10:04 04 Dezember 2020
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    Die jüngste Messerattacke in Nizza hat einmal mehr vor Augen geführt: Der islamistisch motivierte Terrorismus hat es besonders auf Frankreich abgesehen. Das Land treibt nun die Frage um, wie man dieser Gefahr Einhalt gebieten kann. Lässt sich dieses Problem überhaupt noch in den Griff bekommen? Dazu hat sich der Journalist Gad Shimron geäußert.

    Für Shimron – Sicherheitsexperte und ehemaliger Agent des israelischen Auslandsgeheimdienstes „Mossad“ – ist der jüngste Terroranschlag in Nizza keine Überraschung. Frankreich könne auf eine lange Geschichte von Angriffen auf zivile und zeitweise auch militätische Objekte zurückblicken, so Shimron. Als Beispiel führte er die Angriffe der Nationalen Befreiungsfront in Algerien an, die gegen Frankreichs Präsenz vor Ort gerichtet gewesen seien, aber auch auf das Land selbst übergegriffen hätten.

    Doch die Terrorgefahr von heute, so Gad Shimron weiter, habe sich verändert und trete in Gestalt von islamistischem Radikalismus auf, dessen Wurzeln bis ins Ende der 1960er Jahre zurückreichten, als Frankreich seine Pforten für Einwanderer aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nordafrika geöffnet habe.

    Damals seien Tausende Migranten auf der Suche nach Arbeit und besseren Chancen nach Frankreich geströmt. Vielen sei die Integration in die französische Gesellschaft gelungen. Aber die Mehrheit hatte nach Ansicht Shimrons trotzdem unter sozialer Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu leiden, was bei der nachfolgenden Generation zur Radikalisierung beigetragen habe.

    Lässt sich der Terror aufhalten?

    Dieser Extremismus beruhe manchmal auf dem Wunsch, andere Radikale nachzuahmen, so der Sicherheitsexperte weiter. In anderen Fällen wolle man Aufmerksamkeit erregen. Doch was auch immer der Grund sei, dieses Phänomen lasse sich nicht abstellen.

    „Was wir heute beobachten können, ist eine Welle sogenannter Einsamer-Wolf-Angriffe. Es ist äußerst schwierig, sie zu bekämpfen, da selbst die besten  Sicherheitsbehörden der Welt nicht in den Kopf eines jeden muslimischen Extremisten in Frankreich eindringen können. Und das ist auch der Grund, warum wir noch mehr davon zu sehen bekommen werden“, so die bedrückende Prognose des Experten.

    In einem Land mit einem muslimischen Bevölkerungsanteil von zehn Prozent, in dem oft radikale Ideen in Moscheen, Sport- und Kulturzentren landesweit verbreitet würden, sei diese Prognose besonders alarmierend. Um Schlimmeres zu verhindern, hätten die französischen Behörden bereits damit begonnen, gegen radikale Moscheen und andere muslimische Institutionen vorzugehen. Shimron bezweifelte jedoch, ob diese und künftige Maßnahmen zum Sieg über den Terror verhelfen werden.

    „Die französischen Behörden können nicht zu radikal auf die Situation reagieren und beschließen, alle Moscheen im Land zu schließen“, sagte er und verwies auf das Potenzial der muslimischen Wählerschaft. „Deshalb müssen die französischen Behörden mit Bedacht vorgehen und einen großen personellen und technischen Aufwand betreiben, um solche Ereignisse zu verhindern.“

    Laut Shimron hat Frankreich bereits die notwendigen Schritte in diese Richtung unternommen. Die Sicherheitsbehörde DGSE – deren Aufgabe es sei, islamistische Gruppen zu überwachen – verfüge über ein Jahresbudget von mehr als 830 Millionen US-Dollar. Nach einer Reihe tödlicher Angriffe in Frankreich habe das Land 2015 den Informationsaustausch mit einer Reihe von europäischen Ländern verstärkt. An dieser Stelle kam er auf Israel zu sprechen, welches in Sicherheitsfragen ebenfalls einen regen Austausch mit anderen Ländern pflegt.

    Allerdings könne Frankreich nicht wirklich aus den Erfahrungen Israels lernen, welches bei der Bekämpfung von Sicherheitsbedrohungen relativ erfolgreich sei. Der Grund dafür liege in der äußerst „unterschiedlichen Beschaffenheit der beiden Staaten wie auch den Umständen“. Frankreich sollte jedoch mehr Ressourcen in die Verfolgung und das Aufspüren derer investieren, die eine potenzielle Gefahr darstellten und mit dem Extremismus sympathisierten.

    „Frankreich und die ganze Welt wachen auf. 2015 war Paris noch vorsichtig darin, diese Angriffe als islamistischen Terror zu bezeichnen. Das ändert sich jetzt. Das Virus der politischen Korrektheit ist verschwunden und die Menschen haben keine Scheu mehr, das auszusprechen“, so der Sicherheitsexperte abschließend.   

    mka/gs

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    Tags:
    Frankreich, Terrorbekämpfung, Terrorismus