05:28 20 Oktober 2020
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    Papst Franziskus hat in einer neuen Enzyklika seine Vision von einer besseren Politik und einer solidarischen Gesellschaft nach der Corona-Pandemie dargelegt.

    Das Grundsatzdokument, das der Vatikan am Sonntag veröffentlichte, trägt den Namen „Fratelli tutti - Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“. Der Papst wendet sich darin gegen „wütende und aggressive Nationalismen“.

    Das veröffentlichte Dokument bekam dabei Zustimmung vonseiten der katholischen Kirche in Deutschland. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, würdigte das Schreiben als „eindringlichen Appell“ für weltweite Solidarität.

    Franziskus hatte die rund 150-seitige Sozial-Enzyklika am Samstag in der Pilgerstadt Assisi in Umbrien nach einer Messe unterzeichnet.

    „Jahrzehntelang schien es, dass die Welt aus so vielen Kriegen und Katastrophen gelernt hätte und sich langsam auf verschiedene Formen der Integration zubewegen würde“, schrieb der Papst.

    Allerdings scheint nun der Papst Hinweise auf Rückschritte in dieser Sphäre zu sehen:

    „Unzeitgemäße Konflikte brechen aus, die man überwunden glaubte. Verbohrte, übertriebene, wütende und aggressive Nationalismen leben wieder auf“, schrieb Franziskus weiter.

    Papst: Corona-Pandemie ist globale Tragödie

    Als Ziel des Rundbriefs benannte der Argentinier, er wolle „bei allen ein weltweites Streben nach Geschwisterlichkeit zum Leben erwecken“. Er forderte mehr Gerechtigkeit und Ethik in der Politik und unter den Menschen. Ausdrücklich nannte er Migranten und Ältere als Gruppen, die nicht benachteiligt werden dürften. Zwischen den Religionen müsse mehr Dialog herrschen.

    Der Papst sieht die Corona-Pandemie als globale Tragödie. Sie habe jedoch das Bewusstsein geweckt, dass die Welt in einem Boot sitze. Er habe mit der Arbeit an seiner Enzyklika zwar vorher begonnen, doch die Pandemie mache manches deutlicher.

    Franziskus hat seit seinem Start als Papst 2013 schon zwei andere Enzykliken verfasst: im Antrittsjahr („Lumen fidei - Licht des Glaubens“) und 2015 die „Umwelt-Enzyklika“ zum Klimaschutz („Laudato si - Über die Sorge für das gemeinsame Haus“).

    Der 83-Jährige fuhr für die Unterschrift der Enzyklika am Samstag aus dem Vatikan in die Geburts- und Sterbestadt seines Namensgebers, des heiligen Franz von Assisi. Mit dieser Geste unterstrich er den Stellenwert der Enzyklika. Es war die erste Reise des Argentiniers seit dem Beginn der Corona-Pandemie. Der Kirchenstaat hatte im März aus Vorsicht die Reisetätigkeit des Papstes gestoppt.

    ac/mt/dpa

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    Tragödie, Pandemie, Coronavirus, Politik, Solidariät, Papst Franziskus