20:09 19 September 2020
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    China war das offiziell erste Land, das von der Corona-Pandemie massiv betroffen war. Doch während gegen das Virus weltweit immer noch einschneidende Maßnahmen getroffen werden, lässt die Volksrepublik sogar wieder Großveranstaltungen zu. Abseits des medialen Fokus scheint China Covid-19 im Griff zu haben. Doch der Weg dahin war steinig.

    Die Bilder gingen um die Welt: In der zentralchinesische Metropole Wuhan, mit seinen über elf Millionen Einwohnern, wütet Anfang des Jahres das Corona-Virus. Fernsehsender zeigen Aufnahmen von einer Geisterstadt, die unter Quarantäne steht. Doch seitdem ist es in den Medien um die Volksrepublik still geworden. Dabei ist die Corona-Entwicklung in China bemerkenswert: Während zahlreiche Länder der Welt weiterhin mit immer neuen Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus vorgehen, ist in Wuhan Normalität eingekehrt.

    ​Anlass für Recherche von Sputnik war das in der Presse Mitte August veröffentlichte Foto einer angeblichen Pool-Party in einem Wasserpark in Wuhan mit tausenden Teilnehmern ohne Mindestabstand oder Masken. Die Angst vor dem Virus scheint verflogen. Doch entspricht dieses Bild der Realität in China? Unsere Anfrage bei der Chinesischen Botschaft in Berlin gibt Klarheit: Ja, in der Volksrepublik ist größtenteils wieder Normalität eingekehrt. Bezüglich der besagten Wasserpark-Feier erklärte ein Sprecher der Botschaft:

    „Je nach Situation, wie der lokalen Neuinfektionszahl, bestimmen lokale Behörden die notwendigen Präventionsmaßnahmen für große Veranstaltungen. So auch für die Wasser-Party in Wuhan, wo es seit langem keine Neuinfektion gab.“

    Weiter heißt es, dass bei der Veranstaltung begrenzte Teilnehmerzahlen, Corona-Tests für alle, verstärkte Desinfektion der Räumlichkeit und Kontrolle der Wasserqualität angeordnet wurden. Die Gesundheit und Lebenssicherheit der Bevölkerung habe höchste Priorität.

    Es herrscht Alltag

    Die aktuell gemeldeten offiziellen Corona-Zahlen aus China belegen die positive Entwicklung. Derzeit gibt es in der gesamten Volksrepublik 192 aktuelle infizierte Corona-Patienten, die tägliche Neuinfektionszahl liegt im einstelligen Bereich. Seit Monaten gibt es demnach in dem bevölkerungsreichen Land mit über 1,4 Milliarden Menschen keinen Todesfall in Verbindung mit der Lungenkrankheit Covid-19. Auf den Straßen Wuhans und anderen chinesischen Metropolen herrscht der Alltag wie vor Corona-Zeiten.

    Die Maske ist freiwillig

    ​Fernsehbilder aus China, aber auch von deutschen und internationalen Korrespondenten zeigen Bilder von tausenden Schülerinnen und Schülern, die – ohne Abstand und nur vereinzelt mit freiwilligen Masken – in den Schulunterricht zurückgekehrt sind. In Parks und Einkaufsstraßen sammeln sich die Menschen, Gedrängel in Supermärkten und U-Bahnen, die Welt scheint wieder in Ordnung zu sein. Die chinesische Botschaft erklärt dazu:

    „Dank der effektiven Präventions- und Kontrollmaßnahmen und hoher Opferbereitschaft der Chinesen liegt die Zahl der täglichen Neuinfektion in China auf einem sehr niedrigen Niveau.“

    Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Normalität in China kehre langsam wieder zurück, so die Aussage. Die angesprochenen Kontrollmaßnahmen basieren vor allem auf einer massiven technischen Aufrüstung in Chinas Metropolen.

    ​So gibt es vor Parks und Veranstaltungen aufgebaute Pavillons, die von allen Besuchern per Wärmebildkamera die Temperatur messen. Zusätzlich müssen so genannte Gesundheitscodes mit dem persönlichen Smartphone gescannt werden. Wer Kontakt zu Corona-Patienten hatte, dessen Handy zeigt ein rotes Licht – ohne eine grüne Ampelmeldung dürfen Bewohner selbst die eigene Wohnanlage nicht betreten. Der digitale Fußabdruck, den jeder dabei hinterlässt, wird in einem Bewegungsprofil zentral gespeichert. Im Ernstfall haben die Sicherheitskräfte Zugriff auf diese Daten.

    Ein Land der Extreme

    Corona-Demo in Berlin am 29. August 2020
    © REUTERS / AXEL SCHMIDT
    Was Datenschützern Schweiß auf die Stirn treiben mag, bedeutet für die chinesische Bevölkerung wiederum Normalität. Dort, wo einst ein kompromissloser Lockdown durchgesetzt wurde, ist man zum kompletten Gegenteil übergegangen. Das beliebte Bierfest in der ostchinesischen Stadt Qingdao – vergleichbar mit dem Münchner Oktoberfest – verzeichnete im September einen Besucherrekord. Konzerte und Großveranstaltungen mit tausenden Besuchern sind ebenfalls erlaubt. Die Regierung hat sogar angeordnet, dass der Eintritt aller Freizeitparks und Touristenattraktionen kostenlos ist. Vielleicht eine Wiedergutmachung für die Strapazen, welche die strikten Corona-Maßnahmen mit sich gebracht haben. Ein Vorbild für Deutschland? Wohl kaum. Doch für China sicherlich ein Erfolg im Kampf gegen eine Pandemie.

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    Tags:
    Wuhan, China, Coronavirus