13:11 29 September 2020
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    Tausende Menschen in mehreren islamischen Ländern haben gegen die erneute Veröffentlichung von umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo protestiert. Von den Kundgebungen betroffen waren Pakistan, die Türkei, Ägypten und der Iran.

    In Pakistan gingen Tausende Menschen auf die Straße, nachdem die Regierung den Abdruck der Karikaturen scharf kritisiert hatte. Die Demonstrationen hat die islamistische Partei Tehreek-e-Labbaik angeführt, die bereits in der Vergangenheit große und oft gewalttätige Proteste wegen angeblicher Blasphemie organisiert hatte. Die Kundgebungen richteten sich vor allem gegen Frankreich. Auf Bildern ist zu sehen, wie Protestierende über eine französische Flagge laufen.

    Die Zeichnungen zeigen unter anderem den Propheten Mohammed mit einer Bombe anstelle eines Turbans auf dem Kopf. Die Zeichnungen waren erstmals 2005 in einer dänischen Zeitung erschienen. Bilder des Propheten sind im Islam verboten. Eine Beleidigung der Religion kann unter den strengen pakistanischen Blasphemiegesetzen sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.

    Auch in der Türkei, in Ägypten und im Iran protestierten Menschen. Teheran bezeichnete die Karikaturen als Provokation. Sie würden eine Beileidigung für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit darstellen. Jegliche respektlose Darstellung von Mohammed oder anderen Propheten sei „absolut inakzeptabel“, erklärte das iranische Außenministerium.

    Hommage an Attentat-Opfer

    Das Satireblatt Charlie Hebdo hatte die Karikaturen noch einmal gedruckt, nachdem am Mittwoch in Paris der Prozess gegen Komplizen der Attentäter des Anschlags auf die Redaktion begonnen hatte. Bei den Angriffen hatten Islamisten im Januar 2015 insgesamt zwölf Menschen getötet und ihre Tat mit den Karikaturen begründet.

    Nach Angaben der Redaktion waren alle Exemplare der Sonderausgabe binnen kurzer Zeit ausverkauft. Die Zeitung hatte am Mittwoch 200.000 Exemplare an die Kioske verteilt, für Samstag wurden 200.000 Exemplare nachgedruckt.

    Die starke Nachfrage zeige, „dass wir unterstützt werden, dass Redefreiheit, Säkularität und das Recht auf Gotteslästerung keine veralteten Werte sind und dass sie von der französischen Öffentlichkeit unterstützt werden, die diese Ausgabe gekauft hat“, sagte ein Zeichner mit dem Künstlernahme „Juin“ der Nachrichtenagentur AFP.

    Auch der französische Präsident Emmanuel Macron stellte sich am Freitag hinter das Satireblatt. Meinungsfreiheit in Frankreich umfasse auch das Recht zur Gotteslästerung, sagte der 42-Jährige am Freitag. Die in Frankreich geltende Laizität garantiere die „Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben“.

    Als Franzose verteidige man das Recht, jemanden zum Lachen zu bringen, sowie die Freiheit zum Spott oder zur Karikatur, erklärte Macron anlässlich des 150. Jahrestages der Gründung der sogenannten Dritten Republik.

    mka/gs

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    Tags:
    Proteste, Islam, Karikatur, Charlie Hebdo