15:55 30 Oktober 2020
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    Eine Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung ist in Deutschland eingeleitet worden, nachdem eine Patientin wegen eines IT-Ausfalls an der Düsseldorfer Uni-Klinik in ein Wuppertaler Krankenhaus umgeleitet werden musste – und starb.

    Seit dem 10. September ist das IT-System des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) laut dessen Webseite weitreichend gestört. Rettungswagen fuhren die große Einrichtung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt daraufhin nicht mehr an, Operationen wurden verschoben und geplante Behandlungstermine abgesagt.

    Hacker-Attacke

    Der IT-Ausfall beruht nach Angaben der Landesregierung auf einem Hacker-Angriff mit Erpressung. Aus einem Bericht des Justizministers ging hervor, dass vergangene Woche 30 Server des Klinikums verschlüsselt wurden. Auf einem Server wurde ein Erpresserschreiben hinterlassen, das allerdings an die Düsseldorfer Heinrich Heine-Uni gerichtet war. In dem Schreiben forderten die Erpresser zur Kontaktaufnahme auf – eine konkrete Summe nannten sie laut Bericht nicht.

    Die Düsseldorfer Polizei habe dann tatsächlich Kontakt aufgenommen und den Tätern mitgeteilt, dass durch ihren Hackerangriff ein Krankenhaus – und nicht die Uni – betroffen sei. Damit seien Patienten erheblich gefährdet. Die Täter hätten daraufhin die Erpressung zurückgezogen und einen digitalen Schlüssel ausgehändigt, mit dem die Daten wieder entschlüsselt werden können.

    Die Ermittler haben laut Bericht daher den Verdacht, dass das Uni-Klinikum nur zufällig betroffen war. Inzwischen seien die Täter nicht mehr erreichbar.

    Vorwürfe einer fahrlässigen Tötung

    Gegen die Unbekannten wird jetzt auch wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, da eine lebensbedrohlich erkrankte Patientin, die in der Nacht vom 11. auf den 12. September in die Uni-Klinik gebracht werden sollte, an ein Krankenhaus in Wuppertal verwiesen wurde.

    Ihre Behandlung habe erst mit einstündiger Verspätung stattfinden können. Sie starb kurze Zeit später, so der Justizminister in seinem Bericht.

    Schwachstelle in einer Anwendung ausgenutzt

    Die Hacker sollen eine Schwachstelle in einer Anwendung ausgenutzt haben, teilte das Krankenhaus am Donnerstag mit. Die Sicherheitslücke habe sich in einer marktüblichen und weltweit verbreiteten kommerziellen Zusatzsoftware befunden. Bis zur endgültigen Schließung dieser Lücke durch die Softwarefirma sei ein ausreichendes Zeitfenster gegeben, um in die Systeme einzudringen.

    „Als Folge des damit ermöglichten Sabotageakts fielen nach und nach Systeme aus, Zugriffe auf gespeicherte Daten waren nicht mehr möglich.“

    Mittlerweile konnten die IT-Experten dem Statement zufolge den genauen Umfang analysieren und den Zugang zu den Daten wiederherstellen. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass Daten unwiederbringlich zerstört worden seien. Auch für das Abfischen von konkreten Daten gebe es nach heutigem Stand keine Belege.

    „Aufgrund des Umfangs des IT-Systems und der Fülle an Daten können wir noch nicht abschätzen, wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird“, so der Kaufmännische Direktor Ekkehard Zimmer.

    Das Klinikum zeigte sich aber zuversichtlich, in den nächsten Tagen die Zeitspanne besser abschätzen zu können.

    mo/mt/dpa

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