21:58 30 September 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (102)
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    Die Berliner Clublandschaft ist legendär, das Berghain weltbekannt. Die Schließung trifft die erfolgsverwöhnte Szene hart, sie versucht, alternative Wege zu gehen – mit Ausstellungen und Openairs. Mit dem Neustart wird aber erst 2021 gerechnet. Es gehe in keinem Fall darum, sofort die Clubs zu öffnen, auch nicht im Herbst, so der Club-Verband.

    Derzeit haben einige der 140 Berliner Clubs auf Freiluft-Flächen geöffnet, berichtet der Verband der Klub-Betreiber „Clubcommission“. Bei einigen sollen Masken beim Tanzen getragen werden, andere wiederum verzichten auf Tanzflächen. Die Hygieneregeln funktionierten gut, von dort ausgelösten Infektionen sei ihm nicht bekannt, so Verbandssprecher Lutz Leichsenring gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Der Verband hofft wie viele auf die baldige Entwicklung eines Impfstoffs. Zum Neustart soll es Schnelltests und alternative Methoden zur Nachverfolgung geben.

    Mit „TamTam“ ging es los...

    Berlins berühmteste Nacht-Adresse mit seiner berüchtigt-strengen Tür, der Technobunker Berghain, öffnet den Garten für Besucher – und nicht nur das. Im Inneren gab jüngst eine Soundinstallation des Künstlerkollektivs „Tamtam“.

    Kunst-Bunker und Techno-Club

    In der kommenden Woche beginnt nun eine mit Spannung erwartete Kunstausstellung mit prominenten Namen, darunter Katharina Grosse, Anne Imhof, Isa Genzken und Olafur Eliasson. Organisiert wird das Ganze von einem Team um Kunstsammler Christian Boros - „Studio Berlin“ getauft, das schon zu Beginn der Sperre im März mit der Arbeit an dem Konzept begonnen hat. Boros ist selbst Sammler, sein Kunst-Bunker mit der Kollektion der Boros-Foundation in Berlin-Mitte ist gewissermaßen die Wiege des Berghain. In den 1990er Jahren errichteten die Clubbetreiber ihr erstes Nachtlokal im Weltkriegs-Bunker, berichtete Boros dem Magazin „TheArtNewspaper“. Es heißt, der Berghain-Geburtstag wird immer noch jährlich dort gefeiert.  

    Probleme mit dem Türsteher? Auch die Oma darf nun rein... 

    Das Berghain umzuwidmen ist nicht abwegig. Der Club verstand sich ohnehin schon immer als Schmelztiegel diverser Künste, die Wände„schmückten“ auch früher Kunstwerke und Fotos – wie ein nackter Anus - aufgenommen von Star-Fotograf Wolfgang Tillmans. Im Gebäude des ehemaligen Fernwärmekraftwerkes im Osten der Stadt gab es als willkommene Ergänzung zu den tagelangen hedonistischen Technohysterien auch Ballettperformances. Die Clubflächen auch in Corona-Zeiten weiteren Nutzungsmöglichkeiten zugänglich zu machen, liegt da auf der Hand.

    Insgesamt sollen nun fast 100 Künstler – alle mit einem Bezug zur Stadt - präsentiert werden. Die Ausstellung ist offen für alle ab 16 Jahren: „Zum ersten Mal können auch Omas mit Geh-Hilfen reinkommen“, so Boros gegenüber „TheArtNewspaper“. Denn wer sonst an der Clubtürsteher scheiterte, kommt nun jedenfalls mit einem Ausstellungsticket hinein. Die Werke der Künstler werden auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern gezeigt – auf den Tanzflächen und in der „Panorama-Bar“ des Berghains. Aber auch jetzt soll es getreu dem Clubmotto „Keine Fotos“ diskret zugehen.

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    Please respect our no-photo-policy. No pictures, no videos, no media. #switchoff 📵 Thank you.

    Публикация от Berghain OstGut (official) (@berghain_ostgut)

    Das macht natürlich neugierig.

    Private Finanziers und Steuergelder gegen Clubsterben 

    Die Clubszene mit rund 9000 Beschäftigten kämpft ums Überleben und ist auf Hilfsprogramme angewiesen. „Studio Berlin“ kommt mit Mitteln der Boros-Foundation zustande und soll vom Berliner Senat bezuschusst worden sein.  
    Nicht jeder Club hat allerdings gewinnbringende Netzwerke. Wie viele Häuser schließen müssen, sei noch nicht absehbar. Das sei eine Frage, so Leichsenring von der „Clubcommission“, die sich jeden Monat neu stelle.  

    Die Berliner Clubs erhalten mit der ersten Förderrunde durchschnittlich 81.000 Euro an Corona-Hilfen. Einer parlamentarischen Anfrage zufolge soll der Senat des Landes bereits 38 Veranstalter unterstützen. Da manche der Unternehmen mehrere Veranstaltungsorte betreiben, komme das Geld insgesamt 46 Clubs, Festivals und Konzerthallen zugute. Berlin hat übrigens als eines der wenigen Bundesländer überhaupt ein Programm aufgelegt, das private Kulturbetriebe adressiert.  

    Kein Geldautomat mit unbegrenzter Abhebebefugnis... 

    Doch auch das Land Berlin hat keinen Geldautomaten mit unbegrenzter Abhebebefugnis, so Berlins Kultursenator in der „BZ“. Trotzdem sei es gelungen, von den 525 Millionen, die das Abgeordnetenhaus für die Soforthilfe zur Verfügung gestellt habe, 85 Millionen für die Kulturszene zu sichern. In der zweiten Förderrunde sollen nun 30 Millionen drin sein, so Lederer weiter. Drinnen in Clubs soll aber erst wieder gefeiert werden können, wenn es einen Impfstoff oder ein Medikament gegen Covid-19 gebe, unterstreicht auch der Senator. Einen Miet-Erlass für Clubs schließt der Politiker allerdings aus. Da ist nun Ideenreichtum gefragt und Kollaborationen wie beim Berghain einstweilen ein gangbarer Weg. 

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