16:47 25 September 2020
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    Nach der weltberühmten Hagia Sophia ist nun auch die Chora-Kirche in Istanbul in eine Moschee umgewandelt worden. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Dekret des türkischen Präsidenten, Recep Tayyip Erdogan, hervor. Bislang wurde das by­zan­ti­nische Gotteshaus als Museum genutzt.

    „Das ist eines der symbolträchtigsten by­zan­ti­nischen Denkmäler aus der Ära der Komnenen-Dynastie, berühmt durch seine genialen Fresken. Es soll nun in eine Moschee umgewandelt werden – nach dem gleichen Verfahren, wie auch die Hagia Sophia. Damit wird sich jetzt das Amt für religiöse Angelegenheiten beschäftigen und es ist zu erwarten, dass die by­zan­ti­nischen Fresken bedeckt werden, damit die Kirche zur Moschee wird“, berichtet der griechische Fernsehsender ERT.

    Das Amt für religiöse Angelegenheiten hat auf eine Anfrage von Sputnik bestätigt, dass die Chora-Kirche in Zukunft für das islamische Gebet genutzt wird.

    Das Gotteshaus befindet sich im Istanbuler Stadtteil Fatih. Der Sakralbau wurde von seiner Errichtung Ende des 11. Jahrhunderts bis ins frühe 16. Jahrhundert als orthodoxe Kirche genutzt. Nach der Eroberung von Konstantinopel wandelten die Osmanen die Kirche in die Kariye-Moschee um. Nach einer umfangreichen Restraurierung im Jahr 1948 wurde das Gebäude dann auf der Grundlage eines Regierungsbeschlusses in ein Museum umgewandelt.   

    Der Staatsrat (oberstes Gericht der Türkei) soll bereits 2019 entschieden haben, die Chora-Kirche wieder in eine Moschee umzuwandeln. Die damalige Umwandlung in ein Museum befand der Staasrat für unrechtmäßig.  

    Hagia Sophia als Moschee

    Am 10. Juli hob der Staatsrat den Status der Hagia Sophia (Sophienkirche) in Istanbul als Museum auf und machte damit den Weg zur Nutzung der einstigen Kirche als Moschee frei. Der türkische Präsident ordnete daraufhin an, die „Hagia Sophia Moschee“ für das islamische Gebet zu öffnen. Ende Juli fand dort das erste Gebet seit mehr als 80 Jahren statt.

    Das sorgte international für Kritik. Die Weltkulturorganisation UNESCO teilte mit, sie bedauere die Umwandlung des als Weltkulturerbe gelisteten Gebäudes ohne vorherige Abstimmung. Die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich besorgt, dass die Hagia Sophia wieder als Symbol religiösen „Raumgewinns“ gedeutet werden könnte. Auch die russisch-orthodoxe Kirche verurteilte die Entscheidung scharf. Vor allem Griechenland zeigte sich über das Handeln der Türkei empört und sprach von einer Provokation der zivilisierten Welt.

    mka/sna/gs

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    Tags:
    Weltkulturerbe, Istanbul, Türkei, Moschee