22:43 28 November 2020
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    Zum ersten Mal wird an einer russischen Universität ein Bachelor-Studienprogramm mit dem Schwerpunkt Österreich angeboten. Insgesamt 25 prominente Vortragende – Professoren, Diplomaten, Journalisten und Experten – haben sich bereiterklärt, in den kommenden Jahren die Hauptlast der Lehre an der RGGU aus österreichischer Sicht zu tragen.

    Am 1. September 2020 startete an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität in Moskau (RGGU) das neue Bachelor-Studienprogramm „Österreich – Russland: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kultur“. Erstmals werden  auch österreichische Vortragende – hochkarätige Persönlichkeiten aus Diplomatie, Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft – Lehrveranstaltungen in Moskau abhalten. Ziel ist der Erwerb umfassender Kenntnisse über Österreich unter Berücksichtigung der Prozesse auf makro- und mikroregionaler sowie nationaler Ebene. Das Studienprogramm wird seitens des Österreichisch-Russischen zivilgesellschaftlichen Forums „Sotschi-Dialog“ gefördert.

    Der Assistent des russischen Präsidenten und Ko-Vorsitzende des Lenkungsausschusses des „Sotschi-Dialogs“, Andrej Fursenko, bezeichnete diesen Tag als eine sehr wichtige Etappe: „Die Coronavirus-Pandemie hat die internationale Zusammenarbeit nicht unterbrochen. Der Sotschi-Dialog hat die Ehre, diese Initiative zu unterstützen, moralisch und finanziell, damit österreichische Vortragende nach Moskau kommen können, sobald die Coronavirus-Einschränkungen nachlassen werden.“

    „Russland und Österreich haben eine gemeinsame Geschichte, Verbindungen in der Politik, eine sehr gute Entwicklung in der Wirtschaft und interessante Entwicklungen im Mediensektor – all das sollen junge Menschen in Russland und Österreich kennenlernen“, ist sich Christoph Leitl, Ehrenpräsident der Wirtschaftskammer Österreich und Ko-Vorsitzender des Forums „Sotschi-Dialog“, sicher. An die Studenten richtete er: „Sie müssen die Vergangenheit kennen, wo wir spüren, dass wir als Europäer zusammengehören. Aber Sie müssen sich auch für die gemeinsame Zukunft interessieren. Dank diesem Programm können junge Menschen in unseren Ländern einen Studierenden-Austausch vollbringen. Das wird zum besseren Verstehen zwischen Russland und Österreich beitragen.“

    Auf Initiative der RGGU, des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und der Österreich-Russischen Historikerkommission wurde 2019 an der RGGU das vierjährige Bachelor-Studium eingerichtet. Jetzt haben sich Referenten aus Österreich dem Programm angeschlossen. Das Studium gliedert sich in zwei Ebenen. Die erste Ebene umfasst ein vertieftes Studium der Rolle Österreichs in der Geschichte und Politik, Wirtschaft und Kultur des europäischen Raumes. Die zweite Ebene weitet den Blick auf europäische und österreichische Erfahrungen, neue Trends in der Integration und den österreichischen und russischen Beitrag dazu.

    • RGGU-Studenten bei der Veranstaltung mit österreichischen Lehrkäften
      RGGU-Studenten bei der Veranstaltung mit österreichischen Lehrkäften
      © Foto : RGGU / Handout
    • RGGU-Rektor Alexander Besborodow
      RGGU-Rektor Alexander Besborodow
      © Foto : RGGU / Handout
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    © Foto : RGGU / Handout
    RGGU-Studenten bei der Veranstaltung mit österreichischen Lehrkäften

    Univ.-Prof. Dr. Alexander Tschubarjan, Ko-Vorsitzender der Österreichisch-Russischen Historikerkommission, hob insbesondere hervor, dass Österreich stets die Rolle eines Vermittlers bei der Lösung von vielen europäischen Problemen gespielt habe: „Wien ist der Name im internationalen politischen System. Es gibt Wiener Treffen im 20. Jahrhundert während des Kalten Krieges, es gibt Wiener Arbitrage, es gibt Wiener Abkommen und Verträge, die geholfen haben, verschiedene Situationen in Europa zu normalisieren.“ Tschubarjan hofft, dass dieses Programm den russischen Studenten helfen werde, die österreichische Kultur kennenzulernen. Auch wäre es ihm zufolge wichtig, wenn die jungen Österreicher wieder die Entwicklung und die Rolle der russischen Kultur in der Geschichte von Europa und der ganzen Welt sehen würden. „Das könnte sie dazu motivieren, ein anderes Land kennenzulernen, und wir werden vielleicht einen Grundstein dazu legen, dass die anderen Länder auch unseren Weg gehen werden“, so der russische Historiker. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Karner, Ko-Vorsitzender der Historikerkommission von der österreichischen Seite, fügte hinzu: „Die Studierenden werden in Zukunft unsere Beziehungen mitgestalten helfen. Ein Fundament dazu werden aber auch jene Kenntnisse und Erfahrungen sein, die sie sich im Rahmen dieses Österreich-Studiums an der RGGU und auch in Österreich aneignen werden.“

    Die Gründung des Programms sei ein weiterer Schritt zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Russland geworden, sagte seinerseits Dr. Johannes Eigner, Botschafter der Republik Österreich in Russland. Die Unterstützung auf der Ebene der Zivilgesellschaft sei schon lange eine besondere Bestrebung, so der Diplomat.  

    Johannes Eigner, Botschafter von Österreich
    © Foto : RGGU / Handout
    Johannes Eigner, Botschafter von Österreich

    „Wichtig ist, dass die Studentinnen und Studenten, junge Leute, mehr über Österreich aus erster Hand oder aus erstem Mund erfahren. Wissen hilft immer zum besseren Verstehen, und deshalb ist das eine großartige Sache“, sagte Eigner im Gespräch mit Sputnik. Der Botschafter merkte an, dass die Veranstaltung offline stattfinden konnte und nicht online, wie noch vor kurzem unter strengen Begrenzungen wegen der Covid-Pandemie. Er äußerte auch die Hoffnung, dass die Grenzen endlich offen sein werden, wenn die Studenten in Österreich studieren müssen.

    Eine grundlegende Komponente des Studienprogramms sind auch die Fremdsprachenkenntnisse. Am 1. September begannen die Lehrveranstaltungen mit österreichischer Beteiligung, und zwar Vorlesungen und Seminare in deutscher und englischer Sprache. Im achten Semester soll eine Bachelor-Arbeit zu einem Österreich-Thema verfasst werden. Dafür wird es Möglichkeiten geben, Praktika und Forschungen auch an österreichischen Universitäten, vor allem in Graz und Wien, aber auch am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung durchzuführen. Die Absolventen können im Anschluss an ihr Bachelor-Studium dann ein Master-Studium auf den Gebieten der internationalen Beziehungen und der Regionalwissenschaften beginnen. Der Direktor der Diplomatischen Akademie in Wien, Dr. Emil Brix, hat die russischen Studenten in einer Videoansprache eingeladen: „Sollten Sie nach Abschluss dieses Studienlehrganges ein Interesse an internationalen Beziehungen haben, dann haben Sie auch die Möglichkeit, sich in Wien an der Diplomatischen Akademie für einen Masterlehrgang zu bewerben.“

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