11:42 04 Dezember 2020
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    Während viele Länder wieder strengere Maßnahmen aufgrund der steigenden Corona-Fallzahlen verlangen, bleibt die Schweiz bisher locker. Dagegen stellt sich die Konferenz der Gesundheitsdirektoren. Auch einige Kantone sind mit der Gelassenheit des Bundes nicht zufrieden, da die Fallzahlen vom Freitag auf ein Rekordhoch verwiesen.

    Die Zahlen der positiv-getesteten Neuinfektionen in der Schweiz am Freitag zeigen einen Rekordwert, wie ihn das Land bisher noch nicht gesehen hat. Schweizer Medien schreiben, dass gewisse Krankenhäuser schon so ausgelastet seien, dass die Grenzen ihrer Kapazitäten bald erreicht sein könnten. Dabei verhält sich der Bundesrat im Zusammenhang mit den 6634 Neuinfektionen relativ zurückhaltend. Die Gesundheitsdirektoren der Schweiz haben am Donnerstag beschlossen, dass ihnen diese Schritte nicht weit genug gehen. Sie gaben bekannt, dass nun alle nicht dringlichen Operationen, wie beispielsweise das Einsetzen von neuen Hüftgelenken oder eine Prostataentfernung verschoben würden.

    Lukas Engelberger, der Präsident der Konferenz der Gesundheitsdirektoren, bezeichnete die Lage als „sehr ernst“. Mit der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ sprach er darüber, dass ein Bedarf zum Handeln nun bestehe. Gleicher Meinung sei auch die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin, und stellt sich hinter die Gesundheitsdirektoren, um nicht-dringliche Eingriffe zu verschieben.

    Das Überfüllen von Krankenhäusern wollen die zuständigen Behörden bestmöglich verhindern. Laut dem Gesundheitsminister der Schweiz, Alain Berset, sollen die bald kommenden Schnellteste ebenfalls für die Behandlung im Krankenhaus eingesetzt werden. Entgegen der Empfehlung mancher Wirtschaftsexperten, wolle man die Tests bisher nicht an Flughäfen oder in Firmen einsetzen. Mit der Nutzung der PCR-Tests im Gesundheitswesen hoffe man die Ausbreitung des Virus noch besser und genauer überwachen zu können, um Infektionen zu verhindern.

    Welche Corona-Maßnahmen gelten in der Schweiz?

    Bundesweit gilt eine ausgeweitete Maskentragepflicht, in öffentlich zugänglichen Einrichtungen und Innenräumen. Die bisher nur auf Läden und den Öffentlichen Verkehr beschränke Maskentragepflicht gilt nun auch in Museen, Bahnhöfen, Flughäfen, Arztpraxen, Restaurants und Verwaltungen. Auch das spontane Versammeln von mehr als 15 Personen in öffentlichen Räumen ist untersagt. Bei Veranstaltungen bis zu 100 Personen gelten ebenfalls Sicherheitsmaßnahmen, wie das Tragen einer Maske oder das Erheben von Kontaktdaten – bei mehr als 100 Personen muss ein Schutzkonzept bestehen. Generell hat jeder Kanton eigene Regeln und Auflagen für die Eindämmung des Coronavirus festgelegt.

    Während die Deutschschweizer Kantone meist nur den Vorgaben des Bundes folgen, greifen die Westschweizer Kantone stärker durch. So kommt Wallis am nächsten an einen Lockdown ran: Es gelten Verbote von Menschengruppen über zehn Personen (Ausnahme im Profisport, der ohne Zuschauer stattfinden muss). Dies gelte sowohl für private als auch für öffentliche Veranstaltungen. Auch wurde in Wallis eine Sperrstunde angeordnet, die ab 22 Uhr Restaurants, Kinos, Museen, Bibliotheken oder sportliche Einrichtungen betrifft.

    Bund will Kantone miteinbeziehen

    Neben den eher locker gehaltenen Auflagen des Bundes, gibt es auch kantonale Bestimmungen. Dabei unterscheiden sich die Westkantone stark von den deutschsprachigen Nachbarn. Der „Tages-Anzeiger“ erwähnt in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Zahlen von positiv Getesteten. Während das Krankenhaus in St- Gallen fast gleichviele Patienten hat wie in der ersten Welle, sei beispielsweise das Spital Glarus fast Corona-frei

    Dabei will der Bundesrat auch oftmals strenger vorgehen, als seine Vollmachten es erlauben. In seinen Ansprachen lobte Berset Wallis beispielsweise oft für die Strenge der Maßnahmen. Da sich die Schweiz jedoch in einem sogenannten Notrechtmodus befindet, können Beschlüsse nicht so schnell umgesetzt werden: Die Kantone sollten in dem Sinne stärker und auf ordentliche Weise in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Ab Freitag dürfen die Kantone auch in einer Anhörung Stellung beziehen zu weiteren Maßnahmen.

    lm/gs

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    Bundesrat, Maßnahmen, Schweiz, Corona-Warn-App, Coronavirus