06:16 27 Oktober 2020
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    Fast 44 Prozent der Menschen in Deutschland haben im Kindheitsalter psychisch belastende Probleme wie elterliche Scheidung oder Trennung, Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Familie erfahren. Experten zufolge ist nur ein Bruchteil der Betroffenen in Behandlung, was gravierende Folgen in Zukunft haben kann. 

    Zu den negativen Erfahrungen gehören auch emotionale Vernachlässigung oder emotionale Misshandlung, wie eine aktuelle Studie zeigt, die die Bundespsychotherapeutenkammer am Freitag in Berlin in einer neuen Übersicht zu dem Thema anführte.

    Elterliche Scheidung als Belastung am häufigsten angegeben

    Ein Fünftel hatte nach eigenen Angaben demnach eine der belastenden Kindheitserfahrungen, rund neun Prozent zwei und rund fünf Prozent drei. Bei rund neun Prozent gab es demnach sogar mindestens vier belastende Kindheitserfahrungen - vor allem diese Betroffenen leiden laut der Studie besonders häufig unter Depressivität, Ängstlichkeit, sind aggressiv oder haben insgesamt eine eingeschränkte Lebenszufriedenheit. Am häufigsten wurde von den über 2500 Befragten demnach elterliche Scheidung oder Trennung als Belastung genannt, danach folgten Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch in der Familie.

    Anhand weiterer, bereits etwas älterer Studien unterstreicht die Kammer zudem, dass schon fast 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen selbst innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung erkranken. Angststörungen, depressive Störungen oder dauerhaft aufsässiges sowie aggressives Verhalten kämen am häufigsten vor.

    Kammerpräsident Dietrich Munz sagte laut einer Mitteilung, nur ein Bruchteil der Betroffenen sei in Behandlung.

    „Dieses Missverhältnis ist für ihre Zukunft gravierend, da nicht behandelte Ängste und Depressionen im Kindes- und Jugendalter deutlich das Risiko erhöhen, im Erwachsenenalter erneut psychisch zu erkranken“, sagte Munz.

    Er bezieht sich auf Behandlungen in psychotherapeutischen Praxen.

    Die meisten Betroffenen hatten Probleme im Elternhaus

    Die Autoren der Studie über belastende Probleme in der Kindheit betonen, dass die meisten Betroffenen Probleme im Elternhaus erfahren mussten. Daher sei es wichtig, auf belastende Erlebnisse über Kindesmisshandlung hinaus zu achten, etwa den Alkoholmissbrauch im Elternhaus. Erforscht hatte dies ein Team an Kinder- und Jugendpsychiatern und -therapeuten aus Ulm, Wien und Leipzig.

    Überproportional häufig träten psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen bei ärmeren Familien und Eltern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen auf, so die Psychotherapeutenkammer weiter unter Berufung auf andere Erhebungen.

    „Aufgrund niedriger Einkommen kommt es häufiger zu engen Wohnsituationen und Konflikten in den Familien.“

    Bei geringeren wirtschaftlichen Ressourcen bekämen Kinder und Jugendliche auch weniger emotionalen Rückhalt.

    pd/mt/dpa

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    Tags:
    Alkohol, Drogen, Familie, Ängste, Depression, Erfahrung, Kindheit, Psyche, Problem