01:59 27 November 2020
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    Am Dienstag haben Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein entschieden, dass die dortigen Bordelle ab Mitte September ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Ein weiteres Verbot der Sexarbeit sei mit epidemiologischen Gründen nicht weiter zu rechtfertigen.

    Der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD) zeigte sich erfreut darüber, dass nach positiven Gerichtsurteilen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt nun auch die nördlichen Bundesländer Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein die Öffnung der Bordelle zum 15. September beschlossen haben. In seiner Pressemitteilung vom Dienstag schrieb der Verband, die Öffnung sei längst überfällig gewesen, denn das weitere Verbot der Sexarbeit sei mit epidemiologischen Gründen nicht weiter zu rechtfertigen. Auch in Nordrhein-Westfalen sei die Prostitution nach einem positiven Gerichtsurteil wieder erlaubt. Im Eilbeschluss habe das Oberverwaltungsgericht klar ausgeführt, dass die vollständige Untersagung aller sexuellen Dienstleistungen gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoße, weil es sich in der gegenwärtigen Situation nicht mehr um eine notwendige Schutzmaßnahme handle, die die damit verbundenen Grundrechtseingriffe rechtfertige.

    Verhältnismäßigkeit der Viren

    In anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen seien die Lockerungen der Corona-Maßnahmen unter Hygiene- und Infektionsschutzregeln längst erfolgt, daher sei nicht ersichtlich, weswegen bei der Erbringung sexueller Dienstleistungen nach wie vor ein vollständiger Ausschluss von Infektionsgefahren erforderlich sei, so das Gericht. Zu einer vom Land NRW angesprochenen erhöhten Atemaktivität und dem damit verbundenen vermehrten Ausstoß von möglicherweise virushaltigen Aerosolen komme es gleichermaßen in Sportstätten, wo die Ausübung nicht-kontaktfreier Sportarten gestattet sei. Zudem sei es nicht nachzuvollziehen, weswegen bei sexuellen Handlungen zwischen zwei Personen mehr Aerosole ausgestoßen werden würden, als beispielsweise bei privaten Feiern mit bis zu 150 Personen.

    „Damit sind die Gerichte und die Nordländer endlich unseren Argumenten gefolgt, aber auch den positiven Erfahrungen, die Bordelle in Berlin und Bayern bereits mit der Beachtung der Hygienemaßnahmen gemacht haben. Nun fehlen noch Entscheidungen in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern und die Erlaubnis zu allen sexuellen Dienstleistungen“, so der BSD.

    Auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite hat der BSD eine Kampagne geschaltet, mit der er sich für die Öffnung der Bordelle und die Gleichstellung der Sexarbeit einsetzt. Die Kernforderungen sind die sofortige Beendigung des Berufsverbots für Sexarbeiterinnen und Öffnung der Bordelle, die Entkriminalisierung, Gleichstellung und Professionalisierung der Sexarbeit sowie das entschiedene Entgegentreten den Forderungen nach einem generellen Sexkaufverbot in Deutschland.

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    Tags:
    Öffnung, Coronavirus, Bordelle, Prostituierte, Prostitution, Sexarbeit