21:28 23 November 2020
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    Papst Franziskus hat sich in einem Interview für einen ihm gewidmeten Dokumentarfilm für den Schutz gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften ausgesprochen. Es ist nicht das erste Mal, dass das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche sich zu diesem Thema äußert, aber es ist das erste Mal, dass er es so unmissverständlich tut.

    Das Filmfestival von Rom wird sich möglicherweise noch separat beim Papst bedanken, denn die Premiere des Dokumentarfilmes „Francesco“ führte zu einer weltweiten medialen Aufmerksamkeit, wie sie dieses junge Filmfestival bisher wohl noch nie erfahren hat. Denn Teil dieser von dem in Kasan geborenen Regisseur Jewgeni Afinejewski gedrehten Dokumentation ist ein Interview mit dem Hauptprotagnisten und Namensgeber, dem Pontifex Maximus, dem Bischof von Rom, Papst Franziskus.

    Und in dieser Dokumentation sagt er Sätze, wie sie in dieser unmissverständlichen Deutlichkeit bislang weder vom amtierenden Papst noch von einem seiner Amtsvorgänger zu vernehmen waren:

    „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben.“

    „Sie sind Kinder Gottes.“

    „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“

    Diese für einen Atheisten an sich unspektakulären Sätze entfalten ihre Sprengkraft im religiösen Umfeld, wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass sie frontal gegen die offizielle Lehrmeinung und vor allem die offizielle Morallehre der Römisch-Katholischen Kirche verstoßen. Dass dies dem Papst während seines Interviews für den Dokumentarfilm schlicht entfallen war, ist höchst unwahrscheinlich. Entsprechend rasch fanden diese Sätze ihren Weg in die Mitteilungen der Nachrichtenagenturen und der Medienhäuser rund um den Globus, die sich der Dienste dieser Nachrichtenagenturen bedienen.

    Die Positionen von Papst Franziskus zur Homosexualität und zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Lebensweisen, ihrer Rechtsstellung und ihrer grundsätzlichen Akzeptanz in der Gesellschaft, aber auch zu anderen Fragen von Sexualität und sexueller Identität, haben sich im Laufe seines Lebens immer mal wieder geändert. Das ist etwas zutiefst Menschliches. Denn auch der Stellvertreter Gottes auf Erden, der in der Mythologie der Römisch-Katholischen Glaubensgemeinschaft die Schlüssel zum göttlichen Himmelreich erhalten hat, ist zunächst einmal auch nichts weiter als ein gewöhnlicher Sterblicher. 

    Franziskus 2010: „Schachzug des Teufels“

    Aber diese Positionsänderungen sind bei ihm bemerkenswert ruckartig verlaufen. Als Franziskus sich noch Jorge Mario Bergoglio nannte und Kardinal-Erzbischof von Buenos Aires war, geißelte er 2010 nicht nur in seiner Eigenschaft als Oberhirte der argentinischen Hauptstadt, sondern auch als Vorsitzender der argentinischen Bischofskonferenz die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Argentinien als einen „Schachzug des Teufels“, der zur „Zerstörung der Familie“ führe, weshalb er jeden ermutige, sich „diesem Krieg Gottes“ gegen die Ehe für homosexuelle Paare anzuschließen. 

    Franziskus 2013: „Wer bin ich, ihn dann zu verurteilen?“

    Als Papst überraschte er dann allerdings immer wieder mit Wortmeldungen, die bei vielen Menschen Hoffnungen, bei vielen aber auch regelrechtes Entsetzen auslösten. Und Franziskus entwickelte ein Talent, in einem einzigen Interview Aussagen zu treffen, die sowohl in die eine als auch die andere Richtung interpretiert werden konnten. Nur drei Monate nach seiner Wahl zum Papst erklärte er im Juli 2013 beispielsweise während des Rückfluges von einer Pastoralreise nach Brasilien, dass er die Sichtweise seiner Kirche bekräftige, dass homosexuelle Handlungen Sünde seien, Homosexualität als sexuelle Orientierung eines Menschen aber nicht. Wenige Augenblicke später erklärte er: „Wenn eine Person schwul ist und Gott sucht und guten Willen hat, wer bin dann ich, ihn zu verurteilen?" 

    Franziskus 2014: „Ehe nur zwischen Frau und Mann“ – aber…

    Im März 2014 praktizierte er dieses „Sowohl-als-auch“ in einem Interview mit der wichtigsten italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“, indem er auf die Frage, ob die Kirche verstehe, dass viele Staaten ihre Lebenspartnerschaften neu regeln, klarstellte: „Die Ehe besteht zwischen einem Mann und einer Frau.“ Um zwei Sätze später aber einzuräumen, die Kirche müsse eingetragene Lebenspartnerschaften „in ihrer Vielfalt bewerten“. 

    Franziskus 2015: Treffen mit einem transsexuellen Mann im Vatikan

    Im Jahr 2015 verblüffte Franziskus mit einem Treffen, das ebenfalls frontal gegen eherne Grundsätze der Römisch-Katholischen Kirche verstieß. In einer Privataudienz empfing er Diego Neria Lejárrag. Der damals 48-jährige Spanier wurde als biologische Frau geboren, fühlte sich aber schon als Kind im falschen Körper, nahm jedoch nach jahrelangem psychologischem Leidensdruck und Rücksicht auf die religiösen Gefühle seiner Familie erst im Alter von 40 Jahren eine Geschlechtsumwandlung vor – ein Sakrileg in der Katholischen Kirche. Die Tatsache, dass Franziskus Lejárrag keine strenge Geheimhaltung über das Treffen auferlegte, sodass sogar Radio Vatikan darüber berichtete, wurde als ein Signal der Solidarität des Papstes gewertet. Vor allem auch in Richtung der Heimatgemeinde von Lejárrag, der dort nach seiner Geschlechtsumwandlung als „Tochter des Teufels“ diffamiert wird. 

    Franziskus 2016: „Jesus wird sicher nicht sagen 'Pack dich fort, denn du bist homosexuell'“

    Während des Rückfluges von einer Pastoralreise, die er 2016 als Papst in Aserbaidschan absolvierte, erklärte Franziskus den seiner Delegation mitreisenden Journalisten in einer „fliegenden Pressekonferenz“, wie das Vatikanische Presseamt sie nennt, am 2. Oktober 2016:

    „Ich habe in meinem Leben als Priester, als Bischof – auch als Papst – Menschen mit homosexueller Tendenz und auch solche, die ihre Homosexualität praktizierten, begleitet. Ich habe sie begleitet, sie dem Herrn nähergebracht – einige sind dazu nicht fähig, aber ich habe sie begleitet – und nie habe ich jemanden im Stich gelassen. Das ist es, was man tun muss. Man muss die Menschen begleiten, wie Jesus sie begleitet. Wenn jemand, der in dieser Lage ist, vor Jesus tritt, wird dieser ihm sicher nicht sagen: ,Pack dich fort, denn du bist homosexuell!´ Nein.“ 

    Franziskus 2018, Teil 1: Psychologische Hilfe für Eltern schwuler Kinder?

    Zwei Jahre später, während des Rückfluges von einer Pastoralreise in Irland, schrammte Franziskus an einem handfesten Eklat vorbei, denn an diesem 26. August 2018 drückte er sich so ungeschickt gegenüber den Medienvertretern aus, dass der Eindruck entstand – und weltweit auch so verbreitet wurde –, der Papst rate Eltern, wegen eines homosexuellen Kindes psychologische Hilfe zu suchen. Das hat Franziskus so definitiv nie gesagt, wie die Abschrift der Pressekonferenz belegt, aber der Vatikan sah sich wegen der weltweiten Empörung genötigt, die Position des Papstes noch einmal klarzustellen und ihn gegen „böswilliges“ Missverstehen in Schutz zu nehmen. 

    Franziskus 2018, Teil 2: „In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist“

    Dann aber kam der 1. Dezember 2018. Das Presseamt des Vatikans gab die Veröffentlichung eines neuen Buches des Papstes bekannt, verfasst in seiner spanischen Muttersprache mit dem Titel „La fuerza de la vocación. La vida consagrada hoy“ (auf Deutsch unter dem Titel erschienen: „Die Kraft der Berufung. Das geweihte Leben heute“). Das 120 Seiten starke Buch ist de facto die Niederschrift eines Gespräches mit dem spanischen Missionar Fernando Prado, das am 9. August 2018 stattgefunden hatte, also noch vor den umstrittenen Äußerungen des Papstes im Flugzeug auf dem Rückweg aus Irland nach Rom. Dieses kleine Detail sollte noch Bedeutung erlangen.

    In dem Buch dreht sich viel um das Verständnis dieses Papstes von aufrichtiger reiner Spiritualität. Er kritisiert den Hang zum Klerikalismus in seiner Kirche, also den Versuch von geweihten Würdenträgern, sich dünkelhaft über das Kirchenvolk der Laien zu erheben, was Franziskus übrigens auch als einen der Gründe für die vielen Fälle sexuellen Missbrauchs in der Römisch-Katholischen Kirche definiert, weil sich seiner Meinung nach einige geistliche Würdenträger offenbar für auserwählt, unangreifbar, über dem irdischen Recht stehend betrachten. 

    Soweit konnten viele Leser dem Papst noch folgen. Doch das änderte sich, als er Homosexualität als eine Modeerscheinung bezeichnete. „In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche … Homosexuelle Menschen im Klerus und in Priesterseminaren bereiteten ihm Sorgen, es sei eine 'sehr ernste Angelegenheit'. Menschen mit 'dieser tiefverwurzelten Tendenz' sollten seiner Meinung nicht in Seminaren oder zu religiösen Orden zugelassen werden“, berichtete damals das offizielle Nachrichtenportal des Vatikans, Vatican News. 

    Der Shitstorm war noch stärker als nach der etwas verunglückten Pressekonferenz im päpstlichen Flugzeug im August 2018, denn nun wurde die offizielle Erklärung des Vatikans, wonach Franziskus damals „böswillig missverstanden“ worden sei, in Frage gestellt – nämlich aufgrund der Tatsache, dass er zwei Wochen vor seiner Irlandreise in einer Art und Weise über das Thema Homosexualität in der Katholischen Kirche geredet hatte, die unmissverständlich ist.

    Franziskus 2018/2019: Der Kampf um die Rückgewinnung der Deutungshoheit

    Ob diese Reihung von Kommunikationskrisen der Grund war, dass pünktlich zum Jahreswechsel 2018/2019 sowohl Pressesprecher Greg Burke als auch seine Stellvertreterin Paloma García Ovejero völlig überraschend ihre Jobs kündigten und den Papst damit nicht gut dastehen ließen, wissen wir nicht. Es kann ebenso gut sein, dass die Kette von äußerst peinlichen Kommunikationskatastrophen des Jahres 2018 den Papst bewogen hatten, sich der Unterstützung eines Journalisten zu versichern, der als dem Papst mehr oder weniger bedingungslos ergebenes Sprachrohr charakterisiert wird. Die Installierung des Vatikan-Korrespondenten der Zeitung „La Stampa“, Andrea Tornielli, zum Chefredakteur aller Medienangebote des Vatikan am 18. Dezember war ein offener Affront gegenüber den bisherigen Managern der päpstlichen Kommunikationsmaschine.

    Doch wirklich besser wurden die Nachrichten für Franziskus seither nicht, auch wenn sein neuer Chefredakteur eifrig bemüht war und ist, ihn in den strahlendsten Farben leuchten zu lassen, was ein wenig in Widerspruch zu eher asketischen Grundhaltung dieses Papstes steht. Was sich aber selbst mit der perfektesten Medienstrategie nicht wirklich ändern lässt, das ist das Kernproblem dieser Kirche, ihr organisatorischer Aufbau als absolute Wahlmonarchie, in der alle Machtpositionen von Männern eingenommen werden, die wiederum Vorstellungen von Sexualität und Moral verbissen mit religiösen Gesetzen verteidigen, die de facto aus den Zeiten der Inquisition stammen, als viele Kirchenfürsten und Päpste noch Menschen foltern und ermorden ließen, wenn sie das Bild von der Erde als Scheibe im Zentrum des Universums in Frage stellten. 

    Franziskus kann nicht ignorieren: die „1. Achillesferse“ der Kirche – ein Männerorden

    Die als Männerorden fungierende Römisch-Katholische Kirche bedingt, dass ein Corpsgeist die Machtstrukturen dieser Weltreligion regelrecht verseucht hat, gegen den der berüchtigte Corpsgeist bei der Polizei oder Armee ein Kindergarten ist. Jeder Papst musste bislang mit mehr oder weniger offener Sabotage des „Apparates“ fertigwerden, der sogenannten Römischen Kurie. Und noch nie traten Gegner eines Papstes so offen, so unverstellt und feindselig auf wie im Pontifikat von Franziskus.

    Das hat nicht nur mit Miss- und Geltungssucht zu tun oder mit einer besonders reaktionären Auslegung der Bibel oder des Katechismus. Der Machtapparat der Römisch-Katholischen Kirche reagiert auf die beiden Kernthemen, die Franziskus immer wieder anschneidet, besonders allergisch: sexueller Missbrauch und Homosexualität. Ein schwer vermintes Gelände. Denn vor allem italienische Medien sind seit Jahren voll mit mehr oder weniger überzeugend belegten Insider-Geschichten aus dem Vatikan, die suggerieren, dass das Machtzentrum der Römisch-Katholischen Kirche überproportional von schwulen Männern dominiert wird, die wie eine eingeschworene Geheimloge operieren und deshalb nicht so sehr aus religiösen Motiven heraus, sondern aus blankem Egoismus wichtige Reformansätze in der Kirche sabotieren: die Öffnung für Frauen in Führungspositionen, die Diskussion um den Zölibat, den entschlossenen Kampf gegen sexuellen Missbrauch, die Abschwächung der mittelalterlichen Sexualmoral, insbesondere im Hinblick auf Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen.

    Franziskus kann nicht ignorieren: die „2. Achillesferse“ der Kirche – die Musik spielt nicht im Westen

    Doch der hartnäckige Widerstand gegen eine moderne Haltung der Katholischen Weltkirche bezüglich Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, die den gleichen Status wie die Ehe haben, könnte weniger mit persönlichen Motiven von Kurienmitgliedern in Rom zu tun haben als mit der Mitgliederstruktur der Weltkirche. Denn die Römisch-Katholische Kirche im industriellen Westen ist eine schrumpfende Religionsgemeinschaft. Die Zukunft der Katholischen Kirche liegt in Asien und Afrika. Dort aber dominiert eine Sichtweise auf Homosexualität und Familie, die sprichwörtlich Lichtjahre von den Vorstellungen des aufgeklärten Westens entfernt sind. 

    Franziskus kann nicht gegen die Kurie und die Demografie seiner Kirche regieren

    Es ist deshalb kein Zufall, dass der Kardinalpräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, der in Guinea geborene Kardinal Robert Sarah, selbst den offenen Widerstand gegen den Papst nicht scheut, wie die skandalbehaftete Veröffentlichung eines Buches im Januar dieses Jahres zeigte, als Kardinal Sarah sogar den emeritierten Papst Benedikt XVI. dafür gewinnen konnte, mit dem Buch die zaghaften Versuche von Franziskus, sich in der Frage des Zölibats wenigstens kleinste Handlungsspielräume zu eröffnen, fürs Erste erfolgreich sabotieren konnte. Sputnik Deutschland berichtete.

    Sarah ist ebenfalls bekennender und erbitterter Gegner jeder Veränderung der Römischen Amtskirche im Hinblick auf Homosexualität und der Ehe gleichgestellte gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Und er weiß einen beträchtlichen Teil der Katholischen Kirche hinter sich, und zwar nicht nur der klerikalen Würdenträger, sondern des normalen Kirchenvolkes. Der Mehrheit der Katholiken in Afrika und Asien ist vorerst nicht zu vermitteln, warum sich die Römisch-Katholische Kirche anders gegenüber Homosexuellen verhalten sollte, die in manchen Gegenden Afrikas und Asiens nach wie vor als lebende Symbole des Satans angesehen und praktisch rechtlos gestellt werden. Diesen Fakt kann Papst Franziskus nicht ignorieren, selbst wenn er möchte.

    Franziskus muss beachten: Große Teile der Katholischen Weltkirche denken anders über Homosexualität

    Seinen jetzigen neuen Vorstoß im Zusammenhang mit eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften könnte deshalb vermutlich vor allem die Öffentlichkeit in den westlichen Industriestaaten im Blick haben, die sich in immer größerer Zahl von der Kirche abwendet, weil sie diese Religionsgemeinschaft als unmodern, erzkonservativ und reformunwillig empfinden. Die Katholische Kirche mag zwar ihre Wachstums-„Märkte“ in Afrika und Asien haben, aber noch spielt auf absehbare Zeit für den Vatikan die Musik im Westen, vor allem, wenn es um die finanzielle Basis geht. 

    Es ist jedenfalls interessant und sicher kein Zufall, dass auf der Internet-Seite von Vatican News kein Wort über den Dokumentarfilm mit dem Papst in der Hauptrolle, sein Interview und seine Äußerungen zu finden ist. Was sich stattdessen findet, ist ein Artikel mit der Schlagzeile „Erzbischof Paglia: Familie ist der Ort der Stabilität“. In dem Artikel wird Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, zitiert, der am Tag der Premiere von „Francesco“ an einer Online-Konferenz mit Geistlichen aus Kolumbien teilgenommen hat. In dem Artikel wird sicherlich nicht zufällig geschrieben:

     „In dieser Zeit der Pandemie werde besonders offensichtlich, dass die Familie eine 'einzigartige soziale Form' sei, die das Leben ihrer einzelnen Mitglieder tiefgreifend präge. Auch die Kirchen, so der Präsident der Akademie für das Leben weiter, müssten die Merkmale einer Familiengemeinschaft tragen. Unabdingbar sei eine 'ekklesiologische Wende' hin zu einer Kirche, die als 'Familie Gottes' verstanden werde.“

    Franziskus braucht Verbündete in der Führung der Katholischen Kirche – aber gibt es die?

     Paglia wurde Präsident der Päpstlichen Akademie, als der Papst noch Benedikt XVI. hieß. Einen Monat vor der Wahl von Kardinal Bergolio zum Papst, im Februar 2013 erklärte Paglia unter multimedialem Raunen in seiner ersten Pressekonferenz, dass er die italienischen Abgeordneten auffordere, „Möglichkeiten des Zivilrechtes“ zu nutzen, um auch gleichgeschlechtliche Paare besser zu schützen und „Ungerechtigkeiten zu vermeiden“, womit er auf Staaten hinwies, in denen Homosexualität unter Strafe steht. Vor allem schwul-lesbische Organisationen zeigten sich damals aufrichtig überrascht, denn Paglia war bis zu jenem Tag ausschließlich als Hardliner in Sachen gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Erscheinung getreten.

    Doch für wirkliche Überraschungen war Paglia eigentlich schon damals nicht wirklich der beste Ansprechpartner, denn der einflussreiche Kurienfunktionär sagte damals auch dies: „Die Kirche muss die Wahrheit verteidigen. Und die Wahrheit ist, dass es die Ehe nur als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau gibt.“ Wenn alle Beziehungen der Ehe gleichgestellt würden, führe dies, so Paglia, „zu einem neuen Babylon“.

    Es ist wenig wahrscheinlich, dass Papst Franziskus die Positionen seiner Kurienkardinäle und Bischöfe und die Realitäten in erheblichen Teilen seiner Weltkirche nicht kennt. Gegen sie wird er in dieser fundamentalen Frage jedenfalls nichts erreichen.

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    Tags:
    Katholische Kirche, Ehe, Partnerschaft, Homosexualität, Papst Benedikt XVI, Papst Franziskus, Vatikan