14:54 30 Oktober 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    5023
    Abonnieren

    In Halle haben am Freitag Hunderte Menschen mit einer Schweigeminute der Opfer des rechtsextremen und antisemitischen Anschlags vor einem Jahr gedacht.

    Von 12.01 Uhr an hielten die Teilnehmer auf dem Marktplatz schweigend inne. Einige trugen Transparente mit Aufschriften wie „Nein zu Rassismus und Antisemitismus“. Zeitgleich läuteten die Kirchenglocken in der Stadt. Vom Carillon des Roten Turms erklang dann laut Medienberichten ein jüdisches Lied.

    Nach der Schweigeminute öffnete die Marktkirche ihre Tore für stille Gebete. Bis in die Abendstunden sind Veranstaltungen geplant, um der Opfer zu gedenken.

    Dem offiziellen Portal der Stadt zufolge sollen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, am Nachmittag an der Synagoge sowie am Kiez-Döner in der Ludwig-Wucherer-Straße Gedenktafeln enthüllen.

    Außerdem finde tagsüber im Stadthaus die nicht öffentliche Landesdemokratiekonferenz zu den Themen Antisemitismus und Rassismus statt. Trotz Regens versammelten sich viele Menschen laut Medien am Steintor, um dort die Liveübertragung der Demokratiekonferenz zu verfolgen.

    Für 17 Uhr sei in der Konzerthalle Ulrichskirche das zentrale Gedenken anberaumt, so die Stadt. Wegen der Corona-Pandemie sei die Anzahl der Plätze in der Kirche begrenzt, Zutritt hätten hier nur geladene Gäste.

    Bei der Veranstaltung würden Wiegand, Privorozki, Haseloff sowie Steinmeier sprechen. Der Pressedienst des Bundespräsidenten bestätigte dies auf seiner offiziellen Webseite. Das zentrale Gedenken in der Konzerthalle Ulrichskirche wird laut der Stadt vom Mitteldeutschen Rundfunk übertragen und kann an mehreren Orten in Halle live verfolgt werden.

    Kontroverse um Blumenniederlegung

    Vor dem Kiez-Döner wurde es Medien zufolge zeitweilig verboten, sowohl Blumen als auch Kerzen abzulegen. Die Maßnahme sei mit Sicherheitsbedenken begründet worden: Ein Sprengstoffspürhund habe das Gelände gesichert und jetzt dürfe nichts mehr hingelegt werden, weil der dann noch ein zweites Mal kommen müsste, um das Gebiet zu sichern.

    Die Entscheidung der Organisatoren sorgte demnach für Kontroversen. Das Verbot sei später teilweise aufgehoben worden: Blumen und Kerzen dürften nun doch vor dem Kiez-Döner abgelegt werden, jedoch nur bis 15 Uhr und dann erst wieder ab 17 Uhr.

    Attentat von Halle

    Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Attentäter kurz nach 12.00 Uhr versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge einzudringen, um ein Blutbad anzurichten. Als dies nicht gelang, erschoss er vor dem Gotteshaus eine 40 Jahre alte Passantin und bei einem Angriff auf einen nahegelegenen Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast.

    Auf seiner Flucht mit einem Auto verletzte der Attentäter in einem Ort bei Halle mehrere Menschen teils sehr schwer, ehe er von der Polizei gestellt wurde. Vor dem Oberlandesgericht läuft der Prozess gegen den 28 Jahre alten Stephan Balliet. Der Deutsche hat die Taten eingeräumt.

    mo/sb/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Schweres Erdbeben erschüttert die Türkei und Griechenland – Videos
    Das müssen Putin und Merkel wissen – Gysi über Verhältnis zu Russland und Berlin als Hauptvermittler
    Tödliche Messerattacke in Nizza: Das fanden Ermittler am Tatort
    Tags:
    Halle