziale Fürsorge für die Überlebenden des sowjetischen Arbeitslagersystems (GULag).

    "Postscriptum" wird in Form einer Open-Air-Ausstellung im Außengelände des Museums präsentiert und kann somit auch außerhalb der Öffnungszeiten besichtigt werden.

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    Tags:
    Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst, UdSSR, Sowjetunion, Zwangsarbeiter, Zweiter Weltkrieg